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Wie im wirklichen Leben geht alles einmal
zu Ende, so auch das eminent wichtige und
hardcore-grundlagen-schaffende Trainingslager von
Iron-Jupp. Was hatten sich unserem Helden nicht alles für
Probleme in den Weg gestellt?
Randalierende Nachwuchs-Doper auf zwei
Rädern, alternde, sich mit ihm duellierende Riesen – gut,
das Duell war recht einseitig und schnell entschieden –
Jupp schüttelt verärgert den Kopf und will da nicht länger
drüber nachdenken. Dann kamen noch diverse Probleme mit
seinem Darmbereich hinzu. Denkt Jupp hierbei allerdings an
das Geschehene zurück, kann er sich ein Grinsen nicht
verkneifen. Die armen Pinienwälder, denkt er sich.
Jetzt hat er 14 Tage auf der Deutschen
liebsten Urlaubsinsel hinter sich und sage und schreibe
395 km abgerissen. Nun, Spötter mögen sich zurückhalten.
Das waren Jupps Laufkilometer. Auf dem Rad können getrost
2222 km auf den Tachostand 2008 hinzuaddiert werden. Nur
das Schwimmen hat er ein wenig vernachlässigt. Das
verwundert aber auch nicht wirklich, erinnert man sich an
seine traumatische Erinnerungen gleich am ersten Morgen
auf der Insel.
Jupp fühlt sich nun ein wenig schwach, aber
mit sich selbst und der Welt im Reinen. Seine akribisch
ausgearbeitete Diät hat ebenfalls bravourös angeschlagen.
Er kann zwar jetzt bis zur Rente kein Knäckebrot mehr
sehen, allerdings wiegt er jetzt nur noch drahtige 63,875
kg. Er könnte jetzt auch in irgendeiner Gewichtsklasse
beim Boxen antreten. Allerdings fühlt er sich ja ein wenig
schwach.
Jupp hat den Gedanken gerade so zu Ende
gebracht, als er beim über seinen Koffer beugen das
Gleichgewicht verliert und vornüber fällt. Er bekommt den
Aufprall nicht wirklich mit, denn er ist im Fallen
eingeschlafen. Erst heftiges Klopfen an der Zimmertür
weckt ihn wieder auf.
„Herr Meier, wo bleiben Sie denn. Der Transfer geht in
einer halben Stunde. Ist alles in Ordnung bei Ihnen.“
Jupp schüttelt verwundert den Kopf und starrt fassungslos
auf den HighTech-Computer an seinem Handgelenkt.
Tatsächlich – der Insulaner hat Recht.
„Null Problemo, alles bestens. Ich bin gleich in der
Lobby.“
Jetzt heißt es aber wieder einmal die Ärmel
an den dünnen Ärmchen hochkrempeln. In Windeseile stopft
Jupp sein ganzes Gerümpel in den riesigen Flugkoffer.
Mist, ich muss ja auch noch mein Rad vom Lagerplatz holen.
Jupp knallt den Koffer zu und stürzt mit ihm aus dem
Zimmer. Leider verkantet sich das Ungetüm in der
Türöffnung und Jupp fällt erneut auf die Schnauze.
Fluchend rappelt er sich hoch, drückt dem Boy seinen
Koffer in die bereitgehaltene Hand und stürmt aus dem
Hotel, um seinen Nobelhobel abzuholen, den er gestern
glücklicherweise nach seiner 250 km langen
Insel-Sight-Seeing-Tour schon selbstgefällig verpackt hat.
Da steht ja das gute Stück. Flugs zur Lobby rübergerollt
und dann kann der Bus zum Flughafen kommen. Wenn sich nur
in diesem Moment diese verflixten Rollen an seinem Koffer
nicht selbständig gemacht hätten. Ein unsichtbarer Riese
scheint Jupp den Koffer aus den Händen zu reißen. Jupp
hechtet wie einst Bobbele seinem Prunkstück hinterher
und…verfehlt es im letzten Moment. Hilflos muss er mit
ansehen, wie der Nobelhobel die Rampe hinunter auf die
Straße rollert. Und wie das Leben halt so spielt: auf der
Hauptstraße durch Can-ich-nicht-aussprechen fährt am Tag
genau ein sechzehn Tonner, immer zur selben Uhrzeit. Und
was muss Jupp mit weit aufgerissenen Augen feststellen:
just dieser Zeitpunkt ist soeben eingetreten.
Jupp weiß sofort, dass ihn diese Bilder
sein Leben lang begleiten werden. Der Aufprall des
überdimensionalen, mit Stierfängern versehenen
Kühlergrills auf den Koffer mit seinem Schätzchen. Wo eben
noch ein rollender Gegenstand war ist nun eine leere
Straße. Sein Baby war verschwunden. Jupps Mund öffnete
sich zu einem stummen Schrei und schloss sich wieder.
Dieser Vorgang wiederholte sich gut und gerne drei- bis
fünfmal, so dass der geneigte Betrachter an einen Karpfen
auf dem Trockenen erinnert wurde.
Im nächsten Moment hörte man quietschende
Bremsen und Jupp konnte sogar am oberen Ende der Rampe das
verbrannte Gummi der Bremsen riechen. Er hörte sogar, wie
der Fahrer aus seinem Führerhaus stieg und wilde,
spanische Flüche ausstieß. Jupp löste seine Starre und
rannte auf die Straße zum direkt vorm Haupteingang des
Hotels stehenden LKW. Gemeinsam mit dem Fahrer besah er
sich das Unglück.
Da kam auch schon sein überdimensionaler
Berggegner von letzter Woche aus der Hotellobby gestürzt,
der ihm letzte Woche diese empfindliche Niederlage am Berg
beigebracht hat (heimlich schüttelt Jupp wieder mit dem
Kopf). Fies grinsend starrt der Riese zunächst auf die auf
der Straße verteilten Bruchstücke, dann zu Jupp.
„Tja, mein Alter. Das Teil musste nicht mehr einchecken.
Soviel ist klar. Aber weißt Du was: Wenn wir wieder
zuhause sind, ruf mich doch einfach an. Ich kläre das für
Dich mit Deiner Versicherung und sorge dafür, dass Du ein
Rad bekommst, dass Deinen Fähigkeiten entspricht.“ Der
Riese zückt seine Karte, drückt sie Jupp in die Hand und
geht schallend lachend zu seinen Kumpels.
Um Jupp beginnt sich alles zu drehen. Er
hat seinen Körper nach dem Motto „Viel hilft viel“ in den
letzten beiden Wochen genug gestresst. Dass hier war der
berühmte Tropfen. Ihm knicken erneut die Beine weg.
Jupp kommt erst wieder zu sich, als eine
freundliche Dame am Check-Inn nach seinem Ticket fragt.
Automatisch sucht er es in seiner Tasche und spürt erst
jetzt, die stützenden Hände unter seinen Achseln. Er dreht
sich um und blickt auf einen von einem T-Shirt mühsam
gebändigten Muskelberg.
„Wer auch sonst“, denkt sich Jupp und gibt der Dame das
Ticket. Später auf dem Rückflug, den er gnädigerweise in
der gleichen Sitzreihe wie sein neuer, zu groß geratener
Freund absolvieren darf, erfährt er unter weiterhin
grölendem Gelächter, dass die Hoteliers die Schnauze wohl
gestrichen voll von ihm hatten und seiner Gruppe insgesamt
einen Fünfhundert-Euro-Schein erlassen haben, wenn sie ihn
nur einfach in den Bus schleppen würden. Das konnte er
sich schließlich nicht entgehen lassen.
Jupp hob nur resigniert die Schultern. Er
hatte die Schnauze voll. Wie sollte er jetzt seinen
Gegnern nur um die Ohren fahren, ohne sein Schätzchen???
Um die Ohren fahren war genau das richtige Stichwort.
Jupps hagere Gestalt straffte sich. Wäre doch gelacht,
wenn ihm nicht bald eine Lösung einfallen würde… (The
End).
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