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Jupp der Eirenmän - Hero von nebenan

 

Winter-Impressionen
Januar 2010 - by Oliver Keck

Es ist Januar. Es ist Bofrost-Wetter außerhalb von Jupps heiligen vier Wänden, in der eine wohlige Wärme vorherrscht und dazu führt, dass seine beiden Mitbewohnerinnen nur beschwerlich den Weg vom Sofa zu ihren Futternäpfen und zurück bewältigen können. Nur nicht zu viel anstrengen. Das bedeutet ein enormer Verlust an mühsam über die Weihnachtszeit angefutterten Kalorien. Wie, die Katzen haben sich über die Weihnachtszeit gemästet??? Nicht doch, ich spreche wieder von unserem König des Highways. Derzeit ähnelt er aber mehr einem Kaiser der Zimsterne, die deutliche Spuren an seinem Astral-Body hinterlassen haben. Aber ein leerer Sack kann bekanntlich nicht stehen und im Winter wird der Sommerathlet geschaffen.

Seit Kona im Vorjahr kann Jupp sowieso nichts mehr erschüttern. Er hat der Welt gezeigt, dass er der absolut Größte ist. Hat Mr. Präsident Oblada aus den Schlagzeilen verdrängt. Was soll nun kommen? Mit einem Wort: Jupp fehlt die Motivation, er ist auf der Suche nach der ultimativen Herausforderung. Wieder einmal…im Januar…

Träge versucht er, eines seiner Mädels auf dem Sofa mit dem Fuß zur Seite zu schieben. Diese kontert den erklärten Liebesbeweis mit einem zaghaften, aber stetig ansteigenden Krallen in die gestählte Triathleten-Wade. Aber unser Hero ist so faul, dass er noch nicht einmal dies richtig mitbekommt. Lustlos zappt er sich durchs Fernsehprogramm und bleibt bei seinem Lieblingssender EU-Spocht hängen. Was müssen seine müden Äuglein da sehen? Nordische Kombination…Jupp fährt hoch, wie von der Tarantel gestochen. Spritzt vom Sofa und kniet vor seinem Fernsehgerät nieder. Seine beiden Mädels blicken ihm hinterher, wie man eben einem Irren aus der sicheren Ferne hinterher blickt.

Jupp kann die Blicke förmlich spüren, ignoriert sie aber konsequent. Gebannt blickt er auf den Bildschirm.
„Genau das ist es“, denkt sich unser Super-Held, „genau die Herausforderung, die ich im Winter suche. Gut, das bisschen Skifahren ist für einen Ausdauergott wie mich natürlich pillepalle. Aber so eine Schanze heruntersausen und für Sekunden zum König der Lüfte aufsteigen, dass wär’s doch irgendwie.

Und da wir unseren Hero gut kennen, hält er sich nicht lange mit Planspielchen auf. Da er noch ein paar Tage Resturlaub verbringt, packt er schnell seine Tasche mit den (a)erotisch eng anliegenden Ganzkörper-Verhüllerli, das er für beide Disziplinen nutzen kann. Dass die Jungs im Fernsehen die Anzüge während der Pause wechseln, hat er irgendwie noch nicht so recht mitbekommen. Schnell den Mädels die Futternäpfe für zwei Tage aufgefüllt und ab ins Auto in den Schwarzwald. Da steht ja so ein Ding rum, da wird er in ein paar Stunden sich herunterstürzen.

Im Black Forrest angekommen bereitet unser Hero im Auto schon einmal den Wechsel vor. Eine solide Vorbereitung ist ja immer die halbe Miete zum Erfolg, weiß Jupp und wackelt, nach einem letzten zufriedenen Blick auf den Wechselgarten in seinem Kombi Richtung Sprungschanze.
„Mal schauen, wo ich mir die Bretter ausleihen kann. Das letzte Hindernis vor meiner Eroberung der Lüfte. Ah, da am Eingang ist ja ein Häuschen, da will ich doch mal nachfragen.“
Jupp baut sich vor dem ahnungslosen Mitarbeiter des Tourismusverbandes auf und schwadroniert in bekannt bescheidener Manier los:
„Tach auch, ich bin de Jupp. Eigentlich bin ich der König der Landstraße, der ultimative Sportler auf dieser schönen Erde, mit einem Wort, ein Eiermän.“
Der Mann in dem Häuschen kann damit erfahrungsgemäß recht wenig anfangen, versucht aber dennoch, die Fassung zu wahren und höflich zu bleiben. Verwundert fragt er die wie eine Wurstpelle aussehende, leicht frierende Gestalt.

„Ebenfalls einen guten Tag. Das ist ja alles ganz schön und nett, was sie mir da erzählen. Nur was möchten Sie von mir?“
„Ich will springen!“
„Sie wollen was?“ Der Angestellte glaubt, sich verhört zu haben.
„Ich will von der Schanze springen, um mir danach nach einem Blitzwechsel – erwähnte ich schon, dass dies meine Spezialität ist – die Langlauflatten unter die Haxen zu schnallen und eine noch nie zuvor gesehene schnelle Runde in die Loipe zu hämmern. Aber ich habe keine Skier zum Springen und da dachte ich, ich frage einfach mal hier nach.“

Der Mann im Häuschen weiß einen Moment lang nicht, ob der diese lächerliche Figur vor ihm ihn nur verarschen möchte oder es tatsächlich Ernst meint. Der Typ sieht so bescheuert aus, dass er wohl wirklich selbst glaubt, was er da von sich gibt. Also was tun? Er beschließt sich für die Radikalkur.

„Kein Problem, junger Mann. Skier finden Sie oben auf dem Sprungturm. Ich bringe Sie schnell nach oben und nach ihrem Sprung, schnallen Sie sich die Teile im Auslauf einfach von den Füßen. Ich sammle sie dann ein. Ich will schließlich Ihren Rekorden nicht im Weg stehen mit so Lappalien wie der Abgabe der geliehenen Skier. Kommen Sie mit“

Er führt unseren Hero zum Lift und beiden fahren nach oben. Er will Jupp gerade in den Warteraum der Skispringer führen, mit der Begründung, dass dort genau die richtigen Latten auf Jupp warten würden, als dieser einen Blick über die Schanze nach unten ins Tal gleiten lässt. Nur mit Mühe kann Jupp verhindern, dass sich sein Mageninhalt augenblicklich in seiner Unterhose verteilt. Jupp bleibt wie angewurzelt stehen und starrt nun mit weit aufgerissenen Augen und heruntergeklappter Kinnlade in das gähnende Nichts, das sich ihm unterhalb des Schanzentisches offenbart. Er versucht weiterhin, den coolen, abgeklärten Helden herauszukehren, was ihm aber sichtlich schwerfällt. Als seine Bronchien empfindlich kalt werden, fällt ihm auf, dass ein Kiefer immer noch heruntergeklappt ist. Mit einem lauten Peng beendet er diesen misslichen Zustand.

„Äh, hallo, äh ja, da sieht man ja gar nicht den Boden unterhalb der Schanze!?!“
„Ich weiß. Sie springen ins Nichts. Sie werden erst in der Flugphase den Boden wieder sehen, insbesondere wenn Sie den oberen Bereich der Skier auseinanderklappen zu einem V, das Ihnen mehr Auftrieb verleihen wird. Aber das brauche ich solch einem erfahrenen Crack wie Ihnen nicht zu erzählen. In ein paar Sekunden ist dann alles vorbei, aber das wissen Sie ja sicher auch.“

Jupp schaut den Typen an als käme er vom Mars, sei grün und habe fünf Antennen auf dem Kopf.
„Es ist sofort alles vorbei. Ich muss mir so was nicht antun. Immerhin bin ich Triathlet, der ultimative König aller Sportler. Das hier…“ Jupp zeigt mit einer weit ausholenden Handbewegung auf die Sprungschanze, die majestätisch im Halbdunkel ruht, „ist doch nur was für magersüchtige Selbstmörder.“

Schneller als er selbst gedacht hat, rennt Jupp den Berg hinunter zu seinem Auto, springt rein und rast davon. „Wo um alles in der Welt ist nur meine Winterschlampe? Ich muss mich unbedingt um sie kümmern, damit ich nicht vollständig aus der Übung komme.“ Jupp fängt an zu grübeln, kommt aber zu dem Entschluss, dass solche ein Sprung nichts für ihn gewesen wäre. Sicher hätte er ihn locker absolvieren können, aber was hatte so was schon mit Ausdauersport zu tun. Wenn ihn einer gesehen hätte, wäre sein Ruf als beinharter Eiermän ruiniert gewesen. Und darauf kann er getrost verzichten. Jupp beschließt daher, seiner fehlenden Form mit den üblichen Mitteln wie Laufen, Radeln und Schwimmen zu Leibe zu rücken.

 

Jupp der Eirenmän

 

 

 

 

 

 

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