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Jupps
Ausflug nach seinen Biathlon - Erfahrungen
zum Wintertriathlon ist nur Formsache.
Zusätzlich motiviert durch die hervorragenden Leistungen
der deutschen Athleten bei den Olympischen Winterspielen
in Vancouver, weiß unser Hero, dass die Zeit gekommen ist.
Die Zeit, seine Spuren
sozusagen im Eis zu hinterlassen. Um der Nachwelt zu
zeigen, dass Eiermän Jupp auch bei den kurzen, knackigen
Disziplinen zu Hause ist. Der wievielte Versuch dies schon
sei, den Jupp anstrebt, fragt sich der geneigte Leser?
Keine Ahnung. Aber im Winter war unser Warmduscher ja
bisher eher weniger unterwegs.
Stellt sich nur die
Frage nach dem Material. Das Lauf - Equipment ist
natürlich mit den neuesten
High-Tech-NASA-MICKI-Mondtretern auf dem neuesten Stand
und der freundliche Berater hatte ihm auch zugesichert,
dass man sich damit auch souverän auf Schnee und Eis
schnell fortbewegen kann. Dass die Menschen, die diese
Kunst normalerweise tatsächlich beherrschen eine meist
andere Hautfarbe an den Tag legen und die Kälte eigentlich
scheuen wie der Teufel das Weihwasser, hat der Verkäufer
natürlich dezent für sich behalten. Jeder weiß ja, dass
jeden Morgen ein Mensch aufsteht, den man über den Tisch
ziehen kann. Und er will schließlich verkaufen, so what?
Jupp sichtet im Keller
sein Bike…nein, nicht sein Hyper-modernes-carbon-Pferdchen,
das ihn zum Schrecken der Landstraßen werden lässt,
sondern ein tatsächliches MTB. Ja, so was hat unser Hero,
auch wenn es eher ein Schattendasein fristet. Kurzer
Blick, hm, ja, Reifen sind voll funktionsfähig und
versprechen einen granatenmäßigen Grip. Ein wenig Luft,
ein bisschen die Kette fetten und los geht’s. Allerdings,
was soll sich unser Eiermän im Training mit dem langsamen
Teil abgeben. Wenn Radeinheiten, dann bitte was Sinnvolles
mit viel Speed, also Rennrad.
„Ich brauche doch nicht
auf dem MTB zu trainieren. Rad ist schließlich Rad.“,
denkt unser Jupp.
Bleibt der
Ski-Langlauf…totale Fehlanzeige. Aber auch hier war unser
Hero nicht faul und hat sich bei DEZENTALON entsprechend
eingedeckt. Die Profi-Ausrüstung, versteht sich ja
eigentlich von alleine. Mangels vernünftiger Loipen in
seiner Wahlheimat, der Stadt mit der Firma mit den vier
großen Buchstaben, wird auch hier auf die ein oder andere
Trainingsrunde verzichtet. Aber Jupp weiß, dass seine
Laktatwerte sehr gut sind, konnte er doch bequem auf dem
Sofa alle Anstiege der Biathleten und Langläufer bei den
Olympischen Spielen mitgehen und zeitnah alle im Haus
befindliche Bierflaschen leeren.
Knapp zwei nasskalte
Wochen später – Jupp hat es bei dem Seuchen - Wetter dann
doch vorgezogen, sich weiterhin mental auf die Strapazen
vorzubereiten – packt unser guter Eiermän seinen
kompletten Krempel und düst ins südliche Bayern, wo heuer
die nationalen Helden gekürt werden. Der gemeine Bayer ist
Jupp ja eigentlich schon suspekt. Die können ja noch nicht
mal vernünftiges Bier brauen. Von daher gibt es für Jupp
nur eine Devise. Vom Start weg Vollgas und sofort zeigen,
wo der Wahlpfälzer den Most her holt.
Entgegen seiner
sonstigen Gewohnheiten hält sich Jupp mit lautstarken
Äußerungen zurück. Selbst beim Vor-Wettkampf-Absacker in
der Hotelbar starrt unser Hero in sein Glas, kann sich nur
ein siegessicheres Grinsen nicht verkneifen.
„Die mache ich morgen
alle platt. Werden sich noch umschauen, zu was der König
von Hawaii alles in der Lage ist. Die brauchen vom Prinzip
her gar nicht hinter der Startlinie zu erscheinen. Der
Sieg wird meiner sein.“ Jupps Grinsen wird breiter und er
beschließt, nach weiteren fünf Weißbieren sein Hotelzimmer
auszusuchen.
Am nächsten Morgen
findet sich Jupp mit siegessicherem, dümmlichem Grinsen
mit einer überschaubaren Menge Gleichverrückter hinter der
Startlinie ein. Ob das Grinsen nun ins Jupps Gesicht
festgefroren ist oder er über Nacht eine Gesichtslähmung
bekommen hat, kann niemand der Anwesende so genau sagen.
Ist ihnen aber auch egal. Jupp versucht eigentlich nur,
auf diese Weise seine leichte Verwirrung zu kompensieren.
Er hat mit viel mehr Gegner gerechnet. Die paar Männlein
hier muss er lediglich aus dem Weg räumen? Das ist doch
eines Eiermän eigentlich nicht würdig. Aber egal, wen
interessiert dies in ein paar Jahren noch, wenn in den
Geschichtsbüchern dieser Sportart vom Helden längst
vergangener Tage geschrieben wird? Eben, niemanden. Ebenso
wenig wie die Ergebnislisten selbst, aber lassen wir das.
Der Startschuss fällt
und Jupp prügelt wie gewohnt los, das geschlossene Feld
vor sich her treibend. Er drückt sich mit aller Kraft von
dem glatten Boden ab und macht gerade deshalb
Bekanntschaft mit diesem.
„Aua“, brüllt Jupp,
„warum hat mir eigentlich niemand gesagt, dass man auf
Schnee und Eis so schnell aufs Maul fallen kann?“
Niemand antwortet, wie
auch, alle sind schon weg. Unser Hero rappelt sich wieder
hoch und jagt der Masse der wenigen Läufer hinterher.
Gerade, als er glaubt, er könnte sich den letzten der
Ak95+ krallen, erreichen sie auch schon die Wechselzone.
Zufrieden mit sich und seiner bisherigen Leistung sucht
Jupp sein Bike. Was für den wie immer bestens
organisierten Eiermän kein Problem ist, denn er hat seine
Hausaufgaben gemacht und sich genau die Position in der
Wechselzone gemerkt. Andererseits stehen ja auch nur noch
zwei Bikes da…
Jupp schwingt sich in
den Sattel, verlässt diesen aber augenblicklich wieder um
mit einem brachialen Antritt endgültig auf die
Siegerstraße zurückzukehren. Das durchdrehende Hinterrad
kann ihn nicht stoppen. Nach wenigen Metern wird unser
Hero von sagenhaften Glückshormonen erfüllt, der Rausch
der Geschwindigkeit hält in umfangen. Da, die erste Kurve.
„Da will ich mich mal
nicht lumpen lassen und dem Fans zeigen, warum sie mich in
der Heimat IWEL KARIVELL nennen und höllisch um die Ecke
sliden. Dummerweise hat Jupp erneut vergessen, dass er
sich nicht auf dem Rücken seines High-Tech-Boliden sondern
auf einem Bike befindet und auch nicht über griffigen
Asphalt reitet.
Jupps Abflug ist
gigantisch. Der Aufschlag am Stamm einer Tanne, der dem
Unterrohr seines Bikes einen kleinen aber dezenten Knick
verleiht und seine Haltungsnoten während des Fluges sind
es hingegen nicht. Minutenlang fragt sich Jupp benommen,
ob seine Reise nun zu Ende und er im Himmel angekommen
sei. Aber warum ist es hier eigentlich immer noch so
Scheißkalt und wo sind die Engel??? Keine Spur von denen.
Anstelle dessen beugt sich das Gesicht einer bajuwarischen
Matrone über ihn, die ihn ohne viel Federlesens mit einem
Ruck wieder auf die Beine stellt.
„Na Bua, geht’s wieder?
Oder moagst a Hilfe?“
Ihr Mund nimmt in Jupps
Augen beängstigend spitze Formen an, so dass alle
Schmerzen wie weggeblasen sind. Er schnappt die Überreste
seines Bikes und eilt zum Parkplatz zurück. Für Jupp ist
klar: es gibt zwar kein Bier auf Hawaii, aber auch keine
solch gefährlichen Einheimischen. Jupp ist froh, wenn
jetzt langsam die Temperaturen wieder ansteigen und er
doch wieder sein bestes Pferd im Stall satteln kann. |