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Jupp der Eirenmän - Hero von nebenan

 

Teutoneninsel nimm dich in Acht! (Teil 3)
März 2008 - by Oliver Keck

Wie im wirklichen Leben geht alles einmal zu Ende, so auch das eminent wichtige und hardcore-grundlagen-schaffende Trainingslager von Iron-Jupp. Was hatten sich unserem Helden nicht alles für Probleme in den Weg gestellt?

Randalierende Nachwuchs-Doper auf zwei Rädern, alternde, sich mit ihm duellierende Riesen – gut, das Duell war recht einseitig und schnell entschieden – Jupp schüttelt verärgert den Kopf und will da nicht länger drüber nachdenken. Dann kamen noch diverse Probleme mit seinem Darmbereich hinzu. Denkt Jupp hierbei allerdings an das Geschehene zurück, kann er sich ein Grinsen nicht verkneifen. Die armen Pinienwälder, denkt er sich.

Jetzt hat er 14 Tage auf der Deutschen liebsten Urlaubsinsel hinter sich und sage und schreibe 395 km abgerissen. Nun, Spötter mögen sich zurückhalten. Das waren Jupps Laufkilometer. Auf dem Rad können getrost 2222 km auf den Tachostand 2008 hinzuaddiert werden. Nur das Schwimmen hat er ein wenig vernachlässigt. Das verwundert aber auch nicht wirklich, erinnert man sich an seine traumatische Erinnerungen gleich am ersten Morgen auf der Insel.

Jupp fühlt sich nun ein wenig schwach, aber mit sich selbst und der Welt im Reinen. Seine akribisch ausgearbeitete Diät hat ebenfalls bravourös angeschlagen. Er kann zwar jetzt bis zur Rente kein Knäckebrot mehr sehen, allerdings wiegt er jetzt nur noch drahtige 63,875 kg. Er könnte jetzt auch in irgendeiner Gewichtsklasse beim Boxen antreten. Allerdings fühlt er sich ja ein wenig schwach.

Jupp hat den Gedanken gerade so zu Ende gebracht, als er beim über seinen Koffer beugen das Gleichgewicht verliert und vornüber fällt. Er bekommt den Aufprall nicht wirklich mit, denn er ist im Fallen eingeschlafen. Erst heftiges Klopfen an der Zimmertür weckt ihn wieder auf.
„Herr Meier, wo bleiben Sie denn. Der Transfer geht in einer halben Stunde. Ist alles in Ordnung bei Ihnen.“
Jupp schüttelt verwundert den Kopf und starrt fassungslos auf den HighTech-Computer an seinem Handgelenkt. Tatsächlich – der Insulaner hat Recht.
„Null Problemo, alles bestens. Ich bin gleich in der Lobby.“

Jetzt heißt es aber wieder einmal die Ärmel an den dünnen Ärmchen hochkrempeln. In Windeseile stopft Jupp sein ganzes Gerümpel in den riesigen Flugkoffer. Mist, ich muss ja auch noch mein Rad vom Lagerplatz holen. Jupp knallt den Koffer zu und stürzt mit ihm aus dem Zimmer. Leider verkantet sich das Ungetüm in der Türöffnung und Jupp fällt erneut auf die Schnauze. Fluchend rappelt er sich hoch, drückt dem Boy seinen Koffer in die bereitgehaltene Hand und stürmt aus dem Hotel, um seinen Nobelhobel abzuholen, den er gestern glücklicherweise nach seiner 250 km langen Insel-Sight-Seeing-Tour schon selbstgefällig verpackt hat.
Da steht ja das gute Stück. Flugs zur Lobby rübergerollt und dann kann der Bus zum Flughafen kommen. Wenn sich nur in diesem Moment diese verflixten Rollen an seinem Koffer nicht selbständig gemacht hätten. Ein unsichtbarer Riese scheint Jupp den Koffer aus den Händen zu reißen. Jupp hechtet wie einst Bobbele seinem Prunkstück hinterher und…verfehlt es im letzten Moment. Hilflos muss er mit ansehen, wie der Nobelhobel die Rampe hinunter auf die Straße rollert. Und wie das Leben halt so spielt: auf der Hauptstraße durch Can-ich-nicht-aussprechen fährt am Tag genau ein sechzehn Tonner, immer zur selben Uhrzeit. Und was muss Jupp mit weit aufgerissenen Augen feststellen: just dieser Zeitpunkt ist soeben eingetreten.

Jupp weiß sofort, dass ihn diese Bilder sein Leben lang begleiten werden. Der Aufprall des überdimensionalen, mit Stierfängern versehenen Kühlergrills auf den Koffer mit seinem Schätzchen. Wo eben noch ein rollender Gegenstand war ist nun eine leere Straße. Sein Baby war verschwunden. Jupps Mund öffnete sich zu einem stummen Schrei und schloss sich wieder. Dieser Vorgang wiederholte sich gut und gerne drei- bis fünfmal, so dass der geneigte Betrachter an einen Karpfen auf dem Trockenen erinnert wurde.

Im nächsten Moment hörte man quietschende Bremsen und Jupp konnte sogar am oberen Ende der Rampe das verbrannte Gummi der Bremsen riechen. Er hörte sogar, wie der Fahrer aus seinem Führerhaus stieg und wilde, spanische Flüche ausstieß. Jupp löste seine Starre und rannte auf die Straße zum direkt vorm Haupteingang des Hotels stehenden LKW. Gemeinsam mit dem Fahrer besah er sich das Unglück.

Da kam auch schon sein überdimensionaler Berggegner von letzter Woche aus der Hotellobby gestürzt, der ihm letzte Woche diese empfindliche Niederlage am Berg beigebracht hat (heimlich schüttelt Jupp wieder mit dem Kopf). Fies grinsend starrt der Riese zunächst auf die auf der Straße verteilten Bruchstücke, dann zu Jupp.
„Tja, mein Alter. Das Teil musste nicht mehr einchecken. Soviel ist klar. Aber weißt Du was: Wenn wir wieder zuhause sind, ruf mich doch einfach an. Ich kläre das für Dich mit Deiner Versicherung und sorge dafür, dass Du ein Rad bekommst, dass Deinen Fähigkeiten entspricht.“ Der Riese zückt seine Karte, drückt sie Jupp in die Hand und geht schallend lachend zu seinen Kumpels.

Um Jupp beginnt sich alles zu drehen. Er hat seinen Körper nach dem Motto „Viel hilft viel“ in den letzten beiden Wochen genug gestresst. Dass hier war der berühmte Tropfen. Ihm knicken erneut die Beine weg.

Jupp kommt erst wieder zu sich, als eine freundliche Dame am Check-Inn nach seinem Ticket fragt. Automatisch sucht er es in seiner Tasche und spürt erst jetzt, die stützenden Hände unter seinen Achseln. Er dreht sich um und blickt auf einen von einem T-Shirt mühsam gebändigten Muskelberg.
„Wer auch sonst“, denkt sich Jupp und gibt der Dame das Ticket. Später auf dem Rückflug, den er gnädigerweise in der gleichen Sitzreihe wie sein neuer, zu groß geratener Freund absolvieren darf, erfährt er unter weiterhin grölendem Gelächter, dass die Hoteliers die Schnauze wohl gestrichen voll von ihm hatten und seiner Gruppe insgesamt einen Fünfhundert-Euro-Schein erlassen haben, wenn sie ihn nur einfach in den Bus schleppen würden. Das konnte er sich schließlich nicht entgehen lassen.

Jupp hob nur resigniert die Schultern. Er hatte die Schnauze voll. Wie sollte er jetzt seinen Gegnern nur um die Ohren fahren, ohne sein Schätzchen??? Um die Ohren fahren war genau das richtige Stichwort. Jupps hagere Gestalt straffte sich. Wäre doch gelacht, wenn ihm nicht bald eine Lösung einfallen würde… (The End).

 

 

 

 

 

 

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