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Jupp
hat es geschafft. Er hat sich vor wenigen Wochen zum König
der Athleten gekrönt, ist quasi in den Olymp
emporgestiegen und hat Gottvater Zeus persönlich die Hand
geschüttelt. Bildlich gesprochen, na ja, vielleicht hat er
sich auch mal wieder zu sicher gefühlt, denn die Rache
dieser blasphemischen Gedanken folgte auf dem Fuße und
zwang ihn für satte vier Tage, gefühlt waren es mindestens
vierzig, und die dazu gehörenden Nächte auf das stille
Örtchen, das selbst Könige wie er alleine aufsuchten.
„Natürlich völliger Käse“, wischt unser Hero diese
deprimierenden Gedanken rasch auf die Seite. Er hat beim
Eierman auf der geheiligten Insel einfach zu viel von
diesem süßen Bappkram in sich hinein gestopft und da hat
sein Magen rebelliert. Aber sonst erging es ihm danach
Bestens. Er hat seinen Entschluss, sich auf dem heiligen
Boden dauerhaft niederzulassen, kein bisschen bereut.
Oder doch? Nach drei Wochen wurde ihm schon ein wenig
langweilig…so ganz ohne Schwimmen, Radeln und Laufen.
Nicht, dass unser Eiermän sportlich eine ruhige Kugel
geschoben hätte. Im Gegenteil, er hat den Locals hier mal
gezeigt, wie es ein Rheinländer beim Surfen krachen lassen
kann. Nach Kauf und Schrottung des dritten Boards und dem
Gefühl, den Pazifik leer gesoffen zu haben, hat sich Jupp
dezent, aber seine Umwelt immer noch Wissen lassend, dass
er als Eiermän über den irdischen Dingen, wie so einem „Pille-Palle-Sport“
wie Wellenreiten, steht und den Rest seines Lebens sich im
Ruhm sonnen kann. Sportlich gibt es in diesem Leben
einfach keine Herausforderung mehr.
Nach vier Wochen schreckt Jupp ein Anruf aus good old
Germany aus seinen rosaroten Strandimpressionen. Seine
Hausbank macht ihm höflich aber mehr als deutlich klar,
dass ihre Manager auf ihre Boni verzichten müssten und sie
sich kaum noch Tempo-Taschentücher leisten könnten. Und
schon gar nicht könnten sie sich die Vergabe eines Kredits
an einen Traumtänzer leisten, der seit Wochen keine
Einnahmen mehr auf seinem Konto zu verzeichnen hat. Bei
stetig steigenden Aussagen. Sie empfehlen ihm sozusagen
als kostenlose Beratung an jahrelangen, guten Kunden,
unmittelbar seinen Arsch hierher zu bewegen und wieder zu
arbeiten.
Unserem Hero schwillt gewaltig der Kamm, als er diesem
Yuppie am anderen Ende der Welt klar macht, dass man so
nicht mit einer Gottheit redet. Er beruhigt sich aber
schnell wieder, als er ein weiteres, fieses Ziehen im
Magen verspürt. „Nicht schon wieder“, denkt Jupp, und
bewegt sich Richtung Toilette. Aber nichts Schlimmes
passiert. Außer…ja, was ist denn das? Draußen vor seiner
Hütte scheint die Welt unterzugehen. Heftiger Regen und
noch stärkerer Wind sorgen dafür, dass sich das von ihm
professionell nach Bauweise der Ureinwohner angebrachtes
Dach verabschiedet. Innerhalb von Sekunden ist Jupp bis
auf die Haut durchnässt.
„Scheiße, vielleicht haben die ja doch alle Recht.“ Er
stellt sich unter dem dichten Blätterdach einiger Palmen
unter und wählt eine Nummer aus seiner alten Heimat.
„Ja, hallo? Chef??? Ja, hallo, ich bin’s! Wer ich? Na, der
Jupp, natürlich. Sie werden mich doch nicht vergessen
haben, oder? Nee, natürlich nicht. Dachte ich mir doch
gleich. Wie es mir geht? Sehr, gut. Danke und Ihnen? Auch
gut. Das ist schön. Und dem Vorzimmerdr…? Äh, was ich
will? Nun, ja, also, geben Sie mir meinen alten Job
wieder? Wie, Sie haben mich nicht verstanden? Ich sagte:
geben Sie mir bitte meinen alten Job wieder. Was?
Tatsächlich???? Na das klingt ja super. Eigenes Büro
weiterhin, aber 15% weniger Gehalt. Hm, das klingt nur
halb so schön. Aber was soll’s. Scheiß drauf. Ich bin
Montag früh wieder in der Firma. Bis denn.“
Jupp ruft noch seinen alten Vermieter an und hat erneut
mehr Glück als Verstand. Er kann seine Bude wieder haben.
Unser Hero pfeift vergnügt vor sich hin, packt seinen
wenigen Habseligkeiten zusammen, huldigt seinem
Super-Duper-Carbon-Hightech-Blitzboliden“ und organisiert
sich ein Flugticket für den nächsten Tag.
„Die werden zuhause aber Augen machen. Haben wohl gedacht,
der olle Jupp hätte sich in den Ruhestand verabschiedet.
Nee, is nicht. Zuviel Paradies ist ungesund. Nächstes
Wochenende ist doch der Nikolaus-Duathlon in Frankfurt. Da
werde ich gleich mal alle beim Spielen im Brabbel
versenken.“
Alles verläuft reibungslos und Jupp richtet sich wieder in
seiner Wohnung und seiner Arbeitsstätte ein. Seine alten
Mitbewohnerinnen auf vier Pfoten hat er auch von einer
Bekannten zurückbekommen und alle sind glücklich. Das
Training lief vom ersten Moment an wieder perfekt. Kette
rechts wenn immer möglich und weder Regen, Sturm,
renitente Taxifahrer oder rote Ampeln konnten ihn stoppen.
Beim Laufen vernascht Jupp einen Lauftreff nach dem
anderen, wobei er sich doch insgeheim wundert, warum die
Lauftreffs mittlerweile auch alle mit diesen langen,
komischen Stöcken unterwegs sind.
Die Zeit vergeht wie im Fluge und ruckzuck schwebt unser
Eiermän in der Bankenmetropole ein, um sich, dem Primus
inter Pares, huldigen zu lassen. Der einzige
Schönheitsfehler ist: keiner huldigt ihm. Zornig ohne Ende
absolviert Jupp sein Warmmachprogramm und absolviert
gerade ein paar Steigerungsläufe, als die Jedermänner auf
die Strecke gepeitscht werden. Locker trabt Jupp neben der
mit Abstand langsamsten Teilnehmerin her und ist
fassungslos vor Glück.
„Boah, bin ich in Form. Wenn ich es nicht selbst sehen
würde, ich würde es nicht glauben. Das ist ja der Hammer.
Na wartet, ich mache euch nachher alle rund.“
Eine gute Stunde später werden die Leute auf die Strecke
geschickt, die sich auch richtig mit dem Sport
identifizieren können. Nicht diese Hobby-Sportler, denen
man im Ziel nicht mal ansieht, dass sie sich im Gelände
bewegt haben.
Der Startschuss fällt, alle stürmen los. Inklusive Jupp.
Der nur nicht allzu lange. Er stolpert über seine eigenen
Füße und fällt der Länge nach in eine riesige Pfütze.
Binnen Sekunden ist er wieder klatschnass und hat eine Art
Deja Vu…so waren doch in etwa seine letzten Stunden auf
der heiligen Insel…nur wärmer.
Der Rest der Meute trampelt mehr der weniger rücksichtslos
über ihn drüber oder knapp vorbei, so dass er zusätzlich
noch mit ausreichend Brackwasser versorgt wird. Nach
wenigen Augenblicken ist der Spuk vorbei.
Jupp hat die Schlacht verloren, aber nicht den Krieg.
Triathlon ohne Schwimmen, auch Duathlon genannt, ist eben
nichts für ihn. Und unser Hero wäre nicht unser Hero, wenn
er nicht augenblicklich ein Ziel für 2010 formulieren
würde…die Verteidigung des Titels im Pazifik…
So, allen Lesern, die Spaß und Freude an meiner Kolumne
empfunden haben, wünsche ich ein friedliches
Weihnachtsfest und einen guten Rutsch und … vielleicht
neue Abenteuer unseres Eiermän… (Oliver Keck)
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