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Jupp ist sauer. Stinksauer. Auf wen??? Blöde Frage. Auf
sich selbst natürlich. Weil er sich auf der Schanze im
Schwarzwald beinahe das Höschen beschmutzt hat. So was
kann unser Hero natürlich nicht auf sich sitzen lassen. Na
ja, fast nicht. Eine gute Fernsicht hat zwar schon etwas
für sich, aber man sollte es eben nicht übertreiben. Aber
zum Glück gibt es ja noch spannenden Alternativen im
Winter. Das Zauberwort heißt Biathlon…
Wie gesagt, das mit dem Laufen auf den schmalen Brettern
klappt ja schon ganz gut. Und die zweite Disziplin, also
die mit diesem Gewehr…pah, was für eine Frage. Unser Hero
war schließlich vor zig Jahren seinen Pflichten als guter
deutscher Heranwachsender nachgekommen und hat seinen
Wehrdienst brav absolviert. Zum Glück vor mehr als zwanzig
Jahren übrigens…zum Glück für die Taliban, sonst wären
diese Hinterwäldler nämlich schon längst wieder dort, wo
sie hervorgekrochen waren.
Fairerweise muss man aber zugeben, dass die Episode mit
dem Wehrdienst nicht allzu deutlich ausgeleuchtet werden
sollte. Unser Eiermän hat dies auch weitestgehend
verdrängt. Er musste in der Zeit oft zu verschiedenen
Ärzten. Die Typen dort faselten was von „Sie sind nicht
Rambo“ oder „der Umgang mit scharfer Munition sollte Ihnen
verboten werden“ und so war er froh, dass dieses Kapitel
nach knapp drei Wochen wieder für ihn geschlossen wurde.
Die nachfolgende, mehrmonatige Überwachung durch den BND –
die ausnahmsweise mit Mossat und Stasi kooperierten – ging
dann aber glücklicherweise unerkannt an Jupp vorüber.
Aber was erzähl ich, das blühende Leben findet jetzt statt
und manifestiert sich auf der Website der für den
Winter-Zweikampf zuständigen Organisation, die von unserem
Hero in gewohnt hektischer Manier durchforstet wird.
„Wie? Was? Ich darf nicht im Weltcup starten? Frechheit!!!
Mal sehen, noch nicht mal im unterklassigen
Kontinental-Cup? Ja, spinnen die denn??? Das grenzt ja
fast schon an Blasphemie!“
Nachdem der erste Zorn verflogen ist, loggt sich Jupp
wieder aus seinem Mailprogramm aus und verzichtet darauf,
eine entsprechende Protestmail an den Vatikan zusenden, in
der er dem Papst seine Sicht der stattfindenden
Gotteslästerung darzulegen gedachte. Grund dafür ist nicht
etwa seine Einsicht, sondern, dass er schon wieder
sabbernd vor dem Monitor sitzt, weil ihm etwas Neues ins
Auge gestochen ist.
„Wow, das ist doch genau das, was ich suche. Eine Art
Jedermann-Biathlon im Vorfeld eines Weltcups. Hier können
sich die Nachwuchs-Cracks einem großen Publikum zeigen und
auf sich aufmerksam machen. Die Ausrüstung der Athleten
übernehmen die prominenten Weltcup-Sportler. Gebeten wird
lediglich um eine Spende für einen guten Zweck. Die Höhe
der Spende ist jedem selbst überlassen. Na denn“ Um auf
den Papst zurückzukommen. Dieser kann in dem Moment froh
sein, das diabolische Grinsen unseres Heros nicht zu
sehen, sonst wäre ihm sicher vor Schreck die Hostie aus
den Händen gefallen.
Jupp meldet sich umgehend online an und reist schon eine
Woche später nach Spanholz, um die Verantwortlichen der
rennenden Schützen von seinen Qualitäten zu überzeugen.
Dort angekommen, wird er ins Häuschen der russischen
Athleten verwiesen, die ihn ausstatten und seine Spende
entgegen nehmen werden. Jupp stürmt ins Häuschen und
krakelt los:
„Nastrowje, oder so, ich bin de Jupp. Und eigentlich
Triathlet. Und viel zu gut für diese Welt, denn ich habe
Hawaii gerockt. Aber damit könnt ihr Wodkaleichen ja eh
nix anfangen. Also her mit der Knarre und den Latten,
damit ich euch mal zeigen kann, wo der Hammer hängt.“
Jupps Russisch-Kenntnisse sind ein wenig eingerostet und
so entgeht ihm natürlich die Schimpfkanonade des
Team-Betreuers, der ihm zum Abschluss die Hand hinhält.
„Ah, jetzt willst du sicher die Spende von mir? Bitte
schön“
Jupp drückt dem verdutzten Typen ein paar alte Topflappen
in die Hand, schnappt sich die an der Wand lehnende
Ausrüstung und stürzt aus der Hütte. Skier
untergeschnallt, Gewehr über die Schulter geworfen und los
geht es.
Ein lauter Knall zerreist die morgendliche Stille der
Südtiroler Bergwelt und Jupp fühlt sich, als hätte ihm
einer zwei schallende Ohren gleichzeitig verpasst.
Hektisch schüttelt er den Kopf, kann aber nichts
verstehen.
„Scheiße, ich bin taub. Wie soll ich mich da nur im
Straßenverkehr zu Recht finden?“ Eine schwere Hand fällt
auf seine Schulter und reißt ihn herum. Der dämliche Russe
hat sich vor unserem Hero aufgebaut und plappert wild
gestikulierend auf ihn ein.
„Was willst du blöder Sack eigentlich von mir? Merkst du
nicht, dass ich taub bin?“ Unser Eiermän schaut den wie
Rumpelstilzchen zu seinen Glanzzeiten wütend umher
hüpfenden Typen dämlich grinsend an, als das Rauschen in
seinen Ohren langsam weniger wird.
„Welcher Vollidiot wildert in meinem Revier“ hört Jupp
eine weitere, ziemlich angekäste Stimme.
„Gott, ich danke dir für deine Güte. Du hast mich geheilt,
ich kann wieder hören.“ Unser Hero dreht sich zu dem
Neuankömmling um und wundert sich über dessen grüne
Klamotten. „Was ist denn das für einer?“, fragt er sich,
als dieser sich schon vor ihm aufbaut. Für einen Moment
muss selbst der hartgesottene Eierman schlucken, denn es
wurde für Sekunden dunkel.
Zunächst ängstlich, dann doch trotzig schaut Jupp zu dem
Monster in Menschengestalt vor ihm auf. „Wo ist dein
Problem, Mann? Du weißt wohl nicht wen Du hier vor dir
hast, oder?“
„Das ist mir auch scheißegal, du Trottel hast eben
geschossen und im Wald meine kapitalsten Hirschen erlegt.
Einen 20ender. Das Tier hatte Symbolcharakter für die
Region, viele Wanderer kamen jedes Jahr hierher, um ihr
Glück zu versuchen und es im Wald zu erspähen. Und du Esel
knallst es einfach ab. Aber warte Bürschchen, mal sehen,
was die Gendarmerie von einem Wilderer hält.“
Der Typ vor ihm zückt sein Handy und ist für wenige
Augenblicke abgelenkt, weil er aufs Display starrt. Jupp
ist noch nicht so verblödet, dass er nicht seine Chance
erkennt und Fersengeld gibt. Sprinttraining ist zwar um
diese Jahreszeit total kontraproduktiv, aber im Knast
abhängen noch viel mehr. Unser Eierman düst zu seinem
Kombi und rast davon.
Auf der Rückfahrt wird ihm bewusst, dass er schon zum
zweiten Mal mit mehr als überhöhter Geschwindigkeit den
Ort der Berühmtheit – also, der es hätte werden sollen –
fluchtartig verlässt. Vielleicht ist Wintersport ja doch
nichts für ihn. Obwohl, einen hätte er noch –
Wintertriathlon. Als alter Profi-Biker muss er unbedingt
mal die dortige, kleine Szene aufmischen…
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