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Jupp der Eirenmän - Hero von nebenan

 

Fünf Jahreszeiten braucht der Mann
November 2008 - by Oliver Keck

Jupp ist nervös. Er spürt ein Kribbeln. Anders als vor dem Start eines Eiermän. Das ist ja schon Routine für unseren Hero, den Quäler sämtlicher High-Tech-Carbon-Fasern und Zertreter aller Rennsemmeln. Auch die Jahreszeit will nicht so richtig zu einem Wettkampfgefühl passen, denn wir nähern uns Mitte November. Also eher der dunklen, frustrierenden Jahreszeit.

Die allerdings auch ihre Vorzüge hat. Lebkuchen, Dominosteine, Glühwein…um nur einige wenige zu nennen. Zu den Nachteilen zählen die nicht übersehbaren Rettungsringe – ja man muss in Jupps Fall schon im Plural sprechen – um die Hüften. Was unseren Helden aber nicht weiter stört. Wie gesagt, dunkle Jahreszeit, Kälte. Nichts, was einen herausragenden Triathleten dazu bringen würde, seinen Astralkörper auf der abendlichen Laufrunde zur Schau zu stellen. Aber man passt sich eben dem Mainstream an, trägt lange Funktions-Dry-Lite-Laufklamotten und wundert sich, dass man auf der 23.6 km langen Laufrunde nicht geschwitzt hat.

Dass dies auch an Jupps bevorzugten Speed von 8:14 min auf den Kilometer liegen könnte, weißt er bei Podiumsdiskussionen auf diversen Seminaren einer lokalen Trainingsagentur stets weit von sich. Diese Jungs hat er ja gefressen. Meinen es angeblich gut, mit ihrem Klientel. Dabei sind das alles nur Abzocker – reine Ackermänner. Ziehen dem hilflosen Triathleten das letzte Geld aus der Tasche, wo er doch umsonst sein ultimatives Wissen weitergeben will. Jupp ist schließlich ein herzensguter Mensch…und Eiermän.

Aber gut, er hat sich das am Wochenende angetan und was soll er sagen, die haben die eierlegende Woll-Milch-Sau auch nicht erfunden. Alles olle Kamellen. Da Jupp aber im Grunde seiner Seele ein herzensguter Mensch ist, hat er sich dazu herabgelassen, zu dem Sportdirecteur der Agentur vor Ort zu sprechen und seine Hilfe angeboten. Dieser zeigte sich schwer beeindruckt von dem Angebot und ordnete sogleich ein umfangreiches Testprogramm an, um ihn, den ungeschlagenen König der Altersklasse der Mitte 50-jährigen, sozusagen des goldenen Jahrgangs, auf Herz und Nieren zu prüfen. Als ob er das nötig hätte. Aber da wären wir wieder bei dem herzensguten Menschen.

Nach all den – zugegeben – lächerlichen Tests wie 50 m Delphinschwimmen – wo sollte er schon in der Kürze der Zeit einen solchen Meeressäuger her bekommen – und einem Trailrun – die Karte zur Orientierung hat Jupp beleidigt abgelehnt –war unser Hero Dank der Hilfe eines Forstmitarbeiters aus der Nachbarstadt seiner noch recht neuen Heimat auch rechtzeitig zum Abschieds-Kaffee wieder beim Seminar. Es erstaunte ihn dann aber doch, dass sie ihn nicht sofort mit Kusshand nahmen, sondern ihm in den nächsten Tagen eine Nachricht zukommen lassen wollten. Banausen.

Aber der wahre Grund für seine Nervosität ist ein anderer. 11.11. und gleich dazu 11.11 Uhr – was will der gebürtige Rheinländer mehr als den Beginn der fünften, alles entscheidenden Jahreszeit kräftig zu feiern. Die Kollegen in seiner Firma mit den vier großen Buchstaben schauen ihn zwar alle an, wie eine Kuh, wenn’s blitzt, als er heftig in eine Tröte blasend und laut „Hellau“ schreiend pünktlich auf die Sekunde aus seinem Büro stürmt. Er wird sich diese verkrampften Pfälzer schon noch zurechtbiegen. Banausen.

Jupp will gerade die kesse Blondine aus dem Controlling zu einer Blankenese auffordern, als die Tür zum Allerheiligsten aufgerissen wird.
„Meier, sofort zu mir.“ Die Tür fährt gewaltig krachend ins Schloss, so dass sich alle im Umkreis von 30 Metern fragen, wie groß wohl das Ausmaß der gefühlten Detonation gewesen wäre, hätte man bei ihrer Anbringung auf den schallschluckenden Lederbezug verzichtet. Alle drehen sich zu Jupp und starren ihn an. Jupp ist es gewohnt im Rampenlicht zu stehen, aber das ist selbst ihm ein wenig zu viel Aufmerksamkeit. Als er das hämische Grinsen in immer mehr Gesichtern erkennt, passt sich der Großteil seiner Gesichtsfarbe seiner überdimensional großen Pappnase an.

„Was ist, Leute? Seit ihr noch nie zum Chef gerufen worden? Ich bin jetzt seit einigen Monaten hier und es wird Zeit für eine spürbare Verbesserung und Anerkennung meiner guten Leistungen. Also, noch Fragen???“

Jupp schreitet so würdevoll als möglich durch das Großraumbüro Richtung Sekretariat. Der Vorzimmerdrachen erwartet ihn schon mit strengem Blick.
„Mensch Meier. Ich habe Ihnen ja nie über den Weg getraut, aber dass Sie so daneben sind, hätte selbst ich nicht erwartet.“

Klar, du vertrocknete Ziege, denkt unser Hero, was soll man von dir auch schon erwarten. Keinen Blick fürs Wesentliche. Keiner hier von euch Banausen. Aber spottet ihr nur, meine Zeit wird kommen.
Und während er durch die Tür schreitet und sich der grenzenlosen Wut seines Chefs aussetzt – womit ein weiterer Vorteil der Isolierung geklärt wäre – beginnt Jupp erneut zu Träumen. Dieses Mal wieder vom Eiermän, der ihn ans Ziel seiner Träume bringen wird…dem unangefochtenen Champ von Hawaii.

 

 

 

 

 

 

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