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Jupp sitzt zufrieden grinsend in seinem Kombi – der
Hersteller stammt übrigens aus Frankreich und trotz
Wirtschaftskrise schämt sich unser Hero nicht, diesen mit
dem Kauf seiner Automobile zu unterstützen. Obwohl er die
Franzosen ja eigentlich nicht leiden kann. Eigentlich…
Aber zurück zum Thema. Der geneigte Leser sieht sicherlich
den dümmlichen Gesichtsausdruck von Jupp vor seinem
geistigen Auge, während er gemächlich nach seinem
Trainingslager Richtung Schweiz tuckert. Zwei Wochen
„Bella Italia“…der Schrecken aller Langdistanzen weltweit
hat seine Entscheidung nicht bereut. Wer braucht schon
Malle?
Satte 743 km hat Jupp in den nun strammen Waden. Von den
ungezählten Schwimm- und Laufkilometern mal ganz zu
schweigen. Zum Glück hat er nicht mitgezählt, sonst wäre
aufgefallen, dass er ja eigentlich viel mehr Zeit in
diversen Pizzerias und Eis-Cafes verbracht hat. Aber
schließlich kann ein leerer Sack nicht stehen und man muss
seinen Körper pflegen. Nur so kann man die Früchte seiner
Arbeit ernten.
Selbstredend hat Jupp in den vergangen beiden Wochen
geglänzt und den ein oder anderen Touri, aber auch Local
Hero, deutlich gezeigt, wo der Bartl den Most holt.
Letztlich musste er sich nur ein wenig einbremsen, denn
die Zahl der weiblichen Tifosi nahm täglich zu und er
wusste wirklich nicht mehr, wie er dem Ansturm der
Sympathiebekundungen Stand halten sollte. Also beschloss
er, sich auf das Nötigste zu beschränken. Training,
Training und nochmals Training.
Die Königsetappe führte ihn ins Hinterland von Rimini auf
einen berühmt berüchtigten Berg, dessen unaussprechlichen
Namen er sich beim besten Willen nicht merken konnte. Wozu
auch. Wichtig war nur, dass er an diesem Tag jeden,
wirklich jeden Pedalritter, der auf den gleichen Gedanken
gekommen war wie er, aus den hässlichen Kompressionssocken
fuhr. Dass just zum selben Zeitpunkt das lokale Alten- und
Pflegeheim seinen jährlichen Osterausflug unternahm, war
unserem Master of Desaster eher nicht bekannt. Und da in
Bella Italia das Zweirad einen sehr hohen Stellenwert
einnimmt, wollen die alten Herrschaften natürlich ihrer
Leidenschaft längst vergangener Zeiten frönen. Ob jetzt
Kompressionsstrümpfe oder Stützstrümpfe…wo ist da
eigentlich der Unterschied?
Jedenfalls durchpflügte Jupp gnadenlos die weißhaarige
Schar auf ihren Drahteseln als wäre der Leibhaftige hinter
ihm her. Selbst jetzt noch im Auto kann er sich ein
süffisantes Grinsen nicht verkneifen, als seine Gedanken
zu seinem Parforce-Ritt auf den Anstieg der Hors Kategorie
mit 75 Höhenmetern und einer Länge von 8,7 km
zurückkehrten.
Über alle Maßen motiviert hat Jupp noch am selben Abend
vom Hotel aus via Internet den ersten Wettkampf gemeldet,
zu dem er jetzt direkt auf dem Weg ist. Was heißt schon
„Rausnehmen“ nach einem erfolgreichen Trainingslager. Das
ist doch nur was für Schattenparker. Echte Männer zeigen
der Konkurrenz gleich, dass sie in dieser Saison wie in
der vorigen Saison eigentlich nicht antreten brauchen.
Gut, würden sie es nicht tun, könnte unser Hero nicht
seine Erfolge erzielen. Also macht er sich eben einen Spaß
daraus, die angebliche Konkurrenz immer wieder zu
zersägen.
Nach weiteren zwei Stunden dümmlich grinsender Fahrt über
die Autobahnen der Käse- und der Bundesrepublik, erreicht
der Gigant das Schlachtfeld in spe. Schnell das Rad in die
Wechselzone gebracht, kurz eingelaufen und hinter die
Startlinie gestellt. Der erste Duathlon der Saison. Jupp
schaut sich um, sieht in die verbissenen Gesichter der
meist jüngeren Konkurrenten.
„Warum sind die alle nur so mager? Kann doch nicht gesund
sein.“ Gerade ist der Gedankengang zu Ende gebracht, als
der Startschuss fällt und Jupp plötzlich nahezu alleine
hinter der Startlinie verharrt. Jupp schnappt entsetzt
nach Luft. „Wo wollen die denn alle so schnell hin? Aber
nicht mit mir, na wartet“
Jupp sprintet los und hat gerade Anschluss zu dem vor ihm
liegenden letztjährigen Deutschen Meister der über
70-jährigen gefunden, als es ihm mächtig ins Kreuz fährt.
Aber ein wahrer Eiermän lässt sich durch so etwas nicht
aus der Bahn werfen. Beherzt setzt Jupp zum Überholvorgang
an, als der Alte zu ihm rüberschaut und meint:
„Na, gleiche Taktik wie ich?“
Jupp kann ihn nur entgeistert und schwer hechelnd
anglotzen.
„Na, den ersten Kilometer verhalten anlaufen und dann so
richtig aufs Tempo drücken. Auf geht’s!“
Mit flüssigem Laufstil verabschiedet sich der Senior in
Richtung Mittelfeld. Jupp ist alleine im Wald. Ganz
alleine. Sein Rücken signalisiert ihm, dass er eigentlich
keine rechte Lust mehr hat. Jupp hält an und nimmt die
Startnummer von seinem Schwimmring um die Hüfte.
„Verdammte Duathlons“, sagt er laut zu sich selbst, „das
ist doch echt keine Alternative zum wahren Glanzlicht
unserer Sportart. Halt doch nur was für Nichtschwimmer.“
Jupp bestätigt seine Ausflüchte mit grimmiger Miene. Er
blickt dem jagenden Feld hinterher und denkt: „Freut euch
nicht zu früh, ihr Luschen. Heute ist nicht aller Tag, ich
komme wieder…“
Dieser Schlusssatz aus seiner Kindheit ist Jupp immer
willkommen, wenn er ratlos in der Gegend herumsteht. Aber
Jupp wäre nicht Jupp, wenn er nichts Positives finden
könnte. „Immerhin habe ich heute eine schnelle Einheit
hinter mich gebracht.“ Er holt sein Carbon-Pferdchen aus
der Wechselzone und fährt zufrieden nach Hause. Sein
Rücken tut auch schon fast nicht mehr weh.
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