english  français  español  italiano  portuguese


Jupp der Eirenmän - Hero von nebenan

 

Es ist zu heiß…
Juni 2010 - by Oliver Keck

Für den normalsterblichen, 0815-Durchschnitts-Hobby-Läufer mag das ja zutreffen, aber nicht für unseren Hardcore-Jupp, seines Zeichens Hardcore-Multisportler und Dominator des weltbesten Eiermän in der westlichen Hemisphäre. Herabgestiegen aus den Höhen des Olymp, um nach reichlicher Überlegung seinen Titel dann doch nochmals zu verteidigen. Eigentlich hätte er ja so was gar nicht mehr nötig, aber andererseits – pain is temporary, glory is forever…!!!

Aber der Chef des Olymps..äh…Blasphemie lass nach, Gott hat vor den Erfolg zahlreiche Mühen und Qualen gestellt. Und somit beschließt unser Hero, das erste richtig geile Sommerwochenende zu nutzen und intensiv zu koppeln. Jupp steht auf seiner Terrasse in der prallen Sonne und verzieht spöttisch grinsend die Oberlippe und beobachtet die zahlreichen Hobby-Radler, die jetzt zur Mittagszeit von ihrer Ausfahrt nach Hause kommen, weil sie die morgendliche Kühle noch genutzt haben.

„Kühle, pfff. So ein Quark. Die Parken doch sicher auch alle ihr Auto im Schatten und stehen daheim bei der Alten unterm Pantoffel. Das ist der einzige Grund, warum sie so früh nach Hause kommen. Die wahren Giganten der Landstraße gehen jetzt in den Sattel, absolvieren ihre 74,83 km lange Testrunde lässig durch die Hose atmend in schnuckligen 193 min und 17 sec und laufen dann noch graziös übers Land.

Heute wird das Programm aber ein wenig anders ablaufen. Jupp hat beschlossen einen Schlenker dran zu hängen und in der berühmten Nachbarstadt am jenseitigen Rheinufer sein Läufchen zu absolvieren und in faszinierender Weise wie einer dieser afrikanischen Wunderläufer die versammelte, weibliche Studentenschar zu beeindrucken. Sein Pferdchen wird er einfach an einem der dort niedergelassenen Vereine anleinen, wozu hat er schließlich einen Kumpel dort.

So geschieht es dann auch. Jupp bewältigt die um 7,38 km verlängerte Radrunde in gefühlter WARP-IV-Geschwindigkeit, leint sein Hyperdypercarbonpferdchen im Verein seines Kumpels an und will sofort lostraben. Plötzlich fällt ihm auf, dass er ja gar keine Laufschuhe dabei hat. Was tun? Nun, einen echten Eiermän schreckt ja nichts wirklich ab und blitzschnell ist ein neuer Plan im gnadenlos rotierenden Hirn unseres Heros erstellt. Statt lang und schnell, eben kurz und richtig schnell. Schnell die Socken aus und ab dafür. Jupp stürmt los und bereut seinen Enthusiasmus sofort wieder, was er mit einem schrillen Schmerzensschrei bekundet. Schon drehen sich die ersten Köpfe in seine Richtung. Es gibt also kein zurück.

Jupp setzt sein breitestes Grinsen auf und spurtet weiter über den kochend heißen Asphalt. Nur noch wenige Meter, dann wird er über Grasboden Schweben können. Aus irgendeinem unerfindlichen Grund spukt auf einmal das Lied „Das Auge der Hühner“ durch seinen Kopf, aus irgendeinem uralten Schinken, in dem ein abgetakelter Boxer mit einer bemitleidenswert schmächtigen Figur immer nach „Eirieen“ geschrien hat – was auch immer das war.

Jupp erreicht das Gras und hält erneut die Luft an. Die Fläche ist höchstens einen halben Meter breit, dann folgt ein Sandweg. Eigentlich prima, aber unser Hero kann schon jetzt die messerscharfen Splitsteine an seinen Fußsohlen spüren. Einen Herzschlag später - gut bei Jupp waren es fünf - werden seine kühnsten Vorstellungen bei weitem übertroffen. Jupps Laufstil hat auf einmal tatsächlich etwas Schwereloses. Allerdings verbietet sich der Vergleich mit den afrikanischen Laufgazellen von allein. Vielmehr gleicht er eher einem Flusspferd auf Kokain.

Doch wer unseren Hero kennt, weiß, dass es kein Halten mehr gibt, wenn er sich erst einmal in Wallung versetzt hat. Und so rast Jupp wie von der berüchtigten Tarantel gestochen über die glühend heißen Steinchen. Unter enormer Willensanstrengung hält er sich in Bewegung, unterliegt nicht der Versuchung, stehen zu bleiben und seine Niederlage einzugestehen. In seinem Kopf schreit eine Stimme in alles ausfüllender Lautstärke erneut nach „Eirieen“, aber er kann die Frau immer noch nicht am Strand entdecken.

Dafür aber ein junges Pärchen, das in aller Seelenruhe vor ihm auf dem Weg schlendert und ihn zum Ausweichen oder Zusammenstoß zwingen würde, wenn er nicht Gedankenschnell einen Haken schlagen würde. Was er ja überhaupt nicht einsieht, denn somit wäre ja sein Mythos der absoluten Schmerzunempfindlichkeit zerstört. Und wenn das jemand sah? Jupp, der Rücksichtsvolle – geht ja wohl gar nicht. Spione von Gegnern lauern ja schließlich immer und überall. Kommt nicht in die Tüte.

Jupp atmet tief ein und will gerade mit gelangweilt lockerer Stimme verkünden, dass sie dem Herrn der Hitze gefälligst den Weg freimachen sollen, als sein Blick auf ihre Füße fällt. Jupp wird unwillkürlich langsamer. Nun ja, nicht dass er wirklich schnell gewesen wäre, aber was er jetzt sieht, macht ihn doch schlagartig ziemlich fertig.

Das Pärchen schlendert tatsächlich barfuss in Richtung Eiswagen. Was soll das denn? Wollen die beiden ihn verarschen? Oder handelt es sich um eine geheime Mission vom Mars? Jupps Schritte verenden und er bleibt einfach in der prallen Sonne stehen. Heftig atmend blendet er die rasenden Schmerzen an seinen Fußsohlen aus. Würdevoll blickt er ins weite Rund.

Die hämisch grinsenden Gesichter der schnuckligen Mädels in ihren viel zu knappen Bikinis um sich herum, übersieht unser Eiermän einfach. Was wissen die schon über die Zartheit von empfindlichen Hochleistungsfüßen. Aber Jupp wäre nicht unser Jupp, hätte er nicht noch ein Ass im Ärmel.

Kurz entschlossen streift er sich seinen Einteiler bis zur Hüfte herab. Sein Rettungsring, oder sagen wir mittlerweile Rettungsringe - der Mann wird ja auch älter - zuvor mühsam in Form einer überdimensionalen Presswurst zusammengehalten, folgt in wahrer Urgewalt den Gesetzen der Physik. Jupp nutzt das herunter gestreifte Oberteil als Handtuch und lässt sich, zufrieden auf sein Tagwerk zurückblickend, auf den Rasen nieder. Das Grinsen auf den umliegenden Gesichtern erlischt und weicht einem neuen Ausdruck. Jupp spürt die bewundernden Blicke. Als Einziger mal wieder. Jeder andere hätte blankes Entsetzen in den Gesichtern der umliegenden Sonnanbeterinnen gesehen. Das Auftauchen der Rückenfinne des Weißen Hais im Rhein hätte nicht schlimmer sein können.

Aber unser Hero kennt natürlich auch keine falsche Scham, dreht sich um und krakelt: „Danke Mädels, wundern einstellen. Will ja schließlich keinen Streit mit eurer Begleitung. Was ihr seht, ist das Ergebnis jahrelangen, harten Trainings. Ich kann euch ja verstehen, aber so kann schließlich nicht jeder aussehen.“

Atemlose Stille, selbst der Wind hat jegliche Aktivitäten eingestellt. „Zum Glück!“ Der Ausruf geht in dem schlagartig zu Orkanstärke aufbrausendem Gelächter unter…

 

 

 

 

 

 

 

© finisher concepts  | Top