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Jupp der Eirenmän - Hero von nebenan

 

Herbst-Impressionen…oder waren es Depressionen???
Oktober 2008 - by Oliver Keck

Nun ist es also wieder soweit: die dunkle Jahreszeit steht vor der Tür. Nein, eigentlich nicht. Eigentlich steht sie schon Mitten im Raum und scheint Jupp zu erdrücken. Das Ende der Sommerzeit ist immer ein schwerer Schlag für Jupp. Bedeutet dieses Datum für unseren Hardcore-Naturburschen nicht etwa ein mehr von 60 Minuten an Schlaf. Diesen Umstand wissen doch nur die Warmduscher unter der Bevölkerung zu schätzen – also alle außer ihm.

Nein, wahre Helden hätten sich gewünscht, dass die Uhr nochmals eine Stunde nach vorne gestellt worden wäre. Wem nützt es denn schon, dass es morgens einen Ticken früher hell ist? Vielleicht den Hunden, dass sie beim Gassi gehen nicht blind an die Bäume pissen müssen? Wohl kaum. Dafür ist es jetzt abends eine Stunde früher dunkel. Kommen dann noch Regen und grauer, wolkenverhangener Himmel hinzu, hat man das Gefühl, es würde überhaupt nicht hell werden. Das drückt. Und zwar auf die Stimmung von Jupp.

Den einzigen Vorteil dieser tristen Jahreszeit erkennt Jupp in den Leckereien, die jetzt schon in den Supermarktregalen zu finden sind: Lebkuchen, Dominosteine und Marzipan. Um nur mal einige aufzuzählen. Kalorienreiche Nahrungsmittel, welche die Motoren hungriger Ausdauersportler, mit Energie versorgen. Und mal ehrlich, welcher Sportler hat nicht ständig Hunger. Jupp grinst vor sich hin…Das ist dann doch ein Vorteil der Jahreszeit. Es wird natürlich auch kälter. Somit ist die Outdoor-Badesaison endgültig beendet. Erst letzte Woche hat er sich ein heftiges Wortgefecht mit irgendwelchen Fuzzys von der Stadtverwaltung geliefert, weil die ihn partout nicht in seinen Lieblings-Trainingssee zum Schwimmen lassen wollten. Er sei schließlich ein Eiermän, einer von der ganz harten Sorte, die ihren Neoprenanzug nur zum Kindergeburtstag anziehen. Der Streit endete schließlich mit einen Vergleich: wenn Jupp versprechen würde, ab sofort ins Hallenbad zu gehen, würde die Dame der Stadtverwaltung ihre Anzeige wegen Beleidigung zurückziehen. Jupp stimmte missmutig zu, obwohl er immer noch davon überzeugt war, dass sie wie ein Walross auf Speed über ihn hergefallen sei und er sich nur seiner Haut erwehrt hatte.

In Wahrheit ist unser Jupp ja nicht immer so eisenhart, wie er immer behauptet. Dass er auf seinen Neoprenanzug verzichtet, liegt eben nicht an seinem gnadenlosen Willen und dem Hawaii-Feeling, das immer noch bei ihm vorherrscht. Nö, vielmehr ist der Grund in besagten Lebensmitteln zu finden, die bei Jupp nahezu alles andere vom Speiseplan verdrängt haben. Die Auswirkungen sind unmittelbar bei ihm zu sehen: der eh schon großzügig ausgestattete Rettungsring um seine Hüften hat sich erkennbar ausgedehnt und das störrische Gummiteil lässt sich einfach nicht mehr schließen. Von daher blieb unserem Helden ohne Strumpfhosen gar nicht anderes übrig, als den Bruce Willis zu spielen.

Aber gut, das ist ja jetzt vorbei. Jetzt wird eben vorzugsweise an den Grundlagen gearbeitet. Vor allem beim Laufen. Was ist das schön. In einem halbwegs vertretbaren High-Speed-Tempo-Laktat-Toleranz-Bereich von 7:41 min auf den Kilometer trottelt er stundenlang durch die nasskalte Landschaft. Nur in den Kurven ist er etwas vorsichtiger und reduziert seine weit ausholende Schrittlänge, um nicht aufgrund dieses hinterhältigen, nassen Blattwerks wegzurutschen und seinen aufgeschnallten fünf Liter Iso-Kanister zu zerstören. Man weiß ja nie, was bei so einem gefährlichen Sturz bei dieser Performance passieren kann. Und ohne das lebenswichtige Trinken ist die Gefahr groß, zu dehydrieren und anstelle des erhabenden Gefühls, es wieder geschafft und die 5 km souverän beendet zu haben, sich plötzlich in den Fängen eines Krankenhauses wieder zu finden.

Denn im Krankenhaus würde ihm eines mit Sicherheit fehlen: die Lebkuchen und das Marzipan, das er sich gleich aufgrund seiner exorbitanten Grundlageneinheit nach einem heißen Vollbad rein pfeifen wird. Der Eiermän wird schließlich im Winter gemacht. Da muss alles stimmen. Impressionen des Herbstes – noch so ein Frauenthema – hin oder her, die knappe Zeit in der Dunkelheit muss genutzt werden. Nicht um an Bäume zu pissen, sondern um an seine Grenzen zu gehen. Jupps Spezialität eben. Und es wird nicht lange dauern, da wird er seine frühe Frühform beim ersten Cross-Duathlon unter Beweis stellen. Alle, aber wirklich alle, werden sich nur verwundert die Augen reiben können, wenn unser Adonis gazellengleich über die matschigen Feld- und Waldwege schwebt und den Konkurrenten nicht den Hauch einer Chance lassen wird. Und bis sie sich dann verwundert den Matsch aus den Augen gerieben haben werden, ist es schon fast wieder so weit, das Ticket für Hawaii zu lösen.

Da waren sie also doch wieder, die Herbst-Impressionen. Einfach schön und voller leckerer Kalorien…

 

 

 

 

 

 

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