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„Now,
I am back!“ grölt…nein, nicht unser allseits geschätzter
Arnie in Terminator 537, sondern unser Jupp. Zurück aus
dem Urlaub und voller Tatendrang. Das Lotterleben mit
Blick auf die ganzen Sahneschnitten an den weißen Stränden
der Hellenen mag zwar ganz nett für den durchschnittlichen
Teutonen sein, aber nicht für unseren König der
Ausdauerfreaks.
Bereits am zweiten Tag nach seiner Ankunft im Hotel hat es
Jupp schon gejuckt. Abends vor der Schlacht am Buffet –
übrigens eine tägliche äußerst intensive Trainingseinheit
mit Laktatspitzen um die 20 mmol – hat er gleich mal einen
brachialen Strandlauf absolviert. Barfuss versteht sich.
In Shorts ohne Shirt. Man muss ja den Mädels was bieten.
Dass die lästigen Taxifahrer ihm permanent eine
Mitfahrgelegenheit aufdrängen und ihn von der Sandpiste
pflücken wollten, hat unser Hero mit eleganten
Körperdrehungen ausgekontert. Diese Lauf-Action zog sich
wie ein roter Faden durch seinen Urlaub. Hinzu noch ein
wenig elegantes Gleiten durch die Meeresbrandung.
Lediglich sein Carbon-Edelgeschoss hat Jupp doch stark
gefehlt, aber das holt er jetzt nach Rückkehr in die
Heimat mehr als nach. Doch zuerst steht eine
Grundreinigung an – denn immerhin wurde das gute Stück
knapp zwei Wochen nicht mehr aus dem Keller gelassen – und
dann kann es mit neuem Elan und gestählten Waden los
gehen. Nach dem fünften erfolglosen Versuch, die ganzen
Bauteile wieder zu einem fahrbaren Untersatz
zusammenzuschrauben, packt er wutentbrannt den ganzen
Plunder und trägt den Mist zum Radhändler seines
Vertrauens. Da Jupp aber in den Sommermonaten nicht der
einzige Radler ist, muss er längere Zeit auf die Reparatur
seines High-Tech-Boliden warten.
„Ey
Heinz, hör mal“, jammert Jupp lauthals „das kannst du doch
nicht machen!!! Ich will übernächste Woche nach Kanada um
mir das Ticket für nach Hawaii sichern. Da brauche ich
doch meinen Bock!“
„Versteh ich, Jupp, verstehe ich. Aber du siehst, was hier
los ist. Ich guck, was sich mache lässt. Aber ne Woche
wirste auf jeden Fall warten müssen.“
Gut, die ganz große Katastrophe abgewendet, aber bei dem
geilen Sommerwetter in Deutschland – wann hat man das
schon einmal? Seit Einsetzen der globalen Erwärmung wird
es hier ja immer kälter – muss unser Hero jetzt auf seiner
Winterschlampe fahren…ausgestattet mit dezenten
Schutzblechen, Licht und Rückstrahlern. Damit darf er sich
um diese Jahreszeit bei den Radtreffs in der Gegend nicht
blicken lassen. Das Gelächter dieser Idioten wäre zu groß.
Schade eigentlich, er hätte sie so gerne zersägt.
Na
ja, dann eben ein anderes Mal. Jupp muss jetzt erst einmal
seine gesamt positive Energie kanalisieren. Das ist ihm
bei den Hellenen schon klar geworden und daher hat er den
einzigen vorhandenen Internetanschluss im Hotel
stundenlang belegt – denn DSL ist eben nicht überall
verfügbar – und von dort aus alle notwendigen Schritte
übernommen, um in Kanada an den Start gehen zu können. Und
diesmal müssen sich alle Schattenparker definitiv warm
anziehen. Jupp ist in der Form seines Lebens und er wird
alle zerschmettern. Die Zeit vergeht dank in der Firma mit
den vier großen Buchstaben liegen gebliebenen Bergen an
Arbeit wie im Flug und auch sein Händler übertrifft sich
selbst. So kann unser Hero seine Teststrecke noch auf
seinem besten Pferdchen absolvieren und was soll er sagen
– Bestzeit natürlich!!! Was hatte er auch Anderes
erwartet? 5.9 km mit drei Prozent Gefälle – man muss
schließlich den runden Tritt perfektionieren – in knapp 23
min. Voila!!!
Die Zeit rast und Jupp sitzt ehe er sich versieht in
seinem gebuchten Airhorse-Flieger auf dem Weg ins Land der
Holzfäller und Grizzly-Bären. So einen könnte er im
Vorbeigehen eigentlich auch erledigen, grübelt Jupp
kurzfristig, wischt den Gedanken aber Beiseite. Wäre ja
unfair, einem solchen zarten Wesen gegenüber. Er
beschließt, lieber seine Gegner zu zerschmettern. Aber
zuvor gilt es diesen langen, nervigen Flug zu überstehen.
Jupp beschließt daher, seinen Sitz temporär aufzugeben und
den wallenden Massen des Elefanten neben ihm zu entkommen.
Eigentlich nichts für einen Eiermän, aber Walking im
Flieger ist schon eine feine Sache. Die genervten Bitten
der Flugbegleiterinnen, sich bitte wieder hinzusetzen,
ignoriert unser Held auf seine gekonnt charmante Weise:
„Warum Saftschubse??? Ist doch kein Stress am Himmel und
somit kann mich niemand bremsen. Oder willste etwa Schuld
sein, wenn ich das Ticket für die Insel der Inseln nicht
lösen kann? Na also, dachte ich mir doch. Und jetzt aus
dem Weg! Du störst meine UWV.“
Die dermaßen derb angeraunzte Stewardess zerknirscht einen
derben Fluch zwischen ihren Zähnen und auf ihrem Gesicht
steht deutlich zu lesen, was sie von ihrem renitenten
Passagier hält. Sie denkt aber auch daran, dass es zu
viele Nerven kostet, sich mit jedem Vollpfosten im Flieger
anzulegen, also lässt sie ihn gewähren. Soll er sich doch
lächerlich machen. Gesagt, getan!
Jupp düst durch die engen Reihen des Jumbos, dass es eine
wahre Freude ist. Die übrigen Passagiere fragen sich, ob
hier ein zu groß gewachsenes, zudem verzogenes Gör, mit
dem Hirn einer Eintagsfliege unterwegs ist. Jupp will
gerade zu seinem 33. Rundgang ansetzen, als die Stimme des
Piloten aus dem knisternden Bordlautsprecher mitteilt,
dass sie ihr Reiseziel in ungefähr dreißig Minuten
erreichen und so langsam die Landevorbereitungen getroffen
werden können. Im Klartext: alles hinsetzen!!! Mit
sichtlichem Genuss verweist die mittlerweile abgestumpfte
Stewardess unseren Hero auf seinen Sitzplatz und schnallt
ihn sogar persönlich fest.
Jupp versteht natürlich mal wieder alles falsch und fühlt
sich ob der ihm zukommenden fürsorglichen und
zuvorkommenden Behandlung sehr geschmeichelt. Er zückt
seine Brustbeutel und drückt der guten Frau einen fünf
Dollarschein in die Hand, mit dem Hinweis, sie soll auf
sein Wohl etwas trinken. Jetzt hat er es doch geschafft
und die Gute holt aus, um sich für seine Großzügigkeit mit
einer weitreichenden Geste, die auf seinem Backen enden
soll, zu bedanken. Eine weitere, die Passagiere
kontrollierende Kollegin verhindert Schlimmeres, in dem
sie die Hand noch abfängt und ihr ein unmerkliches
Kopfschütteln schenkt.
Der Rest des Fluges ist Formsache. Jupp eilt zur
Gepäckausgabe, nimmt seine ultramoderne Sporttasche in
Empfang und wartet auf seinen „NASA-neidisch-machenden-fahrbaren-Untersatz“.
Als dieser ebenfalls bei ihm eintrudelt, weiß er
endgültig, dass ihn nichts mehr aufhalten kann.
Ein Taxi geschnappt und ab ins Hotel. Dort angekommen,
gleich nach dem Einchecken den Boliden zusammengeschraubt
und die restliche Ausrüstung gecheckt. Alles dabei, auch
das schwarze Ganzkörperkondom. Jupp nickt zufrieden. Er
beschließt, in der Bar noch einen kurzen Absacker zu
nehmen, um dann das geräumige, bequeme Bett aufzusuchen.
Irgendwie muss man den Jetlag ja austricksen, um früh
schlafen zu können. Morgen dann die Wechselzone aufsuchen,
einchecken und Sonntag dann der große Moment.
Vier Stunden und gefühlten 13 Gläser Whiskey später
schwankt Jupp zurück zu seinem Zimmer. Früh ist es jetzt
wirklich. So früh, dass Jupp beschließt, die letzte
Einheit vor dem großen Rennen in ein Extrem-Relaxing
umzuwandeln. Schließlich hat er mal irgendwo gelesen, dass
weniger mehr sein sollte. Manchmal zumindest. Das erinnert
ihn schmerzhaft daran, dass sich die Einrichtung seines
Zimmers weiterhin schnell um ihn dreht. Schnell legt er
sich ins Bett und stellt ein Bein auf den Boden, um Halt
zu finden. Schon besser.
„Mann, Mann, Mann“, denkt unser Hero dümmlich grinsend, „
was musste diese rattenscharfe Blondine auch so auf ihn
abfahren. Zum Glück konnte ich ihr klar machen, dass
Bumsen die Beine lahm macht und ich meine ganze Kraft
brauche. Andererseits schade.“ Mit diesem dämlichen
Grinsen im Gesicht geht unser Jupp dem Schlaf endgültig
ins Garn. Ist auch besser so. Immerhin war unserem Eiermän
nicht aufgefallen, dass dieses wasserstoffblonde Superweib
über zwei unnatürlich kräftige und stark stoppelige Beine
verfügt…für eine Frau zumindest…
…to be continued… |