english  français  español  italiano  portuguese


Jupp der Eirenmän - Hero von nebenan

 

Bergschnecke oder Fußballtrottel?!?
März 2010 - by Oliver Keck

„So, noch die Enter-Taste drücken und ab dafür…“
Nein, nicht, dass ihr denkt, Jupp hätte seine sportlichen Ambitionen an den berühmten Nagel gehängt und würde sich nur noch dem Glücksgefühl der Online-Zockerei hingeben. Nichts dergleichen trifft zu. Unser Hero hat sich ein wenig auf dem Olymp gesonnt und an seiner Form gefeilt, jetzt ist er langsam wieder bereit für neue Abenteuer. Und dazu hat er soeben eine Mail verschickt. Nach Italien. Aber der Reihe nach…

Nachdem dann langsam auch mal in Deutschland sich so etwas wie Frühling eingestellt hatte – wenn auch nur für wenige Tage – hat Jupp intensiv an seiner Lauf- und Radform gefeilt. Nach dem Motto: warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah, hat er dieses Jahr auf ein exklusives Trainingslager in südlichen Gefilden verzichtet. So was ist ja eh nur für Frauenversteher gedacht, der wahre Eiermän bereitet sich in Kälte und Regen vor. Eine gute mentale Vorbereitung bieten hier die Frühjahrsklassiker in den Benelux-Staaten, wo diese Weicheier auf zwei Rädern dick eingepackt im Regen über Kopfsteinpflaster spazieren hoppeln. Und das nennen die dann Rennen, das Mensch und Material an die Grenzen bringt. Pfft, als er damals noch jung war, ist er jeden morgen in höherem Durchschnittstempo mit dem Klapprad bei mieseren Bedingungen zur Schule gefahren und hat sich so auf seinen Triumphzug auf Hawaii letztes Jahr kontinuierlich vorbereitet. Gut Ding will Weile haben und wenn man erst mal oben ist, will man auch oben bleiben.

Nun, dieses Jahr eigneten sich diese Weicheier-Klassiker nicht wirklich als guter Anschauungsunterricht, war doch das Wetter in den entscheidenden Momenten immer schön. Also hat Jupp sein HyperDypperVollcarbonWeltallerprobtes Pferdchen im Stall respektive Keller angekettet – damit es vor lauter Unterschreiten des UCI-Gewichtslimits nicht davon fliegt – und hat sich seiner zweiten Schokoladen-Disziplin hingewandt: dem Verschlingen von 300g Milka-Vollnuss in 45 sec!!!
Wie nicht??? Dem Laufen hat er sich zugewandt. Nun stimmt, auch gut. Jupp hat sich nämlich Folgendes überlegt: um einem Tria-Burn-Out im Vorfeld zu vermeiden, will er in diesem Jahr sich dem Triathlon-Light zuwenden und ganz auf Duathlon konzentrieren. Und was wäre da naheliegender, als mal die Berge der Toblerone-Fresser zu rocken??? Richtisch…. Ab nach Zofingen, den WM-Titel für Nichtschwimmer abgreifen.

Also ist Jupp auf seiner 3.83 km langen Testlaufrunde gestartet und hat nach Bewältigen dieser Horror-Distanz seine GPS gesteuerte Hochfrequenz-Pulsuhr mit Stoppfunktion von einem Fachmann überprüfen lassen. Aber es stimmte tatsächlich: unser Bauermähn in spe hat sämtliche Bestzeiten pulverisiert. Wo also hin mit der unbändigen Manneskraft? Ein Testlauf muss her, dann noch vielleicht ein Radrennen und nach diesem Check, geht die Luzie mal so richtig ab…ihr merkt, wir nähern uns langsam dem Geheimnis der Mail.

Doch zunächst zum Lauf – ein geeigneter Wettkampf in Heimatnähe war schnell gefunden und Jupp prügelte los, als gebe es kein Morgen mehr. Und sein Trainingsfleiß und sein unbändiger Wille wurden belohnt – die Stoppuhren konnten sich einfach nicht irren: 30:26 min, zeitgleich mit dem Sieger! Äh, wie, zeitgleich mit dem Sieger. Hat er denn nun gewonnen, oder nicht?
Nun ja, also, na ja, es ist so. Sein Arbeitgeber mit den vier großen Buchstaben hat ein Läufer-Festival ausgerichtet. 10.000 m auf der Bahn. Im Rahmenprogramm wurden auch 4.000 m auf der Bahn angeboten. Und da Jupp für die nahenden Zweikämpfe Tempohärte braucht, hat er sich für die kürzere Distanz entschieden, aber ernsthaft in Erwägung gezogen, sich für diese unter seiner Würde angesiedelte Hüpferstrecke gar nicht erst umzuziehen. Bis er da ins Schwitzen geraten würde, säße er längst schon wieder bei einem kühlen Blonden zum Chillen.
Daher die Formulierung zeitgleich mit dem Sieger…jedenfalls waren Jupps Kommentare danach schon wieder weltmeisterlich…

Dermaßen beflügelt startete unser Eiermän zu Hause das große weite Netz und suchte nach einer passenden Radsportveranstaltung und wurde natürlich prompt fündig.
Es war jetzt natürlich auch keine Ausschreibung, über die unser Jupp stolperte, sondern folgende (leicht abgewandelte) Meldung: der Radsportweltverband SeeYouTwice hat den letzt jährigen Bergkönig der Tour, Franko Pellizottel wegen Dopingverdachts suspendiert. Eigentlich ein gewagtes Unterfangen bei einem Mann aus dem Land der Makkaroni-Züchter, da sie einem für so einen Spruch gerne ein Angebot unterbreiten, dass man nicht ablehnen kann. Sonst bekommt der Ausdruck gewichtige Argumente eine ganz neue Bedeutung.

Jedenfalls darf dieser italienische Trottel, der zu doof zum Präparieren zu sein scheint, nicht am Giro in seiner Heimat teilnehmen. Und jetzt kommt die Mail ins Spiel. Jupp hat seine Chance erkannt und umgehend dessen Rennstall informiert, dass sie in ihm den mehr als adäquaten Ersatz finden würden. Kletterstark, hart wie Kruppstahl gegen sich selbst und dazu noch ohne Gehalt. Schließlich will er bei diesen Hobby-Sportlern nur seine Form für Switzerland voranbringen und ein paar Paletten Nusscreme zur Entlohnung würden ihm reichen.

Ein rot gepunktetes Bergtrikot hat er übrigens auch im Schrank liegen. Da Jupp selbst den Italienern ein paar Minuten zugesteht, um seine Mail zu beantworten, schnappt er sich das gute Teil und stülpt es sich über seine Astral-Wampe, die immer größer werdenden Punkte beim Rüberstreifen des Trikots ignorierend. „Passt doch schon wie für mich gemacht. Da lohnt es sich doch, in Italien danach zu greifen. Allein wegen der Bützchens der legger Mädchens dort.“ Oh je, Jupp kann seine Herkunft immer noch nicht leugnen.
Jupp erinnert sich, dass der diesjährige Giro in Amsterdam beginnen wird, der Stadt der Grachten, Tulpen und… Käse natürlich, was denn sonst. Jupps Grinsen wird immer breiter. Und genau von diesem Käse wird er sich ein paar Laib kaufen, man weiß ja nie, wozu einen die Wirtschaftskrise noch nötigt, aber vielleicht führt ihn ja der Weg in die Selbständigkeit und da braucht man ein bei der Bevölkerung beliebtes Produkt.

Jupp schnappt sich seinen Boliden und eilt nach draußen. Herrliches Wetter, die Sonne blitzt in den Speichen und unser Hero schwingt die blasse, dünne Wade über den Sattel als er hinter sich eine Stimme schreien hört:

„Ey Alder, ey. Isch sach dir. Hascht du schon mal so nen Trottel gesehen, odder? Reschpekt. Noch nen Monat bis zur WM und der Typ hat sich schon lauter Fußbälle aufs Shirt getackert. Voll krass, Alder, ey, isch sach dir…
Leicht irritiert dreht sich unser Bauermähn in spe um und sieht zwei Jugendlich auf dem Boden liegen, weil sie vor Lachen einfach nicht mehr stehen können. Jupp beschließt, bevor er losfährt, ein anderes Trikot überzuziehen und seine Mails zu checken. Vielleicht hat er ja schon seine Einladung zum Giro im Postfach.

 

 

 

 

 

 

 

© finisher concepts  | Top