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Jupp trällert fröhlich vor sich hin. Den Grund für die
offensichtliche Heiterkeit, mit der unser Hero seiner
Umwelt wie gewohnt penetrant auf den Nerv geht, kann der
geneigte Leser nicht etwa in einer neuen Bestzeit auf der
6,3 km langen Lauf-Teststrecke vermuten, sondern in dem
bevorstehenden Urlaub unseres Eiermän-Bezwingers. Aber was
heißt schon Urlaub…das ist doch nur etwas für Warmduscher.
Jupp macht sich am kommenden Wochenende auf Richtung
Italien, um seine bisher gelegten Grundlagen in den drei
die Welt beherrschenden Disziplinen auszubauen und so
langsam aber sicher mit einer gehörigen Portion
Geschwindigkeit aufzupimpen.
Italien? I T A L I E N ? ? ?
Si, nix Malle in diesem Jahr. Hier kennt Jupp doch schon
jeden Stein und auf die ewigen Duelle mit den
Armleuchtern, die denken, sie könnten unseren Hero aus den
Socken fahren, hat er auch keine Lust mehr. Jupps Grinsen
wird immer breiter, als er am Schreibtisch des
Vorzimmerdrachen seines Chefs vorbei stolziert, so dass
die gar nicht anders kann, als ihn in ihrer gekonnt
schnippischen Art zusammenzufalten:
„Ah, der Herr Meier…was für ein süffisantes Grinsen. Haben
Sie hier denn überhaupt noch was zu Lachen? An IHRER
Arbeitsleistung kann das ja wahrlich nicht liegen.“
Verdammte Zimtzicke, denkt sich Jupp, du vermiest mir
nicht den Tag. „Nein, nein. Ich freue mich auf meine zwei
Wochen Urlaub. Endlich raus aus dieser an sich schönen
Umgebung, mal etwas anderes sehen. Und vor allem: zwei
Wochen Ruhe vor Ihnen…“
Aus den Augenwinkeln nimmt Jupp wahr, wie sie nach Luft
schnappt. Er macht auf dem Absatz kehrt und verlässt
wieselflink das Büro, bevor die erwartete Schimpftirade
ausbrechen kann. Gut so, denkt er sich, das trage ich
unter Sprinttraining im extrem anaeroben Bereich ein,
sozusagen sehr, sehr spezifischen Wettkampf-vorbereitung.
Ah ja, Wettkämpfe bald ist es soweit. Die dunkle
Jahreszeit hat ein Ende. Wie auf Kommando fühlt er einen
wärmenden Sonnenstrahl durch sein dünnes, aber sehr
spannendes Oberhemd auf seinen Bauch drängen und Vögel wie
wild durch das geöffnete Fenster im Flur zwitschern.
Endlich Frühling…fast zu schade zum wegfahren, aber was
sein muss, muss sein.
Jupp will da gar kein Risiko eingehen. Die Formkurve zeigt
steil nach oben. Das Gewicht geht stetig nach unten, minus
343 Gramm letzte Woche bei nur noch 17,59 Prozent
Körperfettanteil. Da wäre so manch junger Hüpfer stolz.
Und erst der letzte Lauftest auf seiner Hausstrecke.
Sagenumwobene 28:57 min! Also ehrlich, Jupp ist weit davon
entfernt, auf die Kacke zu hauen, aber so schnell war er
Anfang April noch nie unterwegs. Jetzt heißt es eben noch
die Radperformance auszubauen. Fest steht, dass er jetzt
25 km sehr schnell fahren kann. Die digitale Tachoanzeige
seines Wirless-High-Dated-Counters bewegt sich derzeit
permanent zwischen 21 und 24 km/h. Da hätte selbst der
olle Ulle dicke Backen gemacht, hehehe!!!
In
Italien soll vorzugsweise mit dem Boliden geklettert
werden und ein paar gemütliche Strandläufe zum Abrunden
des Arbeitstages. Vielleicht gibt es ja schon ein paar
nette Mädels an der Küste vor Rimini, die er mit seinem
Traumbody in hautenger Wurstpelle beeindrucken kann.
Schwimmen wird Jupp jetzt erst einmal nicht mehr. Wenn man
auf dem Olymp angelangt ist, sollte man aufhören. Jeder
Versuch, die phelpsigen Fähigkeiten zu verbessern, wäre
zum Scheitern verurteilt. Jupp weiß das und ist sicher, im
Sommer schon nach dem Auftakt des Eiermän das begehrte
Ticket für den Pazifiktrip im Sack zu haben…wer sollte ihm
jemals folgen können.
Zurück in seinem Büro angekommen, prüft er zum vielleicht
tausendsten Mal seinen Plan, auf dem er akribisch notiert
hat, was er noch alles einkaufen und verpacken muss, um
aus seinem Trainingslager das Optimum herauszuholen. Da
ein leerer Sack nicht stehen kann, stehen natürlich jede
Menge Leckereien ganz oben auf der Liste. Jupp hat zwar
gehört, dass man in Italien ganz gut essen könnte, aber ob
er der dortigen Pasta & Pizza-Connection wirklich trauen
könne, steht noch in den Sternen. Warum schließlich sind
die ganzen Italiener nach Deutschland gekommen, um hier
eine Pizzeria aufzumachen. Doch sicher, weil es bei ihnen
daheim nicht wirklich schmeckt. Und ganz wichtig ist
natürlich das Frühstück…auf seine geliebte Schoko-Creme
BRIMBELLA will er mit Sicherheit in den zwei Wochen nicht
verzichten. Sonst komme ich vielleicht völlig abgemagert
zurück. Jupp bemüht das Internet, die Suchmaschine seiner
Wahl spuckt aus, dass man auch im Stiefel-Land eben jene
Creme kaufen kann. Aber doch sicher nicht nach dem guten
deutschen Reinheitsgebot produziert. Wer weiß, was die das
so zusammenpanschen. Sieht man ja an den Ergebnissen ihrer
Radprofis. Nicht mal hier können sie richtig panschen, so
wie die dem Rest der Welt hinterher fahren. Nee, nee,
lieber mal drei bis fünf große Gläser einpacken. Wozu hat
man einen Kombi?
Jupp öffnet seinen Screensaver und bewundert wie jeden Tag
das Hintergrundbild auf seinem Rechner, welches seinen
neuen HighTechCarbonMonsterRacers super detailliert
darstellt. Den hat er schon bis in kleinste Detail
poliert, der ist bereit für das Trainingslager.
Jupp seufzt. Er ist ja schließlich nicht bescheuert. Jupp
hat sein Winterrad schon hergerichtet und die Schutzbleche
abgeschraubt. Die alte Alu-Schnee-Schlampe wird ihn
begleiten. So fett hat er es letztlich auch nicht. Im Land
der Mafiosi ein teures Rad mitnehmen, da kann er sich ja
gleich auf die Stirn tätowieren: „los, los, raubt mich
aus.“
Also, je länger Jupp darüber nachdenkt, desto unsicherer
wird er. Hat er die richtige Entscheidung getroffen? Hätte
er nicht doch Malle buchen sollen, um sich dort mit den
alten Kollegen aus seinem Heimatverein von
„Rot-Weiß-Radschuh Kölle“ die legendären Duelle auf den
Puig Major zu liefern. Die früh morgens begannen und kurz
vor Einbruch der Finsternis mit dem finalen Sprint am
Gipfel des Passes endeten. Er hat ja schon viel gehört
über die Italiener.
Mit einem mulmigen Gefühl fährt Jupp seinen Rechner
runter. Erst einmal Feierabend machen. Die restlichen drei
Tage kann ich ja mein High-Tech-Monster fahren, bevor es
dann ernst wird. Jupp ignoriert das fiese Ziehen in seiner
Magengegend und macht sich auf den Nachhauseweg. Tief in
Gedanken versunken, reiht er sich mit seinem
Geschäftsradel in die unendlichen Arbeiterströme ein, die
mit einem gefühlten 35er Schlag durch die Werkstore
pulsieren, um der Heimat entgegenzuströmen…Wer hätte
wenige Stunden zuvor, als die selben Arbeiter träge durchs
Werk zur Kantine radelten, geglaubt, dass sie zu solch
sportlichen Höchstleistungen in der Lage seien.
To
be continued… |