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Jupp der Eirenmän - Hero von nebenan

 

Teutoneninsel nimm dich in Acht!
März 2008 - by Oliver Keck

03.30 Uhr. Nein, ich habe mich nicht verschrieben. Es ist Samstagmorgen im März und es ist auch nicht der Lenz gekommen, wie in einer alten Volksweise besungen wird. Sondern der gute Jupp. Und zwar in Frankfurt, genauer am Flughafen ist er angekommen. Gut der Flieger nach Malle hebt zwar erst in fünf Stunden ab, aber dank diesem Osama-Penner weiß man ja nie. Da kann man nie vorsichtig genug sein.

Jupp zieht seinen riesigen Bike-Koffer – an dessen Seite der für normale Menschen peinliche – Aufkleber „Papas Liebling“ prangt, ächzend hinter sich her. Ein hoffnungslos übermüdeter Flughafenmitarbeiter, der mit seiner Kehrmaschine die Überbleibsel des Reiseverkehrs vom Freitagabend zu beseitigen versucht, nähert sich dem guten Stück auf einen knappen halben Meter. Zu viel für Jupps Geschmack. Eiligst faltet er den Arbeiter zusammen, der ihm nur ein dämliches Grinsen schenkt und schreitet würdevoll zum Check-Inn. Noch keiner da, er ist also der erste in der Schlange, die sich sicherlich bald bilden wird. Die Minuten verrinnen, die Stunden jedoch nicht. Gerade als es Jupp heftig die Augen zuzieht und er gefährlich zu schwanken beginnt – worauf die mittlerweile zigfach postierten Poser hinter ihm nur warten, um sich an ihm vorbei zu drängen – erscheint ein himmlisches Wesen jenseits des Tresens und fragt ihn verbindlich lächelnd nach seinem Ticket. Jupp reicht es rüber und will gerade von seinen schon jetzt gestählten Waden schwärmen, als sein gegenüber mit einer schneidenden, gar nicht ins Bild passenden Stimme abwimmelt:
„Der Koffer ist übergroß. Das macht € 50. —extra.“
„Was, das ist ja Wucher.“ Sie ignoriert seinen Einwand und blickt über ihn hinweg zur Nr. 2 in der Masse der reisewilligen Teutonen. „Ja, schon gut“, jammert Jupp kleinlaut und schiebt den Schein über den Tresen. Maulend begibt er sich zum Gate, wo dann endlich nach zwei weiteren Stunden der Flieger abhebt.

Jupp hat es sich gerade bequem gemacht – den Thrombosestrümpfen sei dank – als sie schon wieder auf der Insel aufsetzen. Und siehe da – all dass, was er in der Heimat vermisst hat. Wärme, Sonne…und ein paar Deppen, die meinen, sie wären besser drauf als er. Na, die werden ihr blaues Wunder erleben. Jupp hat seinen Selfmade-Hyper-Success-Trainingsplan, nach dem er in den nächsten 14 Tagen leben wird.
Im Hotel angekommen, schraubt er seine Kannichdenn-Maschine zusammen und ab geht die Post. 80 km zum einrollen – im 35er ähhh 25er Schnitt. In der Ruhe liegt die Kraft. Nach einem spartanischen Abendessen begibt sich Jupp gleich in sein aufs notwendige begrenzt eingerichtetes Einzelzimmer – böse Zungen behaupte, eine Abstellkammer des Hotels – in Wahrheit die Heimat eines wahren Gladiatoren.

Am nächsten Morgen klingelt um 05.00 Uhr der Wecker. Jupp braucht ein paar Minuten, bevor er kapiert, was los ist. Er schlüpft in seinen hydroaktiven Einteiler – manche Menschen haben eben überhaupt keine Scham – und quält sich die Stufen hinab ins hoteleigene Schwimmbad um festzustellen, dass es erst gegen acht Uhr öffnet. Sauber. Aber das kann einen Ironman nicht aufhalten. Mutigen Schrittes schwebt Jupp über den Strand, nimmt kurz Anlauf und stürzt sich ins Meer. Ungefähr doppelt so schnell hat Jupp das Wasser wieder verlassen. Schnell schaut er sich um, nee, es hat ihn keiner gesehen. Jupp beschließt, morgen Laufen zu gehen.
Gestärkt von 2 Scheiben Knäckebrot, schnappt er sich seinen Bock und macht sich auf die Reise. Nach dem Einrollen gestern wollen wir heute mal Tacheles reden. Mit kräftigen Pedaltritten nähert sich Iron-Jupp dem Aufstieg zum Puig Major. Er hängt gerade seinen Gedanken nach, ob er den Anstieg nun mit 53/12 oder gleich mit 53/11 in Angriff nehmen soll, als er ein lautes Sirren vernimmt. Gerade als er sich umblicken will, schnurrt ein U23 Team mit wild hupendem Begleitfahrzeug an ihm vorbei. Vor Schreck fährt Jupp beinahe dich Böchung hinunter. Die schamlosen Lästereien des jungen Pöbels lassen die Ader an Jupps Stirn gefährlich anschwellen.

So nicht, meine Herren, denkt sich Jupp und macht sich auf die Verfolgung. Nach 2 km mit fast 50 Sachen auf dem Tacho und tiefster Aero-Haltung hat er es tatsächlich gepackt. Er klemmt am Ende der weiterhin in schöner Formation fahrenden Nachwuchs-Epo-Konsumenten.

Die beiden in letzter Reihe fahrenden Fahrer blicken irritiert nach hinten, setzen sie das heftige Schnaufen von Jupp mit dem Ankommen einer Dampfwalze gleich. Der Blick in ein kreideweißes Gesicht und den an einen Maikäfer erinnernden Jupp entlockt ihnen ein weiteres spöttisches Grinsen.

„Na Alterchen, bist du sicher, dass du dir nicht ein wenig zu viel vornimmst?“
„Warts nur ab, Jüngelchen, dich lasse ich noch vor der Bergwertung hinter mir.“ Jupp presst die Worte mühsam hervor.
„Gut Alter, dann mal los“ Der Junge hebt seinen dünnen Hintern aus dem Sattel und tritt an. Nach wenigen Sekunden kann Jupp durch seine stahlblau getönten Burkly-Gläser nicht einmal mehr den Schriftzug des Teamsponsors auf dem Rücken seines neuen Intimfeindes entdecken. Knurrend wie ein in die Enge getriebenes Tier wuchtet sich Jupp aus dem Sattel und versucht dem Kameraden hinterher zu stiefeln. Das Gelächter der anderen Fahrer ignoriert Jupp. Nach 150 m sackt Jupp in den Sattel zurück und die Geschwindigkeit auf seinem Tacho sinkt rapide von 12 auf 5 km/h. Jupp schwankt bedächtig und schafft es gerade noch so, aus dem Pedal zu kommen. Sonst hätte er sich auch noch auf die Nase gelegt. Wutentbrannt, mit Tränen in den Augen, muss er die grölende Meute ziehen lassen.
Na wartet, denkt er sich grimmig, in ein paar Tagen sehen wir uns wieder. Dann drehe ich den Spieß um. Jupp fährt die gleiche Strecke zurück ins Hotel. 35 km Tagesleistung – ein wenig dürftig.

Jupp zieht die Laufschuhe an, schnallt den Trinkgürtel mit 8 Flaschen mit je einem halben Liter Iso-Getränk um die breite Hüfte und begibt sich in die nahegelegenen Pinienwälder zum Fettstoffwechsellauf. In dem für ihn gehörigen Marathonschnitt von 7:35 min/km läuft er nach Can-ich-nicht-aussprechen, hat dabei keinen Blick für die grandiose Küstenlandschaft und dreht nach 95 min um.
Zurück im Hotel ist Jupp mit sich und der Welt wieder im Reinen. Es kommt ja nicht nur aufs Radfahren an. So ein 18 km Lauf knapp unter der Grenze seines Ironman-Marathon-Tempos hat ja auch was. Jupp duscht und macht ein kurzes Mittagsschläfchen. Dann begibt er sich in den Speisesaal und labt sich erneut an zwei Scheiben Knäckebrot. Bei einem kohlesäurearmen Mineralwasser beschließt Jupp, ab morgen alles besser zu machen und die Schande auszumerzen.

Wir werden sehen…(to be continued)

 

 

 

 

 

 

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