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„So, noch
die Enter-Taste drücken und ab dafür…“
Nein, nicht, dass ihr denkt, Jupp hätte seine sportlichen
Ambitionen an den berühmten Nagel gehängt und würde sich
nur noch dem Glücksgefühl der Online-Zockerei hingeben.
Nichts dergleichen trifft zu. Unser Hero hat sich ein
wenig auf dem Olymp gesonnt und an seiner Form gefeilt,
jetzt ist er langsam wieder bereit für neue Abenteuer. Und
dazu hat er soeben eine Mail verschickt. Nach Italien.
Aber der Reihe nach…
Nachdem dann langsam auch mal in Deutschland sich so etwas
wie Frühling eingestellt hatte – wenn auch nur für wenige
Tage – hat Jupp intensiv an seiner Lauf- und Radform
gefeilt. Nach dem Motto: warum in die Ferne schweifen,
wenn das Gute liegt so nah, hat er dieses Jahr auf ein
exklusives Trainingslager in südlichen Gefilden
verzichtet. So was ist ja eh nur für Frauenversteher
gedacht, der wahre Eiermän bereitet sich in Kälte und
Regen vor. Eine gute mentale Vorbereitung bieten hier die
Frühjahrsklassiker in den Benelux-Staaten, wo diese
Weicheier auf zwei Rädern dick eingepackt im Regen über
Kopfsteinpflaster spazieren hoppeln. Und das nennen die
dann Rennen, das Mensch und Material an die Grenzen
bringt. Pfft, als er damals noch jung war, ist er jeden
morgen in höherem Durchschnittstempo mit dem Klapprad bei
mieseren Bedingungen zur Schule gefahren und hat sich so
auf seinen Triumphzug auf Hawaii letztes Jahr
kontinuierlich vorbereitet. Gut Ding will Weile haben und
wenn man erst mal oben ist, will man auch oben bleiben.
Nun, dieses Jahr eigneten sich diese Weicheier-Klassiker
nicht wirklich als guter Anschauungsunterricht, war doch
das Wetter in den entscheidenden Momenten immer schön.
Also hat Jupp sein HyperDypperVollcarbonWeltallerprobtes
Pferdchen im Stall respektive Keller angekettet – damit es
vor lauter Unterschreiten des UCI-Gewichtslimits nicht
davon fliegt – und hat sich seiner zweiten
Schokoladen-Disziplin hingewandt: dem Verschlingen von
300g Milka-Vollnuss in 45 sec!!!
Wie nicht??? Dem Laufen hat er sich zugewandt. Nun stimmt,
auch gut. Jupp hat sich nämlich Folgendes überlegt: um
einem Tria-Burn-Out im Vorfeld zu vermeiden, will er in
diesem Jahr sich dem Triathlon-Light zuwenden und ganz auf
Duathlon konzentrieren. Und was wäre da naheliegender, als
mal die Berge der Toblerone-Fresser zu rocken??? Richtisch….
Ab nach Zofingen, den WM-Titel für Nichtschwimmer
abgreifen.
Also ist Jupp auf seiner 3.83 km langen Testlaufrunde
gestartet und hat nach Bewältigen dieser Horror-Distanz
seine GPS gesteuerte Hochfrequenz-Pulsuhr mit
Stoppfunktion von einem Fachmann überprüfen lassen. Aber
es stimmte tatsächlich: unser Bauermähn in spe hat
sämtliche Bestzeiten pulverisiert. Wo also hin mit der
unbändigen Manneskraft? Ein Testlauf muss her, dann noch
vielleicht ein Radrennen und nach diesem Check, geht die
Luzie mal so richtig ab…ihr merkt, wir nähern uns langsam
dem Geheimnis der Mail.
Doch zunächst zum Lauf – ein geeigneter Wettkampf in
Heimatnähe war schnell gefunden und Jupp prügelte los, als
gebe es kein Morgen mehr. Und sein Trainingsfleiß und sein
unbändiger Wille wurden belohnt – die Stoppuhren konnten
sich einfach nicht irren: 30:26 min, zeitgleich mit dem
Sieger! Äh, wie, zeitgleich mit dem Sieger. Hat er denn
nun gewonnen, oder nicht?
Nun ja, also, na ja, es ist so. Sein Arbeitgeber mit den
vier großen Buchstaben hat ein Läufer-Festival
ausgerichtet. 10.000 m auf der Bahn. Im Rahmenprogramm
wurden auch 4.000 m auf der Bahn angeboten. Und da Jupp
für die nahenden Zweikämpfe Tempohärte braucht, hat er
sich für die kürzere Distanz entschieden, aber ernsthaft
in Erwägung gezogen, sich für diese unter seiner Würde
angesiedelte Hüpferstrecke gar nicht erst umzuziehen. Bis
er da ins Schwitzen geraten würde, säße er längst schon
wieder bei einem kühlen Blonden zum Chillen.
Daher die Formulierung zeitgleich mit dem
Sieger…jedenfalls waren Jupps Kommentare danach schon
wieder weltmeisterlich…
Dermaßen beflügelt startete unser Eiermän zu Hause das
große weite Netz und suchte nach einer passenden
Radsportveranstaltung und wurde natürlich prompt fündig.
Es war jetzt natürlich auch keine Ausschreibung, über die
unser Jupp stolperte, sondern folgende (leicht
abgewandelte) Meldung: der Radsportweltverband SeeYouTwice
hat den letzt jährigen Bergkönig der Tour, Franko
Pellizottel wegen Dopingverdachts suspendiert. Eigentlich
ein gewagtes Unterfangen bei einem Mann aus dem Land der
Makkaroni-Züchter, da sie einem für so einen Spruch gerne
ein Angebot unterbreiten, dass man nicht ablehnen kann.
Sonst bekommt der Ausdruck gewichtige Argumente eine ganz
neue Bedeutung.
Jedenfalls darf dieser italienische Trottel, der zu doof
zum Präparieren zu sein scheint, nicht am Giro in seiner
Heimat teilnehmen. Und jetzt kommt die Mail ins Spiel.
Jupp hat seine Chance erkannt und umgehend dessen
Rennstall informiert, dass sie in ihm den mehr als
adäquaten Ersatz finden würden. Kletterstark, hart wie
Kruppstahl gegen sich selbst und dazu noch ohne Gehalt.
Schließlich will er bei diesen Hobby-Sportlern nur seine
Form für Switzerland voranbringen und ein paar Paletten
Nusscreme zur Entlohnung würden ihm reichen.
Ein rot gepunktetes Bergtrikot hat er übrigens auch im
Schrank liegen. Da Jupp selbst den Italienern ein paar
Minuten zugesteht, um seine Mail zu beantworten, schnappt
er sich das gute Teil und stülpt es sich über seine
Astral-Wampe, die immer größer werdenden Punkte beim
Rüberstreifen des Trikots ignorierend. „Passt doch schon
wie für mich gemacht. Da lohnt es sich doch, in Italien
danach zu greifen. Allein wegen der Bützchens der legger
Mädchens dort.“ Oh je, Jupp kann seine Herkunft immer noch
nicht leugnen.
Jupp erinnert sich, dass der diesjährige Giro in Amsterdam
beginnen wird, der Stadt der Grachten, Tulpen und… Käse
natürlich, was denn sonst. Jupps Grinsen wird immer
breiter. Und genau von diesem Käse wird er sich ein paar
Laib kaufen, man weiß ja nie, wozu einen die
Wirtschaftskrise noch nötigt, aber vielleicht führt ihn ja
der Weg in die Selbständigkeit und da braucht man ein bei
der Bevölkerung beliebtes Produkt.
Jupp schnappt sich seinen Boliden und eilt nach draußen.
Herrliches Wetter, die Sonne blitzt in den Speichen und
unser Hero schwingt die blasse, dünne Wade über den Sattel
als er hinter sich eine Stimme schreien hört:
„Ey Alder, ey. Isch sach dir. Hascht du schon mal so nen
Trottel gesehen, odder? Reschpekt. Noch nen Monat bis zur
WM und der Typ hat sich schon lauter Fußbälle aufs Shirt
getackert. Voll krass, Alder, ey, isch sach dir…
Leicht irritiert dreht sich unser Bauermähn in spe um und
sieht zwei Jugendlich auf dem Boden liegen, weil sie vor
Lachen einfach nicht mehr stehen können. Jupp beschließt,
bevor er losfährt, ein anderes Trikot überzuziehen und
seine Mails zu checken. Vielleicht hat er ja schon seine
Einladung zum Giro im Postfach. |