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Jupp der Eirenmän - Hero von nebenan

 

Pilli-Palle im Hallenbad
November 2008 - by Oliver Keck

Jupps Kontaktsuche in seiner mittlerweile schon gewohnten Umgebung geht unaufhörlich weiter. Bereits im vergangenen Sommer – ja, das war die Zeit, als es noch schön warm war und er sich die Baggerweiher mit den ganzen Schwimmgürtelträgern und Quietsche-Entchen-Fanatikern teilen musste – hat er Kontakt zu einer sehr attraktiven Triathletin geknüpft, der er gerne das Schwimmen mal so richtig beigebracht hätte. Bis er gemerkt hat, dass sie es wesentlich besser kann und noch dazu eine lebende Schrankwand mit sich herumschleppt, die sich als ihr Freund vorgestellt hat.

Daraufhin ist sein Interesse merklich geschrumpft und er hat dann alleine die Fische in den mehr oder weniger großen Teichen seiner neuen Heimat unsicher gemacht. Aber irgendwann kam dann der Zeitpunkt, an dem es selbst unserem Super-Eiermän zu kalt im Wasser wurde. Nun, Jupp würde so was natürlich nie zugeben, aber für die Galerie der leider nicht zahlenden Zuschauer war so ein Spruch natürlich notwendig.

Jedenfalls erinnert sich unser Hero an die Einladung des ungleichen Paares, doch mal beim Schwimmtraining im Hallenbad in einer der umliegenden Nachbargemeinden vorbei zu schauen. Lange drüber nachgedacht – man kämpft ja schließlich lieber alleine und spult eisern seine 180 Bahnen nonstop ab. Aber sich die Sache mal anzuschauen und vielleicht doch die ein oder andere hübsche Schwimmerin kennenzulernen, wäre ja auch nicht schlecht. Genau hier liegt nämlich auch das Problem: es ist ein Schwimmverein.

Ein Sammelsurium unverbesserlicher Besserwisser, die denken, sie könnten alles besser als Jupp. Aber so etwas hat ihn ja noch nie von seiner Mission abgehalten, die Welt ein Stück besser zu machen.
Pünktlich erscheint Jupp an einem grauen Dienstagabend im November zum Training im Hallenbad. Das ungleiche Paar ist schon da, umgeben von einer Reihe lustig anzuschauender Menschen mit teilweise unmöglichen Figuren. Für den Ober-Ästheten unter den Multisportlern ist so ein Anblick zumindest mal befremdend, um nicht zu sagen, erschütternd. Das wollen Schwimmer sein? Vor Jupps geistigem Augen erscheinen die gottgleichen Körper eines Michi Felleps oder Baiward – wobei, das ist ein Wackes, den kann er per se nicht leiden. Das sind Männer. Ihr Einzug in den Olymp der griechischen Götter wäre ihnen gewiss gewesen. Aber das da??? Rettungsringe bei den Herren, wo immer Jupp hinschaut. Gut, er hat seinen Six-Pack turnusgemäß auch in ein leicht überdehntes One-Pack gewandelt, aber spätestens in ein paar Monaten werden ihm die jungen Hühner im Waldpark wieder nach pfeifen, wenn er im super figurbetont sitzenden Tria-Equipment seine Laufrunden dreht. Ein leichtes Grinsen überzieht Jupps Gesicht beim Gedanken daran.

„Ach, der Jupp“, hört er seinen Namen aus dem Mund der Triathletin. Klingt sie etwa genervt? „Schön, dass du unserer Einladung auch mal gefolgt bist. Wir machen noch ein paar Minuten Gymnastik, dann geht es ab ins Wasser. Der Plan klebt da am Beckenrand.“

So, so, die haben also einen Plan, denkt Jupp und sagt: „Jau, ich habe gedacht, ich mische euch mal ein bisschen auf und schau mal, ob ich hier überhaupt ein wenig gefordert werde. Wenn ich mich hier so umschaue, kann ich mir das zwar nicht so wirklich vorstellen, aber wenigstens können die Meisten von mir etwas lernen. Und Gymnastik ist nur was für Frauenversteher.“ Jupp lässt die verdutzten Mitschwimmer am Beckenrand stehen, um mit einer eleganten Arschbombe ins Wasser zu fallen. Als er laut prustend wieder an die Wasseroberfläche gelangt, rückt er seine Taucherbrille zurecht und legt mit wild rudernden Armschlägen los. Der geneigte Betrachter außerhalb des Bassins nimmt auf einmal Kuchenduft war und schüttelt verwundert den Kopf. Jetzt fällt es ihnen wie Schuppen aus den Haaren: die Vorführung im Pool erinnert sie stark an das Teigrühren einer Küchenmaschine unter Volllast.

Instinktiv hat sich Jupp auf der schnellen Bahn eingeordnet und pflügt die 500 m Warmmach-Programm durchs Wasser. Auf seiner letzten Bahn hat ihn immer noch niemand überholt. Schon ein wenig seltsam, das Alles. Das soll die schnelle Bahn sein? Vielleicht braucht er eine Extra-Bahn. Als er am Beckenrand anhält und sich umdreht, ist eine Schlange von mindestens acht Mitschwimmern zu erkennen, die alle mit hochrotem Kopf nach und nach neben ihm anhalten.
Na also, denkt unser Hero, habe ich sie doch mal so richtig gefordert…“Die Regeln, wie man mit mehreren Leuten auf einer Bahn schwimmt, sind dir doch wohl bekannt?“ fragt ihn dieser Mutant, der ihm die Triathletin streitig gemacht hat. So sieht es jedenfalls Jupp.
„Klar, kenne ich die. Ich bin voll informiert, ihr werdet mich gar nicht bemerken. Ich glaube, ich schwimme erst mal hinter euch her und mache quasi Druck von hinten.“ Jupp lacht lauthals los und wundert sich, dass niemand einstimmt. Er zuckt mit den Schultern und schaut auf den Plan. Was soll das denn sein??? Verständnislos schüttelt Jupp den Kopf. Die längste Strecke geht über 100 m, sonst nur die Hälfte. Und was bedeuten die Buchstaben D / R /B / F??? Er kratzt sich verständnislos den Kopf und ahnt, dass er hier als König der Langstrecke nicht glücklich werden wird. Aber gut, jetzt ist er mal hier, da kann er auch mal mitmachen.

Das Programm geht los und schnell wird Jupp klar, was die Buchstaben bedeuten. Das heißt aber noch lange nicht, dass er sie auch umsetzen kann. Gut, er hat das schon Fernsehen gesehen, aber selber machen… No way. Stur und majestätisch zugleich bleibt er bei seinem Kraulschlag und lässt gebührend Abstand, damit er nicht dauern die Latschen seines Vordermannes in der Fresse hat.
So, der erste Programmpunkt ist abgearbeitet. Was steht jetzt an. Was??? 20x50 m Freistil – dafür also das F. Die Triathletin erklärt, dass alle 50 sec losgeschwommen wird. Uaah, wie langweilig. Das ist ja ein richtiges Pille-Palle-Training. Wäre er doch besser in seiner Heimatstadt in den öffentlichen Badebetrieb, da hätte er wenigstens ein wenig Treibholz mit Blümchen-Badekappe versenken können.

Und los geht’s. Locker paddelt Jupp den anderen hinterher. Nach der dritten Wiederholung überlegt er, die vor ihm Schwimmende zu überholen. Nach der fünften Wiederholung fällt ihm auf, dass die Triathletin und zwei weitere ihn schon entgegenkommen, als er noch mindestens 15 m zu schwimmen hat. Was ist denn nun los??? Selbst die lahme Kröte vor ihm ist schon weg, als er endlich anschlägt. Nach weiteren drei Durchgängen beschließt Jupp, seinen gnadenlosen und berüchtigten Eiermän-Ehrgeiz zu wecken…er schwimmt einfach durch. So kommt er doch noch zu seinem Dauerschwimmen, aber in einem Speed, den er wirklich nicht gewohnt ist. So etwas kann doch nicht gesund sein. Verdammte Schwimmer. Aber es ist letzten Endes die Triathletin, die ihn nach ungefähr fünfzehn Wiederholungen überrundet. Aber Jupp gibt nicht auf und schwimmt diesen Programmpunkt zu Ende. Als er laut hechelnd schließlich den Beckenrand erreicht, dröhnt ihm die Stimme der Schrankwand entgegen.

„Na, Alterchen…ist wohl was anderes als dein ewiges Hin- und Her-Gepaddel. Wenn du da mit uns am Ball bleibst, wirst du noch richtig schnell werden.“

Jupp holt nochmals tief Luft und röchelt schwach: „Das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Das zerstört jegliche triathletische Form.“ Sprach’s, krabbelte aus dem Becken und ward nie mehr gesehen.

 

 

 

 

 

 

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