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Star des Monats

Marc Domachowski

It's raceday!

Bericht vom HEINERMAN 2007

Sonntagmorgen, 4:45 Uhr - der Wecker klingelt. Doch ich bin schon längst wach, habe die Nacht schlecht geschlafen. Immer wieder davon geträumt, im zähen Morast des Woog zu versinken. Also, 4:45 Uhr - glockenwach! Ein Griff zum Notebook, die Homepage vom HEINERMAN angesurft - keine Neuigkeiten zur Neo-Frage. Na denne...

Runter in die Küche, Kaffee, zwei Powerbars als Frühstück - was anderes geht um die Uhrzeit nicht. Blick aufs Rad - Damn! Hinterrad fast platt. Dabei hatte ich doch gestern erst einen neuen Schlauch eingezogen, nachdem der alte geplatzt war. Kurz aufpumpen, Luft hält. Schleichender Plattfuss also, ich habe die Ventilverlängerug im Verdacht. Und habe nur noch Schläuche mit nicht-herausdrehbaren, kurzen Ventilen im Haus. Na prima...

Egal, das ganze Geraffel runter in die Tiefgarage - war klar, dass der Aufzug heute kaputt ist, oder? Ich fluche einmal, nein zweimal - beim Gedanken, das ganze Geraffel nach überlebten Wettkampf wieder sieben Stockwerke hochbuckeln zu dürfen. So what, it's a raceday...

Um 6:15 Uhr wollte ich Simon am Bierwagen treffen. Vielleicht hat er einen neuen Schlauch dabei? Er fährt doch auch die Cosmics... Simon macht den HEINERMAN als letzte Vorbereitung auf den IRONMAN FFM in der Folgewoche mit.

Das Raceday-Motto greife ich auf der Autobahn erstmal wieder auf. Bin spät dran, mit der Trageaktion. 27 Minuten von der Tiefgarage bis zum Einparken auf der Lichtwiese - nicht schlecht, der Schnitt. Während der Fahrt leere ich noch mal 0,7 Liter Powerbar Performance Drink. Das müsste genug Frühstück sein... ;)

Auf der Lichtwiese angekommen prüfe ich erstmal den Reifendruck am Renner. -0,5 bar in einer Stunde. Hmmm... Genau eine Kartusche habe ich dabei... Also, noch mal knallvoll gepumpt, das Gepäck geschultert und zum Woog gerollt. Pünktlich um 6:13 Uhr stehe ich am Bierwagen. Kein Simon... Und kein Schlauch! Keine Pannenmilch! Nix zu haben! Darmstadts "City Bike" könnte mir ein neues Rad verkaufen, oder Speichen. Oder eine Pumpe leihen. Aber keinen Schlauch... Rufe Simon an, gebe meine Startnummer durch und gehe zum Check-In.

Während ich gerade meinen Wechselplatz schön gemütlich einrichte, gibt es die erste gute Nachricht des Tages: Die Wassertemperatur ist über Nacht gefallen, Neopren ist erlaubt! Yesss.... Dann muss ich wenigsten nicht mit nackten Beinen im Morast versinken...

Bin gerade halb im Neo, da kommt Simon um die Ecke. Er war ein bisschen spät dran, hat die Nacht wegen einer Geburtstagsfeier durchgemacht. Der Sauhund... ;) Na, auf jeden Fall stapfen wir jetzt gemeinsam zum Teich. Die Schwimmstrecke ist chaotisch: Einmal raus, zweimal links, durch den Kanal, dreimal links, zweimal rechts, zweimal links und dann schräg zum Ausstieg. Der Start erfolgt im Wasser. Simon und ich schwimmen uns kurz ein. Sichtweite in der Brühe: 15 Zentimeter - wenn's gut läuft. Dann stellen wir uns zum Start auf. Schön, die Füße sinken nur bis zu den Knöcheln im Morast ein... Irgendwie sind wir in der Mitte gelandet. Vorne die schnellen Schwimmer, rechts die Brustschwimmer. Wir klönen noch kurz, dann fällt ein Schuss!

Das Rennen beginnt...

Sofort beginnt der Woog um uns herum zu kochen. 600 Triathleten versuchen gleichzeitig, eine 15 Meter breite Startzone zu verlassen. Überall wird getreten und geschlagen. Ich bekomme zwei-drei derbe Schläge ab, jemand zieht mir am Bein. Üble Keilerei! Über mir, unter mir, links, rechts, vorne und hinten - überall wild paddelnde Athleten, die um ihr Leben kämpfen. Ich nehme erstmal einen großen Schluck Brühe... Yuck! Irgendwie geht's vorwärts. Ich könnte schneller schwimmen, werde aber ausgebremst. Dafür kassiere ich immer wieder Schläge und werde an den Beinen gezogen. Blöd! Nur: Wohin ausweichen? Also durch... Da mir die Luft eng wird, gehe ich zum Brustschwimmen über. Reicht aus, um vorne dran zu bleiben, und gibt nach hinten etwas Ruhe - jetzt wird zurückgetreten! Irgendwie ringe ich mich um die Boje herum. In der Ausschreibung stand, dass sich das Feld jetzt auseinander ziehen würde. Nix davon passiert! Es geht im Pulk durch den Teich! Ich versuche, am Rand zu schwimmen. Geht teilweise, da ist es etwas ruhiger. Im Kanal werde ich dafür an die Mauer gedrückt. Vollkontaktschwimmen! Und es geht so weiter. Die kompletten 1,5 km der Schwimmstrecke habe ich Körperkontakt. Aber alles hat ein Ende...

Den Ausstieg nehme ich gelassen. Neo schon halb runter, ich jogge gemütlich zu T1. Neo 'runtertreten, Brille auf, Helm auf, ein Gel rein, Wasser hinterher, ein Gel in die Rückentasche, CO2-Kartusche, Schuhe an - ab geht's! Endlich Rad fahren... ;)

Und das geht gleich mal über den gewohnt miesen Darmstädter Asphalt bergauf. Mein Puls ist vom Schwimmen noch hoch, deshalb lasse ich es ruhig angehen. Als es dann aus der Stadt raus geht, schalte ich bei leichtem Gefälle in den großen Gang, nehme eine korrekte Aerohaltung ein und schnupfe die ersten Radler auf. Bald stehen knapp 60km/h auf dem Tacho - OK, bergab und mit Rückenwind... ;) Unschön finde ich, dass ich auf der angeblich autofreien Strecke bei Tempo 58 von einem Autofahrer angehupt werde. Mich hat's vor Schreck fast vom Rad gefegt! Die Radrunde läuft aber gut, ich überhole einige Radler und werde selbst nur selten überholt. Vermutlich schwimmen die guten Radler auch besser als ich... ;) Ab dem Wendepunkt wird's brutal. Fieser Gegenwind, sehr böig. Teilweise kann ich nicht in Aero-Haltung fahren, weil es mich fast vom Rad bläst. Die Beine tun weh, aber weiter Druck. Den anderen geht's ja genauso, denn ich überhole immer noch gelegentlich andere Athleten. Nach Darmstadt rein geht's noch mal fies bergauf - mit Gegenwind! Aufs kleine Blatt geschaltet, ein Gel rein, Wasser drauf. Schon geht's in Richtung Woog und T2.

Den zweiten Wechsel lasse ich auch wieder ruhig angehen. Rad aufhängen, Helm runter. Ziehe mir die Socken an, Schuhe, noch ein Gel - ich hatte auf dem Rad schon arg Hunger und fürchte mich vor einem Hungerast - und reichlich Wasser drauf. Mit Vollgas aus T2 raus, damit die Zuschauer was zu sehen haben. Dann schalte ich einen Gang zurück und regle meinen Puls bei 165 ein. Kurz darauf kommt mir der führende Mann entgegen - immerhin bin ich auch schon beim Laufen! Das hätte schlimmer kommen können. Also werde ich vermutlich so um die 45 Minuten nach dem Ersten ins Ziel kommen. Auf dem Weg zum Wendepunkt klatsche ich noch Simon ab, der schon in Richtung Ziel fliegt. Nach dem Wendepunkt gibt es eine fiese Rampe, da muss ich ganz schön beißen - kann aber einige Läufer überholen. Überhaupt überhole ich beim Laufen auch wieder etliche Athleten und werde nur sehr selten selbst überholt. Die Guten sind wohl schon im Ziel... Dann kommt der Knaller des Tages! Die Beine tun mir weh, die Lunge pfeift, da sehe ich den Ausgang der Wechselzone. Das Ziel ist nah! Als Freund des fulminanten Endspurts setze ich genau zu diesem an. Drehe noch mal auf - was man nicht am Tempo merkt, aber am Puls... ;) Da winkt eine Helferin nach links - wie, es geht nicht direkt zum Ziel??! Schock!!! Ich bin am Anschlag, und jetzt zieht sich der Schluss deutlich länger, als mir gut tut. Aber jetzt wieder langsam werden? Wo ich doch gerade noch zwei-drei Läufer überholt habe? Nein, nicht mit mir! Gib niemals auf! Das ziehe ich jetzt durch, und wenn ich im Ziel tot umfalle! Die Gefahr bestand durchaus, wovon mich ein Blick auf meinen Pulsmesser überzeugte. Puls 180 und mehr, und noch kein Ziel in Sicht! Langsam schatten sich die Ränder meines Gesichtsfelds bedrohlich ab. Da, endlich, das Ziel! Tempo halten, Arme hochreißen, durch, Chip auf den Zeitmesser und dann erstmal nur noch atmen. Klar, das Simon schon mit zwei Bier in der Hand auf mich wartete, oder? Zu Glück waren die alkoholfrei, sonst wäre ich wahrscheinlich direkt kollabiert... ;) Nach ein paar Minuten konnte ich wieder sehen, wieder denken - unter anderem daran, meine Stoppuhr zu bedienen - und wieder gerade stehen ohne zu schwanken.

Noch ein-zwei Alkoholfreie, Finisher-Shirt abholen, ein bisschen aufdehnen, Zeug einsammeln, Tasche packen und dann langsam zum Parklatz radeln.

...it's been a raceday!

Platz: 167. / 34. in der AK M35 in 2:48:05.40
Swim: 00:31:53, Bike: 01:24:55, Run: 00:51:16

Radsplit: http://trail.motionbased.com/trail/activity/3103403
Laufsplit: http://trail.motionbased.com/trail/activity/3103406

Über mich:

Marc Domachowski, Jahrgang 1971, tätig als selbständiger Projektmanager

Sportlicher Werdegang: Volleyball und Orientierungslauf in der Jugend, mit mäßigem Ehrgeiz und Erfolg. Nach der Schulzeit bis vor wenigen Jahren eigentlich gar kein Sport mehr. Dann als Verlängerung einer REHA-Massnahme erste, kurze Dauerläufe. Wenig später erwacht die Liebe zum Rennrad. Schwimmen? Nur mit dem Cocktailglas in der Hand, im Whirlpool. 2005 stehe ich zum ersten Mal am Zieleinlauf des Ironman Frankfurt am Römer und bin restlos begeistert von der Leistung der Athleten, der Stimmung, dem Tag. Und irgendwie angefressen... Im Herbst 2005 dann der erste Halbmarathon in Neu-Isenburg, 2006 zwei Halbmarathon-Wettkämpfe, 2007 wird das Wettkampfjahr: Im Februar lerne ich bei NATARE (Gruß an Steffi!) das Kraulschwimmen, darauf folgen der Gutenberg-Marathon, zwei 24h-Mountainbike-Rennen, der erste Sprint-Triathlon in Darmstadt und jetzt die olympische Distanz beim Heinerman. Ich habe mich nun dafür entscheiden, mein eher emotional gesteuertes Training professionell durch Dr. Andreas Müssigbrodt von Finisher Concepts steuern zu lassen, um mit meinem knappen Zeitbudget möglichst viel zu erreichen. Mein Saisonhöhepunkt wird der Ironman 70.3 in Monaco Anfang September werden. Wenn die Kraft reicht, dann will ich auch noch beim Frankfurt-Marathon starten. Und danach beginnt die intensive Vorbereitung auf den ganz großen Traum – Ironman Frankfurt 2008!

   

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