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„Mensch Jupp, du kannst doch nicht immer nur sinnlos durch
die Gegend hetzen. Du bist doch auch nicht mehr der
Jüngste. Genieß doch mal das Leben. Jetzt wo die Tage
wieder länger und die Röcke der Frauen kürzer werden, hä,
hä, hä.“
Jupp ignoriert das dämliche Lachen seines Kollegen Klaus
komplett und überlegt, ob er diese gesamte traurige Figur
einfach übersehen sollte. Ein Weichei wie es im Buche
steht, hat noch nie in seinem Leben einen schnellen
Schritt getan und hält sich mit seinem überdimensionalen
One-Pack als der Prototyp des männlichen Geschlechts,
denen sich die Frauen überhaupt nicht entziehen können.
Lachhaft. Jupp hält sich bewusst zurück, er will
schließlich keine Leben zerstören. Es reicht doch im
Prinzip schon, wenn er ihn hier in der Firma ständig an
die Wand fahren lässt, das muss er dann doch nicht noch im
Privatbereich tun.
„Hör zu Jupp, mein Kumpel und ich gehen am Donnerstagabend
in einen total geilen Schuppen. Spitzen-Musik,
Spitzen-Bier und ein astreines Angebot an Frauen. Und das
Beste ist: die Weiber sind in unserem Alter. Keine
Teenies, mit denen man nicht anfangen kann und sich
höchstens strafbar machen würde.“ Klaus rammt ihn
leutselig den Ellbogen in die Rippen. „Ey Jupp, du weißt
doch, auf einem alten Gaul lernt man reiten, hä, hä, hä.“
Jupp hat genug von diesen Machosprüchen und holt tief
Luft, um diesen Armleuchter mal so richtig verbal eine
Abreibung zu verpassen. Wie er es wagen könne, den Eiermän
himself, den obersten Vorsitzenden derjenigen, die sowieso
und überhaupt an erster Stelle der Nahrungskette stehen,
mit so einem Mist zu belästigen.
Plötzlich hält er inne. Jupp atmet erst einmal aus und
bevor sein Hirn verarbeitet, was er gerade sagt, klingt
seine Antwort in seinen Ohren: „Geht klar, Klaus. Kann man
mal machen. Wo und wann treffen wir uns.“
Klaus schlägt ihm begeistert auf die Schultern. „Mensch,
klasse, ich wusste doch, dass mit dir was anzufangen ist.
Pass auf, wir treffen uns gegen 22.00 Uhr am…“
Jupp lässt das Gesülze tapfer über sich ergehen und
registriert schon jetzt frustriert, dass er doch vor dem
Reden sein Hirn vollständig arbeiten lassen sollte.
Wie immer kommt der Donnerstag schneller als man denkt.
Nach Beendigung der täglichen Quälerei in der Firma noch
schnell ins Fitness-Studio. Bei dem Mistwetter – nein,
Jupp hält sein Versprechen und jammert nicht über die
Tatsache, dass immer noch kein Frühling in Sichtweite ist
– muss man seinen olymp-adäquaten Körper eben anders bei
Laune halten. Jupp stählt nun seinen Körper, macht aus
Pudding Muskeln. Der Spruch gefällt ihm, hat irgend so ein
verkappter Freizeit-Schauspieler mal von sich gelassen,
der ihm Vergleich zu Jupps Figur wie der Inhalt der
zahlreichen Dosen gewirkt hat, die sich Popeye immer
reingepfiffen hat.
Rein in die Mucki-Bude, mit gepflegten Sprüchen der
aufgepumpten Konkurrenz klar gemacht, dass jetzt die Zeit
gekommen ist, in der die Maschine trainiert und die
Ersatzteile gefälligst die Bildfläche zu räumen haben.
Hoch professionell beschließt unser Hero heute die Brust
und den Bizeps aufzupumpen, denn man will die Frauenwelt
später ja beeindrucken. Also 15kg auf die Hantelstange und
drei Sätze mit je drei Wiederholungen
Maximalkraft-Training beim Bankdrücken. So schwillt die
Titte…äh, sorry, ist politisch inkorrekt, die männliche
Hühnerbrust. Dann noch kurz aus der Reihe von geschätzten
200 sinnlos wartenden Kurzhanteln die passenden genommen
und den Bizeps malträtiert. Hier reichen zwei Sätze, dafür
aber mit insgesamt fünf Wiederholungen mit jeweils
stattlichen 6kg pro Arm.
Jupp hört wildes Getuschel hinter sich und sieht, wie die
aufgeblasenen Luftmatratzen in seinem Rücken die
knallroten Köpfe zusammenstecken. Sind sicher schwer
beeindruckt. Leider rauscht bei Jupp nach der ungewohnten
Anstrengung dermaßen das Blut in den Ohren, dass er wieder
einmal nur Wortfetzen aufschnappt, die sich nach „Frauen“
und „Hammer“ anhören. Na also, habe ich es wieder
geschafft, die Jungs nass zu machen. Warum sollte es hier
anders laufen als im realen Leben eines Eiermän.
Hätte Jupp nur einmal in seinem Leben richtig zugehört,
wäre ihm Folgendes zu Ohren gekommen: „Schaut Euch mal
diesen Trottel an. Der schämt sich nicht einmal, die
Kurzhanteln der Frauen zu nehmen. Wie kann man nur so
hammerdoof sein.“ Nun, man sollte nicht unbedingt vom
Umfang des Brustkorbs auf die Intelligenz eines Menschen
schließen, aber ab und an treffen auch solche Menschen mit
ihren Bemerkungen ins Schwarze.
Nach dem Training erst mal einen Eiweiß-Shake rein
pfeifen, denn der Körper wird logischerweise in der
Regenerationsphase gestählt. Dann ab unter die Dusche,
sich fein machen für den anstehenden Abend. Wider Erwarten
freut sich Jupp sogar darauf. Die Uhrzeit ist schließlich
so gewählt, dass das Leben eines Eiermän nicht leiden
muss. Und so ab und an ein Ausbruch aus der Routine kann
vielleicht sogar belebend wirken.
Jupp stolziert wie ein balzender Auerhahn durch die
Räumlichkeiten des Tanztempels, nach seinem Kollegen und
dessen Kumpel Ausschau haltend. Logisch, der Trottel ist
natürlich noch nicht hier. Na denn, holen wir uns erst mal
ein kühles Blondes, danach checken wir mal die Lage. Jupp
hat die Gedanken kaum zu Ende gebracht, als sich ein
weibliches Wesen vor ihm aufbaut. Keine kühle Blonde,
sondern eher der Typ Frau, bei dem selbst ein ultraharter
Eiermän schwach wird. Er spürt ihren Blick und dreht sich
um. Nö, da steht niemand hinter ihm. Sie scheint
tatsächlich ihn zu meinen.
„Hey du, bist du neu hier? Habe dich ja noch nie gesehen.
Hast du Lust zu tanzen?“ Ohne auf eine Antwort von unserem
total verunsicherten Helden zu warten, geht sie auf die
proppenvolle Tanzfläche.
In Jupps Hirnwindungen bildet sich langsam aber sicher ein
Pfropf, der sich urplötzlich mit einem gewaltigen Schlag
löst. Sein Mund trocknet aus, wie ferngesteuert dackelt er
der fremden Schönheit hinter her. Eiermän? Pulsuhr?
Laktatmessung? Was ist denn das? Das hier ist das wahre
Leben…
(to be continued…)
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