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Es hat lange gedauert, bis unser Eiermän seine Schmach aus
dem Land des Äppelwois überwunden hat. Sein Pit-Stopp im
Krankenhaus war so nicht geplant und besonders sein
Hyper-Dyper-Carbon-HiTech-Rädchen leidet immer noch an den
Folgen. Und dies wird sich auch in den kommenden Wochen
nicht ändern. Wer hat nur behauptet, dass Made in Taiwan
und Globalisierung bedeuten, dass alle wichtigen
Ersatzteile rund um die Uhr verfügbar sind? Dem Spacko
würde er gerne mal die Meinung geigen.
Aber alles Jammern nützt ja nichts. Aber so ganz ohne
Pferdchen ist es ja auch Scheiße. Sicher, seine beiden
vierbeinigen Mädels im trauten Heim sind mehr als nur ein
Ersatz. Aber den geliebten Fahrtwind, wenn Jupp mit
gefühlter Warp-IV-Geschwindigkeit durch das Bundesgebiet
pflügt, können sie eben auch nicht ersetzen. Und immer nur
Laufen und Schwimmen??? Dazu muss man nicht in der Stadt
bleiben, die am Tropf der Firma mit den vier großen
Buchstaben hängt. Unser Hero übrigens auch. Er selbst tut
die monatlichen Ratenzahlungen zwar als Almosen ab, aber
immerhin ermöglichen sie Jupp, folgenden, nahezu
genialsten Plan der Menschheit anzugehen und noch besser,
ihn in die Tat umzusetzen: Jupp fährt in Urlaub…
Was für ein Hammer!!! Genauer gesagt, er fliegt in Urlaub.
Aber als guter deutscher Staatsbürger natürlich in ein
Revier, in dem er sich Bestens auskennt. Wo man unter
guten Freunden ist. Sich zu Hause fühlen kann. Die Sprache
der Einheimischen bestens verstehen kann… äh, wie, deutsch
ist nicht die Sprache der Einheimischen? Spanisch? Nee,
oder???
Jupp schaut vom Reiseführer auf und kratzt sich verwundert
am Kopf. Nicht, dass er solch ein Büchlein gebraucht
hätte. Aber vielleicht findet er ja doch noch eine Ecke,
die er noch nicht kennt. So ganz ohne Rad will er der
Deutschen liebstes Eiland erkunden… MALLORCA.
Natürlich geht Jupp nicht an den als Ballermann bekannten
Strandabschnitt El Arenal mit seinen Bettenhochburgen, auf
denen sich in der Badesaison zigtausende Sauf-Touris die
Bettwäsche in die Hand geben. Das ist natürlich unter dem
Niveau unseres Eiermän, denn unter all den Landsleuten,
Inselaffen und neuerdings auch Russen gibt es schließlich
niemanden, der es mit seiner natürlichen Performance und
Klasse beim Sangria-Saufen aufnehmen kann.
Jupp hat sich daher für ein malerisches Bergdörfchen im
Norden der Insel entschieden, wo er in aller
Abgeschiedenheit und Ruhe einfach mal ein paar Tage
ausspannen und innerhalb der gebuchten Woche schlappe 200
Lauf- und 50 Schwimmkilometer abspulen will. Damit am
Flughafen kein Zuschlag für Übergepäck notwendig wird,
verzichtet Jupp zugunsten eines zweiten Paars Laufschuhe
auf eine dritte saubere Unterhose. Bestens gelaunt bricht
Jupp zum Flughafen auf und überzeugt nach reibungsloser
Anfahrt den Zollbeamten, dass er keinen Käse auf die
Balearen schmuggeln will, sondern seine Treter eben nur
verdeutlichen, dass er als Held der Landstraßen sein
Material nur den härtesten Bedingungen unterzieht und
daher ein gewisser Preis gezahlt werden muss.
Dennoch muss er unter Androhung einer Nacht in einer
Gefängniszelle murrend zustimmen, dass seine Laufschuhe
aus dem Handgepäck verschwinden und im Koffer platziert
werden. Zum Schutz der nationalen Sicherheit und der
internationalen Flugsicherung sei dieser Schritt
unabdingbar, auch wenn unser Hero nun keinen neuen
Weltrekord im Pauschal-Touri-Hasenstall-Umrunden
aufstellen kann. Sein Plan war es, im wahrsten Sinne „Fit
wie ein Turnschuh“ auf der Insel zu landen und bis dahin
die Weg im Flieger zumindest pausenlos entlang zu walken.
Natürlich nur in der festen Überzeugung, dass ihn auf dem
Flug niemand kennt. Walking ist ja schließlich nur etwas
für…der geneigte Leser mag einen Ausdruck seiner Wahl
einfach ergänzen.
Aber Jupp muss sich laut fluchend eingestehen, dass dieser
verpennte Beamten-Esel ihm diese Vorbereitung auf die
Präsentation seines makellosen One-Pack im Gebirge von
Malle versaut hat. Aber was wären Hindernisse, die nicht
gelöst werden könnten und nach knapp zwei Stunden macht
sich Jupp auf, sein Domizil mit einem Mietfahrrad zu
erreichen. Wozu die Kohle für ein Taxi raus hauen, wenn
man auch auf diesem Weg in seine Fitness investieren kann
UND in seine Kraft. Denn dieser Drahtesel – oder sagen wir
– Eisenesel muss erst einmal einen Anstieg hoch gewuchtet
werden, was Jupp aber mit einer läppischen Handbewegung
und dem wütend gezischten Hinweis, auf seinen Kultstatus
abtut, als ihn die – zugegebenermaßen hübsche Dame beim
Verleih – darauf aufmerksam machen will. Wäre Jupp nicht
in so guter Laune gewesen, hätte er die Lady rund gemacht.
Aber so hat er nochmals Gnade vor Recht gehen lassen!
Jupp verstaut sein Equipment auf dem Velo, wickelt das
rechte Hosenbein hoch um der iberischen Inselwelt seine
epilierte Quarkwade zu präsentieren und strampelt gut
gelaunt der untergehenden Sonne entgegen. Just in dem
Moment fällt ihm ein Song ein, den ein ihm nachempfundener
Comic-Held immer am Ende seiner Abenteuer gesungen
hat…“I’m a poor lonesome Cowboy…“
Nach gefühlten 20 Stunden und realen zehn Minuten kommt
Jupp gewaltig ins Schwitzen und viel schlimmer noch, die
Nacht fällt wie ein dunkler Schatten über ihn her. Jupp
hat den letzten Vorort von Palma hinter sich gelassen und
die Dunkelheit hüllt ihn schlagartig ein und unser Eiermän
muss feststellen, dass die tollsten, am Vehikel montierten
Scheinwerfen nicht wirklich viel nutzen, wenn keine
Batterien drin sind. Wie ein Maultiertreiber über die
Verleiher fluchend – die hübsche Lady wohlwollend außen
vor lassend – bemerkt Jupp gar nicht, dass ihm seit ein
paar Minuten ein Auto Geleitschutz bietet.
Als ihm das dann endlich auffällt, freut sich Jupp
zunächst über die Freundlichkeit der iberischen
Einheimischen, dreht sich um und will dankbar winken, als
er bemerkt, dass seine Begleiter ebenfalls ohne Licht
durch die sternenklare Nacht cruisen.
„Na ja, vielleicht ist das hier so üblich.“ denkt unser
Hero. Wenn er normalerweise auf diesem Eiland ist und
Kilometer um Kilometer frisst, brauchen weder er noch die
Autofahrer auf den Straßen Licht. Und nachts pendelt unser
Hero in der Regel nur noch zwischen den üppigen
All-you-can-eat-Buffets, der lokalen Disse mit den 70er
Jahre Mitgröhl-Knallern (ab 3l Sangria ist alles möglich)
und seinem Bett hin und her.
Plötzlich tritt der Fahrer das Gaspedal durchs angerostete
Bodenblech und bringt einen Augenblick später seine Karre
unmittelbar vor Jupp wieder zum Stehen, so dass es unseren
Helden der Landstraße auf die Schnauze haut.
„Hey ihr Idioten, passt doch auf. Ihr wisst wohl nicht,
mit welch einem Helden von Hawaii ihr es hier zu tun habt.
Wenn ich mich verletze, macht euch meine Versicherung
regresspflichtig. Ich werde euch verkl…“
Jupps Schimpfkanonade verstummt augenblicklich, als er im
fahlen Mondlicht in ein dunkles Loch blickt, um das herum
sich ein stattlicher Revolver befindet, den ihm der flink
ausgestiegene Beifahrer unter die Nase hält. Mit einem
unwilligen Wedeln mit der Waffe macht er Jupp klar, dass
er aufstehen und von seinem Packesel wegtreten soll.
Innerhalb kürzester Zeit ist das Rad samt Jupps
Habseligkeiten im Kofferraum des Wagens verschwunden und
die die „Gepäck-Napper“ sind davon gebraust.
Verdattert schaut unser Eiermän den Dieben hinterher und
ist etwas, was er nicht allzu oft ist: sprachlos!!! Was
soll er nun tun? Glücklicherweise hat er sein Handy in der
Hose gelassen und nicht in den Rucksack gesteckt. Es gibt
für ihn eigentlich nur eine Alternative. Der Mann, dem er
in der Firma mit den vier großen Buchstaben verpflichtet
ist, hat hier eine Finca. Und er ist auch gerade hier.
Gestern mit seinem Privatjet angekommen. Vielleicht könnte
er ihn wieder nach Hause mitnehmen. Jupp sucht die Nummer
und hört dem Freizeichen zu.
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