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Jupp der Eirenmän - Hero von nebenan

 

Ein Bike ist kein Rennrad
März 2010 - by Oliver Keck

Jupps Ausflug nach seinen Biathlon - Erfahrungen zum Wintertriathlon ist nur Formsache. Zusätzlich motiviert durch die hervorragenden Leistungen der deutschen Athleten bei den Olympischen Winterspielen in Vancouver, weiß unser Hero, dass die Zeit gekommen ist.

Die Zeit, seine Spuren sozusagen im Eis zu hinterlassen. Um der Nachwelt zu zeigen, dass Eiermän Jupp auch bei den kurzen, knackigen Disziplinen zu Hause ist. Der wievielte Versuch dies schon sei, den Jupp anstrebt, fragt sich der geneigte Leser? Keine Ahnung. Aber im Winter war unser Warmduscher ja bisher eher weniger unterwegs.

Stellt sich nur die Frage nach dem Material. Das Lauf - Equipment ist natürlich mit den neuesten High-Tech-NASA-MICKI-Mondtretern auf dem neuesten Stand und der freundliche Berater hatte ihm auch zugesichert, dass man sich damit auch souverän auf Schnee und Eis schnell fortbewegen kann. Dass die Menschen, die diese Kunst normalerweise tatsächlich beherrschen eine meist andere Hautfarbe an den Tag legen und die Kälte eigentlich scheuen wie der Teufel das Weihwasser, hat der Verkäufer natürlich dezent für sich behalten. Jeder weiß ja, dass jeden Morgen ein Mensch aufsteht, den man über den Tisch ziehen kann. Und er will schließlich verkaufen, so what?

Jupp sichtet im Keller sein Bike…nein, nicht sein Hyper-modernes-carbon-Pferdchen, das ihn zum Schrecken der Landstraßen werden lässt, sondern ein tatsächliches MTB. Ja, so was hat unser Hero, auch wenn es eher ein Schattendasein fristet. Kurzer Blick, hm, ja, Reifen sind voll funktionsfähig und versprechen einen granatenmäßigen Grip. Ein wenig Luft, ein bisschen die Kette fetten und los geht’s. Allerdings, was soll sich unser Eiermän im Training mit dem langsamen Teil abgeben. Wenn Radeinheiten, dann bitte was Sinnvolles mit viel Speed, also Rennrad.

„Ich brauche doch nicht auf dem MTB zu trainieren. Rad ist schließlich Rad.“, denkt unser Jupp.

Bleibt der Ski-Langlauf…totale Fehlanzeige. Aber auch hier war unser Hero nicht faul und hat sich bei DEZENTALON entsprechend eingedeckt. Die Profi-Ausrüstung, versteht sich ja eigentlich von alleine. Mangels vernünftiger Loipen in seiner Wahlheimat, der Stadt mit der Firma mit den vier großen Buchstaben, wird auch hier auf die ein oder andere Trainingsrunde verzichtet. Aber Jupp weiß, dass seine Laktatwerte sehr gut sind, konnte er doch bequem auf dem Sofa alle Anstiege der Biathleten und Langläufer bei den Olympischen Spielen mitgehen und zeitnah alle im Haus befindliche Bierflaschen leeren.

Knapp zwei nasskalte Wochen später – Jupp hat es bei dem Seuchen - Wetter dann doch vorgezogen, sich weiterhin mental auf die Strapazen vorzubereiten – packt unser guter Eiermän seinen kompletten Krempel und düst ins südliche Bayern, wo heuer die nationalen Helden gekürt werden. Der gemeine Bayer ist Jupp ja eigentlich schon suspekt. Die können ja noch nicht mal vernünftiges Bier brauen. Von daher gibt es für Jupp nur eine Devise. Vom Start weg Vollgas und sofort zeigen, wo der Wahlpfälzer den Most her holt. 

Entgegen seiner sonstigen Gewohnheiten hält sich Jupp mit lautstarken Äußerungen zurück. Selbst beim Vor-Wettkampf-Absacker in der Hotelbar starrt unser Hero in sein Glas, kann sich nur ein siegessicheres Grinsen nicht verkneifen.

„Die mache ich morgen alle platt. Werden sich noch umschauen, zu was der König von Hawaii alles in der Lage ist. Die brauchen vom Prinzip her gar nicht hinter der Startlinie zu erscheinen. Der Sieg wird meiner sein.“ Jupps Grinsen wird breiter und er beschließt, nach weiteren fünf Weißbieren sein Hotelzimmer auszusuchen. 

Am nächsten Morgen findet sich Jupp mit siegessicherem, dümmlichem Grinsen mit einer überschaubaren Menge Gleichverrückter hinter der Startlinie ein. Ob das Grinsen nun ins Jupps Gesicht festgefroren ist oder er über Nacht eine Gesichtslähmung bekommen hat, kann niemand der Anwesende so genau sagen. Ist ihnen aber auch egal. Jupp versucht eigentlich nur, auf diese Weise seine leichte Verwirrung zu kompensieren. Er hat mit viel mehr Gegner gerechnet. Die paar Männlein hier muss er lediglich aus dem Weg räumen? Das ist doch eines Eiermän eigentlich nicht würdig. Aber egal, wen interessiert dies in ein paar Jahren noch, wenn in den Geschichtsbüchern dieser Sportart vom Helden längst vergangener Tage geschrieben wird? Eben, niemanden. Ebenso wenig wie die Ergebnislisten selbst, aber lassen wir das.

Der Startschuss fällt und Jupp prügelt wie gewohnt los, das geschlossene Feld vor sich her treibend. Er drückt sich mit aller Kraft von dem glatten Boden ab und macht gerade deshalb Bekanntschaft mit diesem.

„Aua“, brüllt Jupp, „warum hat mir eigentlich niemand gesagt, dass man auf Schnee und Eis so schnell aufs Maul fallen kann?“

Niemand antwortet, wie auch, alle sind schon weg. Unser Hero rappelt sich wieder hoch und jagt der Masse der wenigen Läufer hinterher. Gerade, als er glaubt, er könnte sich den letzten der Ak95+ krallen, erreichen sie auch schon die Wechselzone. Zufrieden mit sich und seiner bisherigen Leistung sucht Jupp sein Bike. Was für den wie immer bestens organisierten Eiermän kein Problem ist, denn er hat seine Hausaufgaben gemacht und sich genau die Position in der Wechselzone gemerkt. Andererseits stehen ja auch nur noch zwei Bikes da…

Jupp schwingt sich in den Sattel, verlässt diesen aber augenblicklich wieder um mit einem brachialen Antritt endgültig auf die Siegerstraße zurückzukehren. Das durchdrehende Hinterrad kann ihn nicht stoppen. Nach wenigen Metern wird unser Hero von sagenhaften Glückshormonen erfüllt, der Rausch der Geschwindigkeit hält in umfangen. Da, die erste Kurve.

„Da will ich mich mal nicht lumpen lassen und dem Fans zeigen, warum sie mich in der Heimat IWEL KARIVELL nennen und höllisch um die Ecke sliden. Dummerweise hat Jupp erneut vergessen, dass er sich nicht auf dem Rücken seines High-Tech-Boliden sondern auf einem Bike befindet und auch nicht über griffigen Asphalt reitet.

Jupps Abflug ist gigantisch. Der Aufschlag am Stamm einer Tanne, der dem Unterrohr seines Bikes einen kleinen aber dezenten Knick verleiht und seine Haltungsnoten während des Fluges sind es hingegen nicht. Minutenlang fragt sich Jupp benommen, ob seine Reise nun zu Ende und er im Himmel angekommen sei. Aber warum ist es hier eigentlich immer noch so Scheißkalt und wo sind die Engel??? Keine Spur von denen. Anstelle dessen beugt sich das Gesicht einer bajuwarischen Matrone über ihn, die ihn ohne viel Federlesens mit einem Ruck wieder auf die Beine stellt.

„Na Bua, geht’s wieder? Oder moagst a Hilfe?“

Ihr Mund nimmt in Jupps Augen beängstigend spitze Formen an, so dass alle Schmerzen wie weggeblasen sind. Er schnappt die Überreste seines Bikes und eilt zum Parkplatz zurück. Für Jupp ist klar: es gibt zwar kein Bier auf Hawaii, aber auch keine solch gefährlichen Einheimischen. Jupp ist froh, wenn jetzt langsam die Temperaturen wieder ansteigen und er doch wieder sein bestes Pferd im Stall satteln kann.

 

 

 

 

 

 

 

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