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Jupp der Eirenmän - Hero von nebenan

 

Kleine Ursache, große Wirkung!
Juni 2008 - by Oliver Keck

Jupp hat sich ein seinem Umfeld gut eingelebt – zu gut wie sich an diesem frühen Morgen im Mai des Jahres 2008 herausstellen sollte. Es verspricht ein schöner Frühlingstag zu werden, aber um diese gottlose Uhrzeit ist es noch empfindlich kühl. Der Blick auf die Uhr entlarvt Jupp als ein hemmungsloses Weichei, ist es doch bereits 06.30 Uhr. Eine Uhrzeit, bei der wahre „Eironmänner“ bereits schlappe 15 km im 7:38er Schnitt hinter sich gebracht haben und noch auf weitere 15 unter die strapazierten Laufschuhe auf dem Weg ins Büro nehmen wollen.

Jupp kann sich mit diesem Gedöns, wie er immer zu sagen pflegt, nicht anfreunden. Vergeudete Zeit und überhaupt – dieses ewige lang und langsam. Macht man das etwa auch im Wettkampf. Nun – auch hier würde der Schreiber dieser Zeilen die Beantwortung der Frage besser niemand anderem als Jupp überlassen, aber das ginge ja auch wieder am Thema vorbei.

Jedenfalls nimmt Jupp freudestrahlend einen kräftigen Schritt Anlauf und springt in den Kemii Babylione – Sattel seines FullCarbonHyperEnd-MTB, das ihn zuverlässig in die Firma tragen soll. Durch den übertrieben Schwung seines rechten Beines, der ihn beinahe wieder vom Rad befördert, spürt Jupp ein kleines, eigentlich kaum wahrnehmbares „Klicken“ in seiner linken Kniekehle.

Jupp ist überzeugt, dass jeder Normalbürger dies nicht mitbekommen hätte. Hier ist schon wieder ein Wort, das bei Jupp überhaupt nicht funktioniert – Normalbürger. Jupp steht über dem normalen Volk, er ist Triathlet. Und als ob dies noch nicht genug wäre, er ist der König dieser Spezies, der Primus unter Pares: Er ist ein wahrer Eironmän und als solcher registriert er natürlich sehr wohl diesen Vorgang in seiner Fossa poplitea - vergisst ihn aber noch schneller.

Jupp radelt froh gelaunt zur Arbeit und breitet sich an seinem Schreibtisch aus. Kurz die Mails checken, einen – na ja leicht illegalen – Blick auf die einschlägigen Triathlon-Seiten im weltweiten Netz und los geht es mit dem Tageswerk.
Jupp brütet gerade über einer nicht gerade trivialen Kalkulation, die ihn seine Chefin mit der süffisanten Bemerkung an die Backe gedrückt hat, dass dies genau das Richtige für einen Überflieger wie ihn sei. Jupp in seiner Ehre verletzt, stürzt sich natürlich drauf und merkt plötzlich, dass sein linker Fuß irgendwie keinen Platz mehr im Schuh hat.
Jupp lässt von seiner Aufgabe ab und zieht den Schuh aus und…wird kreidebleich. Das da unten hat nichts mehr mit seinem schlanken Fuß zu tun, den er heute früh noch von der Toilette aus bewundert hat.
Er blickt nur noch auf einen Klumpen, der in den verschiedensten Farben funkelt. Die Zehen sehen aus wie fette, blaue Würmer, die irgendwie nicht an den Klumpen ähh Fuß passen wollen.

Bevor Jupp sich weitere Gedanken machen kann, kippt er nach vorne über. Den dumpfen Schlag, den sein wertvollstes Körperteil – nein, nicht das, was sie jetzt denken – beim Aufschlag auf die Tischplatte abbekommt, spürt unser Held nicht mehr.

Als er wieder die Augen aufschlägt, blinzelt Jupp verträumt. Vor ihm steht ein Engel. Anders kann es nicht sein. So schön, so gleichmäßig die Züge, das kann kein weibliches Wesen auf Erden sein. Aber, das heißt ja…

„Hallo! Hallo, Herr Meier! Geht es wieder?“

Wie durch einen Schleier vernimmt Jupp die quäkende Stimme des Engels. Moment mal, quäkende Stimme – Engel. Da passt was nicht. Jupp schüttelt den brummenden Schädel und wird augenblicklich daran erinnert, so Aktionen besser sein zu lassen. Dafür sieht er nun klarer. Von wegen Engel – es ist seine Chefin und die kommt laut Jupps Auffassung eher aus der anderen Richtung. Jetzt erst bemerkt Jupp einen kleinen, untersetzten Mann in weißem Kittel, der an seinem Schreibtisch sitzend ein Formular ausfüllt.

„Ah, Herr Meier. Schön, sie wieder unter den Lebenden zusehen.“ Sagt er mit einem fiesen Grinsen. „Soweit ich mich noch erinnere, haben Sie mir bei unserer ersten Bekanntschaft erzählt, dass Sie irgendeinen seltsamen Sport ausüben.“ Er wirft ihm erneut einen staunenden Blick zu. „Konnte es erst nicht glauben.“ Jupp überhört dezent die Kritik dieses Halbgottes in Weiß, den er bei seiner Einstellungsuntersuchung kennengelernt hatte. „Wie auch immer, “ fährt der Medizinmann fort, „jetzt ist erst einmal Schluss mit Lustig. Sie haben sich einen Muskelfaserriss in der Wade zugezogen. Was haben Sie denn gemacht?“
„Keine Ahnung, “ entgegnet Jupp, „höchstens, dass ich heute Morgen auf dem Weg zur Arbeit auf mein Rad gesprungen bin.“
„So einen Stumpfsinn sollten Sie in Ihrem Alter auch sein lassen. Jetzt halten Sie erst einmal für die nächsten Wochen die Füße still. No Sports“ Spricht’s und wendet sich zum Gehen.

Jupp glaubt, nicht richtig zu hören. Kein Sport??? Mitten in der Saison??? Hat der sie noch alle. Das werden wir schon sehen. Der hat den Willen eines Eironmänn noch nicht kennengelernt.

 

 

 

 

 

 

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