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Es ist Januar. Es ist Bofrost-Wetter außerhalb von Jupps
heiligen vier Wänden, in der eine wohlige Wärme
vorherrscht und dazu führt, dass seine beiden
Mitbewohnerinnen nur beschwerlich den Weg vom Sofa zu
ihren Futternäpfen und zurück bewältigen können. Nur nicht
zu viel anstrengen. Das bedeutet ein enormer Verlust an
mühsam über die Weihnachtszeit angefutterten Kalorien.
Wie, die Katzen haben sich über die Weihnachtszeit
gemästet??? Nicht doch, ich spreche wieder von unserem
König des Highways. Derzeit ähnelt er aber mehr einem
Kaiser der Zimsterne, die deutliche Spuren an seinem
Astral-Body hinterlassen haben. Aber ein leerer Sack kann
bekanntlich nicht stehen und im Winter wird der
Sommerathlet geschaffen.
Seit Kona im Vorjahr kann Jupp sowieso nichts mehr
erschüttern. Er hat der Welt gezeigt, dass er der absolut
Größte ist. Hat Mr. Präsident Oblada aus den Schlagzeilen
verdrängt. Was soll nun kommen? Mit einem Wort: Jupp fehlt
die Motivation, er ist auf der Suche nach der ultimativen
Herausforderung. Wieder einmal…im Januar…
Träge versucht er, eines seiner Mädels auf dem Sofa mit
dem Fuß zur Seite zu schieben. Diese kontert den erklärten
Liebesbeweis mit einem zaghaften, aber stetig ansteigenden
Krallen in die gestählte Triathleten-Wade. Aber unser Hero
ist so faul, dass er noch nicht einmal dies richtig
mitbekommt. Lustlos zappt er sich durchs Fernsehprogramm
und bleibt bei seinem Lieblingssender EU-Spocht hängen.
Was müssen seine müden Äuglein da sehen? Nordische
Kombination…Jupp fährt hoch, wie von der Tarantel
gestochen. Spritzt vom Sofa und kniet vor seinem
Fernsehgerät nieder. Seine beiden Mädels blicken ihm
hinterher, wie man eben einem Irren aus der sicheren Ferne
hinterher blickt.
Jupp kann die Blicke förmlich spüren, ignoriert sie aber
konsequent. Gebannt blickt er auf den Bildschirm.
„Genau das ist es“, denkt sich unser Super-Held, „genau
die Herausforderung, die ich im Winter suche. Gut, das
bisschen Skifahren ist für einen Ausdauergott wie mich
natürlich pillepalle. Aber so eine Schanze heruntersausen
und für Sekunden zum König der Lüfte aufsteigen, dass
wär’s doch irgendwie.
Und da wir unseren Hero gut kennen, hält er sich nicht
lange mit Planspielchen auf. Da er noch ein paar Tage
Resturlaub verbringt, packt er schnell seine Tasche mit
den (a)erotisch eng anliegenden Ganzkörper-Verhüllerli,
das er für beide Disziplinen nutzen kann. Dass die Jungs
im Fernsehen die Anzüge während der Pause wechseln, hat er
irgendwie noch nicht so recht mitbekommen. Schnell den
Mädels die Futternäpfe für zwei Tage aufgefüllt und ab ins
Auto in den Schwarzwald. Da steht ja so ein Ding rum, da
wird er in ein paar Stunden sich herunterstürzen.
Im Black Forrest angekommen bereitet unser Hero im Auto
schon einmal den Wechsel vor. Eine solide Vorbereitung ist
ja immer die halbe Miete zum Erfolg, weiß Jupp und
wackelt, nach einem letzten zufriedenen Blick auf den
Wechselgarten in seinem Kombi Richtung Sprungschanze.
„Mal schauen, wo ich mir die Bretter ausleihen kann. Das
letzte Hindernis vor meiner Eroberung der Lüfte. Ah, da am
Eingang ist ja ein Häuschen, da will ich doch mal
nachfragen.“
Jupp baut sich vor dem ahnungslosen Mitarbeiter des
Tourismusverbandes auf und schwadroniert in bekannt
bescheidener Manier los:
„Tach auch, ich bin de Jupp. Eigentlich bin ich der König
der Landstraße, der ultimative Sportler auf dieser schönen
Erde, mit einem Wort, ein Eiermän.“
Der Mann in dem Häuschen kann damit erfahrungsgemäß recht
wenig anfangen, versucht aber dennoch, die Fassung zu
wahren und höflich zu bleiben. Verwundert fragt er die wie
eine Wurstpelle aussehende, leicht frierende Gestalt.
„Ebenfalls einen guten Tag. Das ist ja alles ganz schön
und nett, was sie mir da erzählen. Nur was möchten Sie von
mir?“
„Ich will springen!“
„Sie wollen was?“ Der Angestellte glaubt, sich verhört zu
haben.
„Ich will von der Schanze springen, um mir danach nach
einem Blitzwechsel – erwähnte ich schon, dass dies meine
Spezialität ist – die Langlauflatten unter die Haxen zu
schnallen und eine noch nie zuvor gesehene schnelle Runde
in die Loipe zu hämmern. Aber ich habe keine Skier zum
Springen und da dachte ich, ich frage einfach mal hier
nach.“
Der Mann im Häuschen weiß einen Moment lang nicht, ob der
diese lächerliche Figur vor ihm ihn nur verarschen möchte
oder es tatsächlich Ernst meint. Der Typ sieht so
bescheuert aus, dass er wohl wirklich selbst glaubt, was
er da von sich gibt. Also was tun? Er beschließt sich für
die Radikalkur.
„Kein Problem, junger Mann. Skier finden Sie oben auf dem
Sprungturm. Ich bringe Sie schnell nach oben und nach
ihrem Sprung, schnallen Sie sich die Teile im Auslauf
einfach von den Füßen. Ich sammle sie dann ein. Ich will
schließlich Ihren Rekorden nicht im Weg stehen mit so
Lappalien wie der Abgabe der geliehenen Skier. Kommen Sie
mit“
Er führt unseren Hero zum Lift und beiden fahren nach
oben. Er will Jupp gerade in den Warteraum der Skispringer
führen, mit der Begründung, dass dort genau die richtigen
Latten auf Jupp warten würden, als dieser einen Blick über
die Schanze nach unten ins Tal gleiten lässt. Nur mit Mühe
kann Jupp verhindern, dass sich sein Mageninhalt
augenblicklich in seiner Unterhose verteilt. Jupp bleibt
wie angewurzelt stehen und starrt nun mit weit
aufgerissenen Augen und heruntergeklappter Kinnlade in das
gähnende Nichts, das sich ihm unterhalb des
Schanzentisches offenbart. Er versucht weiterhin, den
coolen, abgeklärten Helden herauszukehren, was ihm aber
sichtlich schwerfällt. Als seine Bronchien empfindlich
kalt werden, fällt ihm auf, dass ein Kiefer immer noch
heruntergeklappt ist. Mit einem lauten Peng beendet er
diesen misslichen Zustand.
„Äh, hallo, äh ja, da sieht man ja gar nicht den Boden
unterhalb der Schanze!?!“
„Ich weiß. Sie springen ins Nichts. Sie werden erst in der
Flugphase den Boden wieder sehen, insbesondere wenn Sie
den oberen Bereich der Skier auseinanderklappen zu einem
V, das Ihnen mehr Auftrieb verleihen wird. Aber das
brauche ich solch einem erfahrenen Crack wie Ihnen nicht
zu erzählen. In ein paar Sekunden ist dann alles vorbei,
aber das wissen Sie ja sicher auch.“
Jupp schaut den Typen an als käme er vom Mars, sei grün
und habe fünf Antennen auf dem Kopf.
„Es ist sofort alles vorbei. Ich muss mir so was nicht
antun. Immerhin bin ich Triathlet, der ultimative König
aller Sportler. Das hier…“ Jupp zeigt mit einer weit
ausholenden Handbewegung auf die Sprungschanze, die
majestätisch im Halbdunkel ruht, „ist doch nur was für
magersüchtige Selbstmörder.“
Schneller als er selbst gedacht hat, rennt Jupp den Berg
hinunter zu seinem Auto, springt rein und rast davon. „Wo
um alles in der Welt ist nur meine Winterschlampe? Ich
muss mich unbedingt um sie kümmern, damit ich nicht
vollständig aus der Übung komme.“ Jupp fängt an zu
grübeln, kommt aber zu dem Entschluss, dass solche ein
Sprung nichts für ihn gewesen wäre. Sicher hätte er ihn
locker absolvieren können, aber was hatte so was schon mit
Ausdauersport zu tun. Wenn ihn einer gesehen hätte, wäre
sein Ruf als beinharter Eiermän ruiniert gewesen. Und
darauf kann er getrost verzichten. Jupp beschließt daher,
seiner fehlenden Form mit den üblichen Mitteln wie Laufen,
Radeln und Schwimmen zu Leibe zu rücken.
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