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Jupp kann es immer noch nicht fassen. Da steht er mitten
auf der Tanzfläche in einer ihm völlig unbekannten Disco
und tanzt mit einer ihm noch völlig unbekannteren Frau…was
heißt hier Frau…die fleischgewordene Gestalt eines Engels.
Und weil wir gerade dabei sind, was heißt hier: Tanzen!
Aber lassen wir das, der geneigte Leser kann sich die
Verrenkungen des hüftsteifen Heroen vieler kilometerlanger
Schlachten im Wasser, hoch zu Ross und in Laufschuhen
wahrlich gut vorstellen.
Aber an all das verschwendet Jupp nicht einen einzigen
Gedanken. Es hat ihn getroffen! Als hätte ein Blitz in
sein Hirn eingeschlagen. Aber das ist es nicht. Viel eher
hat Amors Pfeil sein Herz durchbohrt. Er kann keinen
klaren Gedanken mehr fassen, hat nur noch Augen für die
fremde Schönheit. Wie schnell doch wenige Augenblicke die
Welt aus den Angeln heben können. In seiner ihm eigenen
Art nähert er sich der sicher im Rhythmus wiegenden
Schönheit. „Ey, das ist ja der Hammer, dass du mit mir
tanzt. Wie heißt du eigentlich?“
Genau die Art von Kontaktaufnahme, die sich Frauen
wünschen. Sie blickt ihn daraufhin auch irritiert an und
schüttelt leicht den Kopf. Als er sich ihr nochmals
ungeschickt nähert, stößt sie ihn lachend von sich. Jupp
rafft überhaupt nichts mehr. Was soll das? Erst den König
der Athleten einladen und dann postwendend wieder
ausladen? Nee, nee, so nicht meine Dame. Nun ist Jupp in
seiner Ehre verletzt. Zurück kehren die Gedanken an all
die heroischen Schlachten, die er in den letzten Jahren
geschlagen hat und die seinen Ruf als Eiermän manifestiert
haben…
Entschlossen macht er wieder einen Schritt auf sie zu:
„Hey, Kleines, du weißt wohl nicht, wen du da gerade vor
dir hast. Ich will ja nicht zu viel sagen, aber du
sprichst mit dem König der Athleten, dem zukünftigen
Abräumer auf DER Insel im Pazifik schlechthin. Also mach
dich mal locker und sei froh, dass du überhaupt mit mir
tanzen darfst.“
Die fremde Schöne hat nach diesem Vortrag tatsächlich mit
dem Tanzen aufgehört. Ihr Kiefer klappt nach unten und
Jupp sieht, wie es hinter ihrer schönen Fassade anfängt zu
arbeiten. Na also, denkt er siegessicher. Wäre doch
gelacht gewesen, wenn ich sie nicht hätte beeindrucken
können. Noch ein paar Sekunden, dann habe ich ihren Namen
und ihre Telefonnummer und einen Groupie mehr.
Lautstarkes Gelächter holt Jupp unsanft aus seinen
Träumen. Irritiert blickt Jupp nach vorne und sieht, wie
sich sein Gegenüber krümmt. Aber nicht vor Schmerzen. Nach
unendlich langer Zeit, als die umstehenden Tänzer schon
aufmerksam werden, richtet sich die Schöne wieder auf uns
wischt sich die Tränen aus den Augenwinkeln.
„Du hast ja wohl die absolute Vollmeise, oder? Also echt,
ich muss lange zurück denken, um mich zu erinnern, jemals
einen solch sinnfreien Typen wie dich kennengelernt zu
haben. Aber es fällt mir beim besten Willen keiner ein.
Jetzt hör mal gut zu. Weil ich heute einen echten
Scheißtag hatte, wollte ich mich hier ein wenig ablenken
und einfach nur zu geiler Mucke abtanzen. Als du hier
reingestolpert bist, habe ich irgendwie gedacht, dass es
dir auch total mies geht. Deine traurige Gestalt kann man
auch mit viel Anstrengung nicht überbieten. Ich habe es
also nur gut gemeint und wollte uns beiden die Möglichkeit
eröffnen, einen schönen, ungezwungenen Abend miteinander
zu verbringen. Aber du bist ja so beschränkt, ein Wunder,
dass du an deiner eigenen Blödheit noch nicht zu Grunde
gegangen bist.“
Sie macht auf dem Absatz kehrt und lässt unseren
verdatterten Hero alleine auf der Tanzfläche zurück. Was
war denn das jetzt? Jupp muss sich auch lange zurück
erinnern, ob er schon einmal von einer Frau so in den
Senkel gestellt worden ist. Aber er kann sich seine
Hirnwindungen zermartern wie er möchte, ihm fällt keine
Gelegenheit ein. Wie ein begossener Pudel schleicht er von
der Tanzfläche Richtung Tresen. Er hat es ja gleich
gewusst, als sein dämlicher Kollege zu Beginn der Woche
ihn zugetextet hat. Das bringt einfach nichts mit den
Frauen. Sie verstehen einfach seine Genialität nicht und
können sich seiner wahren Größe nicht erschließen. Wie
gut, dass er sich diesen Stress nicht geben muss. Jupp
trinkt noch drei oder vier Weizen zur besseren
Regeneration nach dem schweißtreibenden Tanzen, das man
durchaus als Trainingseinheit eintragen kann.
Er
sieht seinen Kollegen kommen, hat jetzt aber wirklich
keinen Bock mehr, diesen Fuzzy zu treffen. Geschickt
weicht er der ebenfalls auf den Tresen zustrebenden Truppe
aus und zieht, noch immer beleidigt, von dannen. Die
werden alle noch staunen, wozu ich in der Lage bin. Wartet
nur ab. Der Sommer naht mit Riesenschritten und damit auch
die Weiterschreibung der Erfolgsgeschichte des INCREDIBLE
JUPP… |