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Jupps Kontaktsuche in seiner mittlerweile schon gewohnten
Umgebung geht unaufhörlich weiter. Bereits im vergangenen
Sommer – ja, das war die Zeit, als es noch schön warm war
und er sich die Baggerweiher mit den ganzen
Schwimmgürtelträgern und Quietsche-Entchen-Fanatikern
teilen musste – hat er Kontakt zu einer sehr attraktiven
Triathletin geknüpft, der er gerne das Schwimmen mal so
richtig beigebracht hätte. Bis er gemerkt hat, dass sie es
wesentlich besser kann und noch dazu eine lebende
Schrankwand mit sich herumschleppt, die sich als ihr
Freund vorgestellt hat.
Daraufhin ist sein Interesse merklich geschrumpft und er
hat dann alleine die Fische in den mehr oder weniger
großen Teichen seiner neuen Heimat unsicher gemacht. Aber
irgendwann kam dann der Zeitpunkt, an dem es selbst
unserem Super-Eiermän zu kalt im Wasser wurde. Nun, Jupp
würde so was natürlich nie zugeben, aber für die Galerie
der leider nicht zahlenden Zuschauer war so ein Spruch
natürlich notwendig.
Jedenfalls erinnert sich unser Hero an die Einladung des
ungleichen Paares, doch mal beim Schwimmtraining im
Hallenbad in einer der umliegenden Nachbargemeinden vorbei
zu schauen. Lange drüber nachgedacht – man kämpft ja
schließlich lieber alleine und spult eisern seine 180
Bahnen nonstop ab. Aber sich die Sache mal anzuschauen und
vielleicht doch die ein oder andere hübsche Schwimmerin
kennenzulernen, wäre ja auch nicht schlecht. Genau hier
liegt nämlich auch das Problem: es ist ein Schwimmverein.
Ein Sammelsurium unverbesserlicher Besserwisser, die
denken, sie könnten alles besser als Jupp. Aber so etwas
hat ihn ja noch nie von seiner Mission abgehalten, die
Welt ein Stück besser zu machen.
Pünktlich erscheint Jupp an einem grauen Dienstagabend im
November zum Training im Hallenbad. Das ungleiche Paar ist
schon da, umgeben von einer Reihe lustig anzuschauender
Menschen mit teilweise unmöglichen Figuren. Für den
Ober-Ästheten unter den Multisportlern ist so ein Anblick
zumindest mal befremdend, um nicht zu sagen, erschütternd.
Das wollen Schwimmer sein? Vor Jupps geistigem Augen
erscheinen die gottgleichen Körper eines Michi Felleps
oder Baiward – wobei, das ist ein Wackes, den kann er per
se nicht leiden. Das sind Männer. Ihr Einzug in den Olymp
der griechischen Götter wäre ihnen gewiss gewesen. Aber
das da??? Rettungsringe bei den Herren, wo immer Jupp
hinschaut. Gut, er hat seinen Six-Pack turnusgemäß auch in
ein leicht überdehntes One-Pack gewandelt, aber spätestens
in ein paar Monaten werden ihm die jungen Hühner im
Waldpark wieder nach pfeifen, wenn er im super figurbetont
sitzenden Tria-Equipment seine Laufrunden dreht. Ein
leichtes Grinsen überzieht Jupps Gesicht beim Gedanken
daran.
„Ach, der Jupp“, hört er seinen Namen aus dem Mund der
Triathletin. Klingt sie etwa genervt? „Schön, dass du
unserer Einladung auch mal gefolgt bist. Wir machen noch
ein paar Minuten Gymnastik, dann geht es ab ins Wasser.
Der Plan klebt da am Beckenrand.“
So, so, die haben also einen Plan, denkt Jupp und sagt: „Jau,
ich habe gedacht, ich mische euch mal ein bisschen auf und
schau mal, ob ich hier überhaupt ein wenig gefordert
werde. Wenn ich mich hier so umschaue, kann ich mir das
zwar nicht so wirklich vorstellen, aber wenigstens können
die Meisten von mir etwas lernen. Und Gymnastik ist nur
was für Frauenversteher.“ Jupp lässt die verdutzten
Mitschwimmer am Beckenrand stehen, um mit einer eleganten
Arschbombe ins Wasser zu fallen. Als er laut prustend
wieder an die Wasseroberfläche gelangt, rückt er seine
Taucherbrille zurecht und legt mit wild rudernden
Armschlägen los. Der geneigte Betrachter außerhalb des
Bassins nimmt auf einmal Kuchenduft war und schüttelt
verwundert den Kopf. Jetzt fällt es ihnen wie Schuppen aus
den Haaren: die Vorführung im Pool erinnert sie stark an
das Teigrühren einer Küchenmaschine unter Volllast.
Instinktiv hat sich Jupp auf der schnellen Bahn
eingeordnet und pflügt die 500 m Warmmach-Programm durchs
Wasser. Auf seiner letzten Bahn hat ihn immer noch niemand
überholt. Schon ein wenig seltsam, das Alles. Das soll die
schnelle Bahn sein? Vielleicht braucht er eine Extra-Bahn.
Als er am Beckenrand anhält und sich umdreht, ist eine
Schlange von mindestens acht Mitschwimmern zu erkennen,
die alle mit hochrotem Kopf nach und nach neben ihm
anhalten.
Na also, denkt unser Hero, habe ich sie doch mal so
richtig gefordert…“Die Regeln, wie man mit mehreren Leuten
auf einer Bahn schwimmt, sind dir doch wohl bekannt?“
fragt ihn dieser Mutant, der ihm die Triathletin streitig
gemacht hat. So sieht es jedenfalls Jupp.
„Klar, kenne ich die. Ich bin voll informiert, ihr werdet
mich gar nicht bemerken. Ich glaube, ich schwimme erst mal
hinter euch her und mache quasi Druck von hinten.“ Jupp
lacht lauthals los und wundert sich, dass niemand
einstimmt. Er zuckt mit den Schultern und schaut auf den
Plan. Was soll das denn sein??? Verständnislos schüttelt
Jupp den Kopf. Die längste Strecke geht über 100 m, sonst
nur die Hälfte. Und was bedeuten die Buchstaben D / R /B /
F??? Er kratzt sich verständnislos den Kopf und ahnt, dass
er hier als König der Langstrecke nicht glücklich werden
wird. Aber gut, jetzt ist er mal hier, da kann er auch mal
mitmachen.
Das Programm geht los und schnell wird Jupp klar, was die
Buchstaben bedeuten. Das heißt aber noch lange nicht, dass
er sie auch umsetzen kann. Gut, er hat das schon Fernsehen
gesehen, aber selber machen… No way. Stur und majestätisch
zugleich bleibt er bei seinem Kraulschlag und lässt
gebührend Abstand, damit er nicht dauern die Latschen
seines Vordermannes in der Fresse hat.
So, der erste Programmpunkt ist abgearbeitet. Was steht
jetzt an. Was??? 20x50 m Freistil – dafür also das F. Die
Triathletin erklärt, dass alle 50 sec losgeschwommen wird.
Uaah, wie langweilig. Das ist ja ein richtiges
Pille-Palle-Training. Wäre er doch besser in seiner
Heimatstadt in den öffentlichen Badebetrieb, da hätte er
wenigstens ein wenig Treibholz mit Blümchen-Badekappe
versenken können.
Und los geht’s. Locker paddelt Jupp den anderen hinterher.
Nach der dritten Wiederholung überlegt er, die vor ihm
Schwimmende zu überholen. Nach der fünften Wiederholung
fällt ihm auf, dass die Triathletin und zwei weitere ihn
schon entgegenkommen, als er noch mindestens 15 m zu
schwimmen hat. Was ist denn nun los??? Selbst die lahme
Kröte vor ihm ist schon weg, als er endlich anschlägt.
Nach weiteren drei Durchgängen beschließt Jupp, seinen
gnadenlosen und berüchtigten Eiermän-Ehrgeiz zu wecken…er
schwimmt einfach durch. So kommt er doch noch zu seinem
Dauerschwimmen, aber in einem Speed, den er wirklich nicht
gewohnt ist. So etwas kann doch nicht gesund sein.
Verdammte Schwimmer. Aber es ist letzten Endes die
Triathletin, die ihn nach ungefähr fünfzehn Wiederholungen
überrundet. Aber Jupp gibt nicht auf und schwimmt diesen
Programmpunkt zu Ende. Als er laut hechelnd schließlich
den Beckenrand erreicht, dröhnt ihm die Stimme der
Schrankwand entgegen.
„Na, Alterchen…ist wohl was anderes als dein ewiges Hin-
und Her-Gepaddel. Wenn du da mit uns am Ball bleibst,
wirst du noch richtig schnell werden.“
Jupp holt nochmals tief Luft und röchelt schwach: „Das
kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Das
zerstört jegliche triathletische Form.“ Sprach’s,
krabbelte aus dem Becken und ward nie mehr gesehen. |