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Jupp kann es langsam aber sicher nicht mehr hören.
Klimaerwärmung!!! Dieser Winter ist seit Beginn der
Wetteraufzeichnungen kurz nach der Steinzeit der mit
Abstand Mildeste. Auch die kurzfristigen Wetterprognosen
versprechen täglich eine Erwärmung.
Und wie sieht die Realität aus? Wir schreiben bereits das
Jahr 2009 und der erste Monat ist auch schon bald wieder
abgehakt. Und es ist schweinekalt. Wenn er nur an das böse
Wort Kälte denkt, fällt unser Eiermän in eine Art
Schockstarre. Mal davon abgesehen, dass Jupp seine schön
beheizte Wohnung nur noch zum Arbeiten und Einkaufen
verlassen will und seine leidgeprüfte Katze täglich als
Wärmekissen missbraucht, macht er sich ernsthafte Gedanken
über seine winterliche Frühform.
Diese braucht er schließlich, um im Sommer den
Möchtegern-Dreikämpfern in der hessischen Bankenmetropole
das Fürchten zu lehren. Letztes Jahr um diese Zeit hat er
die Freizeit-Jogger auf seiner Hausstrecke, so er sie in
seinem Geschwindigkeitsrausch überhaupt wahrnehmen konnte,
mit einem 8:33er Schnitt auf seiner 4.73 km langen
Teststrecke beeindruckt.
Und jetzt??? Nicht einmal war er auf seiner Strecke. Jupp
hat keine Ahnung, was er so drauf hat. Was er aber ganz
sicher weiß, ist die Tatsache, dass er eine
unwahrscheinliche Aura verströmen muss. Denn kaum am
Arbeitsplatz angekommen, spürt er die brennenden Blicke
der Kolleginnen und das missbilligende Kopfschütteln der
männlichen Konkurrenz…obwohl, welche Konkurrenz??? Jupp
steht so weit oben in der Nahrungskette, dass das Gedeihen
seiner Geschlechtsgenossen nur von seinem guten Willen
abhängt. Und das, obwohl er sich fühlt wie eine
Tiefkühlpizza. „Wo soll das nur alles enden?“ fragt er
sich selbstgefällig.
Wie wir unseren Hero kennen, kommt er überhaupt nicht auf
die Idee, dass er die Blicke missdeuten könnte. Ihm würde
es vielleicht wie Schuppen aus den Haaren fallen, wenn er
nicht auf seiner eigenen Wolke vorbeischweben würde,
sondern einfach mal seinen Mitmensche zuhören würde.
„Meine Güte, der wird auch immer fetter…“ flüstert die
Schreibdame der Sekretärin des Oberbosses zu, was diese
mit einem teuflischen Grinsen bestätigt.
„Mein Gott, das will ein erfolgreicher Triathlet sein. Da
muss ich aber mal laut lachen. Wer so einen Ranzen vor
sich herschiebt, der kann doch nicht mal zehn Meter
schnell rennen, ohne nach Luft zu japsen.“ Meint auf jeden
Fall Kollege B. Ender, der sich als einigermaßen
erfolgreicher Hobbyläufer sieht und das auch immer wieder
mit vorderen Platzierungen bei diversen Läufen nachweist.
Im Gegensatz zu unserem Hero, der sich wie der smarte
Tex-Mex-Man nur auf ein Ziel fokussiert.
Und genau dieses Ziel droht Jupp aufgrund der arktischen
Temperaturen aus den Augen zu verlieren. Schließlich ist
er Triathlet geworden, weil er mit Wintersport eigentlich
nichts weiter am Hut hat. Gut, im Fernsehen kann man sich
das Reinpfeifen, aber selbst machen??? Never ever!
Aber alles Jammern hilft nichts. Heute, ja heute geht es
los. Beim Gedanken daran läuft Jupp mit grimmiger Miene,
die eine leichte Tendenz zu einer weinerlichen Grimasse
nicht verbergen kann, nach der Mittagspause über das
Werksgelände der Firma mit den vier großen Buchstaben
zurück zu seinem Büro. Eine tägliche Selbstkasteiung, die
sich unser Eiermän zumutet, aber ein leerer Sack kann
schließlich nicht stehen und so müssen eben ständig
Kohlehydrate nachgelegt werden. Würde ja gerade noch
fehlen, wenn er sich aufgrund seines drohenden
Untergewichts eine Erkältung einfangen würde, die ihn noch
länger von der Umsetzung seines „Yes, I can“ –
Trainingsplanes abhält.
Wenige Stunden später muss alles blitzschnell gehen…raus
aus der Firma und ab nach Hause. Was ziehe ich nun nur an?
Nein, diese Frage stellt nicht etwa eine neue
Damenbekanntschaft ins Jupps Leben. Es ist der Meister
HIMSELF, der mit sich selbst ausdiskutiert, ob zwei oder
drei lange Tights das ultimative Mittel für einen
gemütlichen LongJog zum Wiedereinstieg über 36,4 km nach
knapp sechs Wochen Laufpause sind. Schließlich muss man
die schon tief stehende Sonne mit ins Kalkül ziehen und
bedenken, dass nach deren Untergang die Temperaturen noch
weiter in den Keller sacken. Obenrum trägt der gute Jupp
ein atmungsaktives High-Dry-Funktion-Langarm-Trikot mit
negativer Gore-Funktion und ein dünnes Laufwestchen.
Müsste reichen, Jupp friert immer mehr an den dünnen
Beinchen. Aber warum hat er die Temperatur der
Waschmaschine beim letzten Waschen der Weste so hoch
geregelt. Ist ganz schön eingelaufen, das gute Teil und
spannt gewaltig an meine Herkules-Schultern. Obwohl, Jupp
schaut leicht resigniert nach unten…eher am Obelix-Bauch.
Schlecht gelaunt stapft unser Eiermän los und wirbelt um
die erste Kurve. Ein lautes Klatschen verkündet jedem
Lebewesen im Umfeld von zwanzig Metern, dass etwas Weiches
auf etwas sehr Hartes aufgeschlagen ist. Benommen bleibt
Jupp eine Weile regungslos liegen. „Das kann ich auch oben
in meiner Wohnung haben. Nur nicht so hart. Und mit meiner
Katze. Und vor allem mit WÄRME.“
Jupp rappelt sich langsam auf und schaut sich um. Die
Lichtverhältnisse sind mittlerweile so gedämpft, dass
niemand seinen Abflug beobachtet hat. Zufrieden, aber mit
schmerzverzerrtem Gesicht seine geprellte Hüfte reibend,
schleppt sich „The Greatest of AK50“ zurück ins Haus.
Genug Sport gemacht. Laut Wetterbericht soll es ja in den
nächsten Tagen deutlich milder werden.
Standard-Wetterbericht eben. „Dann, ja dann, werde ich es
so richtig krachen lassen.“ Jupp nickt wieder einmal
selbstzufrieden.
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