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Jupp schlägt gelinde gesagt gewaltig aus seiner Art. Als
Homo Rheinländerus gibt er offen zu und erzählt es in der
ihm typischen Art jedem, der es hören will – oder eben
auch nicht – dass er mit Karneval überhaupt nichts
anfangen kann. Wenn Andere sich die rote Pappnase ins
Gesicht drücken, geht unsere Pappnase lieber trainieren.
Aber dieses Jahr ist ernsthaft Gefahr in Verzug. Dieser
blöde Winter mit dem abartig kalten Mistwetter will
einfach nicht locker lassen und hält Deutschland fest in
seinen Klauen.
Um sich aufzuheitern, hat unser Superman-Derivat seinen
Hyper-Carbon-Boliden aus dem Keller geholt, um ihn
ausgiebig zu polieren. Fahren will er damit noch nicht. So
etwas kann er seinem Baby nicht antun, dafür hat er ja
seine Winterschlampe. Aber auch die tut ihm jedes Mal
leid, wenn er sie über die nassen und verdreckten Straßen
bewegt. Nun, eigentlich wäre dies auch kein richtiges
Problem, bei der Geschwindigkeit, die Jupp normalerweise
anschlägt. Aber Jahreszeit bedingt liegt in der Ruhe eben
die Kraft. Und von daher bevorzugt er momentan ein
unterirdisch moderates Grundlagen-Tempo von 22.43 km/h,
mit der er über seine Feierabendrunde hetzt.
Danach ist er völlig fertig und packt es gerade noch so,
ein wenig seine Katzen zu kraulen, ein bisschen was zu
lesen oder zu surfen und vor allem, die gigantisch hohe
Kalorienzahl zu ersetzen. Immerhin hatte er gestern auf
seiner Runde das Gefühl, dass seine Winterjacke, die er
schon x-mal im Schrank vergraben und dann doch wieder
hervorgeholt hat, ein wenig zu flattern begonnen hat. Das
bedeutet nichts anderes als Substanzverlust. Diesem beugt
der clevere Athlet vor. Sind es doch gerade diese
Zahnstocher mit gerade einmal 60 Kilo Körpergewicht, die
ständig krank sind und bei denen man exakt diese Ausrede
auf den ersten Wettkämpfen der Saison im Frühjahr durchaus
glauben kann.
Heute hat es aber so stark geregnet, dass er selbst sein
Winterrad im Keller hat stehen lassen. Also wieder die
Laufschuhe an und ein wenig durch die Gegend getrabt. Nach
gefühlten 37,3 km kam Jupp laut prustend wieder zu Hause
an. Der geneigte Leser wird verstehen, dass Jupp nur
einmal seine 3.73 km lange Hausrunde unter die Sohlen
genommen hat. Nach einer heißen Dusche fühlt Jupp kurz
seine Lebensgeister zurückkehren und er wirft schnell noch
sein Notebook an und loggt sich im Web ein. Das erste was
er auf der Seite seines Netzbetreibers sieht, lässt ihm
den Magen umdrehen: Sitzung des heimischen Elferrates –
jetzt live im Videostream. Wer braucht solch einen
Scheiß??
„Ich will hier raus…!!!“ Purple Schulz hatte es seiner
Zeit nicht herzzerreißender Intonieren können. Seine
Katzen sehen das ein wenig differenzierter und öffnen
missmutig ein Auge, während sie sich auf der
Wohnzimmercouch breit gemacht haben. Jupp träumt von
sonnigen Radkilometern auf der Deutschen liebsten
Baleareninsel und besucht die Homepage eines ihm bekannten
Reise-Anbieters. Elektrisiert spritzt unser Eiermän von
seinem Stuhl hoch. Nebenbei bemerkt, seine schnellste
Bewegung des Jahres.
Was Jupp da liest, treibt ihn die Tränen der Rührung in
die Augen. Genau das ist es, was er jetzt braucht:
Rennrad-Karneval…für alle, die keinen Bock auf rote Nasen
haben. Fünf Tag Malle für wenig Geld, Sonne und viele
Radkilometer inklusive. Das eigene Pferdchen verpacken,
wozu, es gibt doch Mieträder.
Jupp hängt den Telefonhörer aus und Minuten späten ist
alles perfekt. In zwei Tagen geht es ab nach Frankfurt.
Zufrieden lehnt er sich auf seinem Stuhl zurück, der
bedenklich zu quietschen beginnt. „Sommer, Sonne,
Herzinfarkt“ von wem war das noch mal??? Ach ja, von einer
Kölschen Band – das Einzige übrigens, was von dort kam und
als vernünftig bezeichnet werden kann. Zeltinger Band –
das waren noch Zeiten.
Schlagartig wird Jupp bewusst, dass er ja noch so viel
organisieren muss. Unter anderen sollte er vielleicht
schon einmal eine Mail ins Geschäft schicken, dass er ab
Donnerstag Urlaub haben will. Da kann sich der
Vorzimmer-Drachen morgen früh schon einmal bis zu seinem
Erscheinen drum kümmern.
Sicher werden ihn alle für völlig durchgeknallt halten, in
der für einen Rheinländer wichtigsten Jahreszeit nach
Malle zu fliegen, um sich auch noch für teures Geld selbst
zu kasteien. Aber das sind eben die unwissenden Maden, die
sich nicht mit dem Heroismus eines einsamen Helden der
Landstraße messen können.
Es kann eben nur ein Ziel geben: Eiermän, dann noch der
Beste von allen. Mit einem guten Gefühl geht Jupp in die
Küche und reißt die Kühlschranktür auf. „Ah, noch ein
Stück Schweinshaxe von Wochenende, das ist genau richtig.
Schließlich braucht man ja Substanz.“
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