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Schluss,
aus und vorbei! Jupp mag nimmer. Er hat endgültig die
Schnauze voll und braucht dringend eine Auszeit…
Was war geschehen? Eigentlich nichts Schwerwiegendes. Wie
hätte es nach seinem persönlichen Waterloo in der
Bembel-Metropole auch schlimmer kommen können. Jupp
klingeln noch heute von den Spottgesängen die Ohren, die
sein Ex-Nachbar sicher los gelassen hat. Dank der
friedlichen und beruhigenden Wirkung seiner beiden
bepelzten Mädels zu Hause ist er in sich gekehrt, hat sich
gegen das Reinhämmern von Speedballs entschieden – der
findige Super-Hero entdeckt die Rezeptur solcher
Muntermacher natürlich leicht im weltweiten Netz – und den
Pfad der Tugend nicht verlassen. Im Gegenteil…tief aus
seiner Hühnerbrust aufstrebende „OOOOMMMMS“ haben ihn noch
weiter entspannt und über sein bisheriges Mehrkampfleben
auf der Überholspur nachdenken lassen.
Dabei ist ihm bewusst geworden, dass er ja eigentlich
alles erreicht hat in seiner Sportlerlaufbahn. Gut, eine
Olympische Medaille und ein Hawaii-Sieg fehlen ihm noch.
Aber um erstgenannte erringen zu können, hätte diese
schöne Sportart eben schon früher im Zeichen der alles
überstrahlenden fünf Ringe aufgenommen werden müssen. Und
wie sähe das jetzt aus, wenn er an den Start gehen und die
ganzen Jungspunde zersägen würde??? Eben, nicht gut. Und
da er schon immer wenig Wert auf Streitereien mit
Funktionären und Verbandsoberen gelegt hat, lässt er es
auch gar nicht darauf ankommen.
Bleibt also noch der fehlende Hawaii-Sieg. Nun, als
King-Dingeling oder Gott der Ausdauerfreaks hat er diesen
Traum natürlich noch nicht aufgegeben, sondern nur ein
paar Wochen hinten angestellt. Ein wenig Energie tanken
und schon kann es wieder los gehen. Daher hat der gute
Jupp, bevor er die in seinen Augen unnötige Reise zur
Quali nach Kanada Ende August antritt, zuvor bei seiner
wohltätigen Firma mit den vier großen Buchstaben ein paar
Tage Urlaub eingereicht. Der Zeitpunkt ist günstig.
Unlängst hat er den hier herumturnenden Affen auf der
Kurzdistanz bei dem lokalen Flüsse-Cup gezeigt, wo der
Hammer des rheinländischen Donnergottes hängt. Auch dieser
junge Überflieger aus dem Schwabenland, dieser, na, wie
war doch gleich sein Name??? Ja, dieser Greinle hatte
keine Chance gegen ihn. Nachdem dieser ihn auf Jupps
erster Radrunde überrundet hatte, hat sich unser Hero aber
auch so was von an seinem Hinterrad festgebissen. Da blieb
kein Auge trocken. Im Ziel war der gute Greinle dann
schweißgebadet, kein Wunder, wenn einem der Wahrhaftige im
Nacken sitzt.
Aufgrund dieser friedlich stimmenden Erfahrung und der
Eingangs träge in der heißen Sommersonne dösenden
Mitbewohner, hat auch Jupp beschlossen, es mal für ein
paar Tage ruhiger angehen zu lassen. Trainiert hat er
schließlich genug.
„Besser als besser geht beim besten Willen nicht“, denkt
unser Hero und grinst überheblich. Er läuft im Flur an
seinem Spiegel vorbei und bleibt wie erstarrt stehen.
„Was ist denn das, verdammt?“ schießt es Jupp durch den
Kopf. Akribisch prüft er Zentimeter für Zentimeter des
Bildes, das ihm da gegenübersteht. Jupp hat das Gefühl,
dass ein Gespenst ihn anschaut.
„Mein Gott, wie sehe ich denn aus? Ich bin ja total
abgemagert. Mich kann man ja fast unter der geschlossenen
Tür durchschieben. Zum Glück sieht mich meine Mutter so
nicht. Ich muss sofort das Training einstellen und den
Urlaub vorziehen. Und….auf jeden Fall meine Biervorräte
auffüllen.“
Im
Hintergrund hält sich eine seiner Katzen auf und schaut
ihn verständnisvoll an. Wenn Homo sapiens die Gedanken
dieses Wesens verstehen könnte, würde ihm offenbar werden,
dass sie an einen längst verstorbenen Mitbewohner beim
Anblick vom Spiegelbild ihres Herrchens erinnert wird. Der
hat auch immer ein total schmales und eingefallenes
Gesicht gemacht und einen Stockwerk tiefer hing eine
riesige Wampe. Jupp nimmt seine Katze war, dreht sich zu
ihr um und will sie hochnehmen, was sie zu einer spontanen
Flucht veranlasst.
„Da sieht man es mal. Nicht mal meine Pepples erkennt mich
mehr.“ Jupp nimmt die Autoschlüssel, schnappt den leeren
Bierkasten und fährt schnurstracks zum Getränkemarkt
seines Vertrauens, der seine Lieblings-Weißbiersorte quasi
auf Kommission führt.
Nachdem er dort wieder wegfährt, liegt sein Kombi
verdächtig tief auf der Straße. Genauer gesagt, kurz vor
einem Achsenbruch. Aber das schockt den guten Jupp nicht.
Mit der Fuhre flugs nach Hause, den Kühlschrank mit dem
regenerationsfördernden Gerstensaft aufgefüllt und mit der
letzten noch vorhandenen Flasche auf der Terrasse auf der
Liege drapiert, die verdächtig durchhängt.
„Das Leben kann so schön sein“, denkt Jupp und spürt die
Sonnenstrahlen auf seiner Haut kitzeln. „Zeit für Sport
ist morgen auch noch, oder übermorgen…“
Jupp öffnet die Flasche, füllt gekonnt das bereitstehende
Glas und prostet seinen Mädels zu. „Oder auch erst in
einer Woche, jetzt ist erst mal Urlaub angesagt.“ |