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Weihnachten ist geschafft. Ohne größeren Substanzverlust.
Gut, der Rettungsring um Jupps Hüften ist noch ein wenig
angewachsen. Aber mit der Masse kann man ja schließlich
arbeiten. Was nützt es einem, jetzt schon sein superduper
Wettkampfgewicht zu erreichen, wenn man dann dauernd auf
der Schnauze liegt. So viel zumindest zur allgemein
beachteten Theorie.
Jupp hat ein ganz anderes Problem. Er starrt auf seinen
23“ Hightech-Hyperdrive-Flatscreen an seinem
superschnellen neuen Powerrechner, den er sich zu
Weihnachten gegönnt hat. 859 GB Festplatte kombiniert mit
128 MB Arbeitsspeicher…da geht was. Da kann man Spielfilme
und Musiktitel quasi in Echtzeit herunterladen.
Aber auch das interessiert den Schrecken aller
Langstrecken derzeit herzlich wenig. Er durchforstet im
Netz sämtliche ihm bekannten Wetterdienste – und was er da
Lesen muss, schmeckt ihm gar nicht. Es soll Eisregen
geben, noch dazu an Sylvester. Wo er doch mit einem
kurzen, aber intensiven Laufwettkämpfchen – als mehr kann
man solch eine Pupsi-Zehner ja wirklich nicht bezeichnen –
das nur teilweise gelungene Jahr 2008 abschließen wollte.
Aber wenn es Eisregen gibt??? Der Gedanke daran lässt Jupp
schon fast erstarren. Und die nächsten Worte sind nicht
dazu angetan, seine Stimmung weiter aufzuhellen. Die
Großwetterlage soll sich umstellen und ein dauerhaftes,
für klirrende Kälte sorgendes Hochdruckgebiet soll sich
über Deutschland festbeißen. Wie soll der gemeine
Triathlet da nur sein Training absolvieren??? Na ja,
warten wir mal ab. Der moderne Wetterdienst hat noch immer
viel mit den Weissagungen der alten Schamanen der
amerikanischen Ureinwohner gemein.
Am Sylvester-Morgen deuten Wolken an, dass sich Unheil
zusammenbraut. Und tatsächlich, Jupp will sich gerade in
den Sattel schwingen, um sich für das Läufchen schon ein
wenig vorzuwärmen, als er ein dezentes Tropfen auf dem
Dachfenster hört. Erst leise, dann immer eindringlicher.
Das ist kein Regen, das ist gefrorenes Wasser, welches da
vom Himmel fällt. Resigniert schält sich Jupp wieder aus
seiner Radkluft, macht sich eine heiße Schokolade mit
ordentlich Sahne und zieht sich auf sein Sofa zurück.
Seine leid geplagte Katze muss als Wärmekissen herhalten
und sein Gejammer ertragen:
„Ich wollte ja starten, aber bei den Bedingungen ist es
doch unmöglich, vor die Tür zu gehen. Aber ab morgen wird
alles besser. Schließlich sind es nur noch wenige Monate
bis zum ersten Testwettkampf in der neuen richtigen
Saison. Dann gilt es, sich in Form zu bringen.“ Seine
Katze hat sich auf seiner mittlerweile beträchtlichen
Plautze gemütlich eingerollt und stimmt ihm schnurrend zu.
Aber wie so oft, kommt es anders als man denkt. Drei
weitere Tage verstreichen, bis sich Jupp wieder vor die
Tür traut. Und nicht etwa zum Training, sondern er muss
wieder arbeiten. Urlaubszeit rum. OK, kein Problem. Wenn
der Wetterbericht jetzt nicht auch noch ein Schneegebiet
gemeldet hätte. Und tatsächlich haben sie schon wieder
Recht. Es schneit was vom Himmel kann. Jupp denkt
ernsthaft darüber nach, seinen Trainingsstart erneut zu
verschieben. Was soll der kranke Ehrgeiz. Bringt doch
alles nichts. Schließlich liegt in der Ruhe die Kraft.
Jupp streicht grinsend über seine Wampe. „Da hast du aber
nochmals Glück gehabt“, sagt er leise zu sich selbst,
„dann sage ich dir eben erst nächste Woche den Kampf an.“
Von seinem Ironman-Finish träumend, schwebt unser Hero bei
der Vorstandsekretärin, dem alten Drachen, vorbei. Welch
ein Glück – sie ist gerade nicht am Platz. Jupp greift auf
dem sich auf ihrem Schreibtisch befindenden Teller einen
Lebkuchen und verschwindet laut schmatzend in seinem Büro.
Wie war das doch: ein echter Ironman zeichnet sich durch
viel Substanz aus.
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