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und
es kommt wie es nach dem Gesetz der Serie kommen muss: das
Wetter wird wieder schlechter und treibt unserem Eierman
Jupp dicke Schweißperlen auf die Stirn. Nicht weil er
findet, dass Temperaturen um die 15° C ausreichend genug
seien, um den Schweiß in Strömen fließen zu lassen,
sondern aus purer, nackter Angst.
Nachdem sein Ausflug zu den nichtschwimmenden Weicheiern,
auch Duathleten genannt, mit einem, aus der Sicht des
Betrachters, fürchterlichen Debakel geendet ist,
beschließt Jupp achselzuckend zur Tagesordnung überzugehen
und nach erfolgreich gelegten Rad- und Laufkilometern in
seinem Trainingsparadies im Land der Spaghetti-Könige
weiter an seiner Schwimmform zu feilen. Es muss ja nicht
explizit erwähnt werden, dass Jupp seinen ersten
Wettkampfauftritt vor Wochenfrist nicht als Debakel
empfunden hat. Vielmehr konnte er wichtige Erkenntnisse
der Wettkampfgestaltung erringen, die ihn die Früchte
seiner Arbeit und die langen Gesichter seiner Konkurrenten
noch einbringen würden.
Aber wie zum Teufel sollte er sich den letzten Schliff
holen, aufbauend auf seine Mördergrundlage von 36,857 km,
Stichtag: 01.01.09??? Wenn es ständig regnet und arschkalt
ist? Und wäre dies alles noch nicht genug, steht man dann
im Schwimmbad und darf nicht ins Becken, weil vielleicht
ein klitzekleines Blitzlein sich dazu entschließen könnte,
das etwas unterkühlt wirkende Becken in eine Art Friteuse
zu verwandeln. Sozusagen ein Schwimmausflug ohne
Wiederkehr. Nö, also wirklich, darauf hat unser Jupp nun
auch keinen Bock.
Also muss die Quicki-Lösung wieder herhalten. Neo,
verspiegelte Schwimmbrille und Badelatschen in den
Kofferraum gepfeffert und an den nahegelegenen Baggersee
gedüst. Ist ja prinzipiell eine coole Sache. Keine
nervenden Badegäste, die einen pausenlos vom ersten
eleganten Schwimmzug bis zum Abpellen des
Ganzkörperkondoms bewundern und kostenlos ist es
obendrein. In Windeseile erreicht Jupp den Parkplatz und
würgt sich in seinen Neoprenanzug. Hmm, auch immer wieder
dasselbe im Frühjahr. Das Ding scheint über Winter
eingegangen zu sein. Uff, ein letzter Griff,
Reisverschluss zu und ab dafür.
Jupp stürmt die wenigen Meter hinunter zum Ufer und denkt
noch etwas von geschlossenen Augen und durch. Aber soweit
kommt er nicht. Schon die Berührung seiner nackten Füße
mit dem vom Regen nassen Sand, lassen ihn in einer höchst
seltsamen Starre verharren. Verzweifelt wühlt unser Hero
in seinen Erinnerungen, kann aber nichts finden. Also, das
war doch im letzten Jahr noch anders. Irgendwie wärmer und
zwar ein ganz, ganz großes Stück wärmer. Also nein, das
kann er sich wirklich nicht geben, Neo hin, Neo her. Es
geht immerhin um die Gesundheit und das Hawaii-Ticket und
somit der WM-Titel rückt ja schon in greifbare Nähe.
Verschämt dreht sich Jupp wie eine alterschwache
Primadonna auf einem Fuß um die eigene Achse um zu
erspähen, ob jemand seinen schwachen Versuch beobachtet
hat. Und tatsächlich: sitzen da wenige Meter hinter ihm
auf einer Parkbank zwei Jugendliche, die ihn dreist
angrinsen.
„Na, Opa, hast dir wohl ein wenig zuviel zugemutet. Musst
in deinem Alter aber auch aufpassen, sonst passiert dir
vielleicht noch was.“ Er stimmt in das schallende
Gelächter seines Kumpels ein. Jupps Gesicht nimmt ungefähr
die gleiche rötliche Färbung wie seine Badekappe an. „Ihr
Jungspunde habt ja überhaupt keine Ahnung, mit wem ihr
euch da anlegt. Mir ist einfach durch meinen heftigen
Spurt vom Auto hierher meine Schwimmbrille verrutscht. Die
muss ich einfach richten, that’s all.“
Sprachs, stapfte zum Wasser und stürzte sich in die
Fluten. Die nächsten Minuten wurden unwiederbringlich aus
Jupps Gedächtnis verbannt, gerade so, als würde man eine
Computerfestplatte mehrfach mit einem starken Magnetfeld
bearbeiten. Riss auf der Festplatte, absolut nichts mehr
vorzufinden. Als es wieder ein wenig klarer um ihn wird,
erinnert sich unser Hero daran, dass er ein Lungenatmer
ist und zieht heftig prustend die erlösende Luft in seine
schon schmerzenden Lungen. Sein ganzer Körper brennt. Jupp
weiß allerdings nicht, ob vor Kälte oder wegen des
fehlenden Sauerstoffs. Mühsam hält er die Bemühungen
aufrecht, fisch- und gazellenartig sich durchs klare,
kalte Nass fort zu bewegen.
Nach wenigen Minuten erkennt er die Sinnlosigkeit des
Unterfangens. Zum ersten Mal gibt sich Jupp geschlagen.
Nun ja, was heißt schon geschlagen??? Altersweisheit gegen
jugendliche Verbohrtheit. Sollten sie doch Lachen, sie
hatten ja definitiv keine Ahnung. Noch immer prustend
erreicht Jupp das rettende Ufer, welches er aufgrund
seiner verspiegelten, dunkelgetönten Brillengläser und
seinen tauben Fingern kaum realisiert. Zitternd schiebt er
die Gläser nach oben und muss feststellen, dass die
Parkbank leer ist. Keine Menschenseele mehr weit und
breit. Fluchend wankt Jupp Richtung seines Autos und
tröstet sich mit dem Gedanken, dass das Schwimmen auf
seinem Weg zum WM-Titel nur einen Bruchteil ausmacht. Also
keinerlei Gefahren mit sich bringen wird. Und…auf Hawaii
ist es sicherlich wärmer.
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