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Nun ist es also wieder soweit: die dunkle Jahreszeit steht
vor der Tür. Nein, eigentlich nicht. Eigentlich steht sie
schon Mitten im Raum und scheint Jupp zu erdrücken. Das
Ende der Sommerzeit ist immer ein schwerer Schlag für
Jupp. Bedeutet dieses Datum für unseren
Hardcore-Naturburschen nicht etwa ein mehr von 60 Minuten
an Schlaf. Diesen Umstand wissen doch nur die Warmduscher
unter der Bevölkerung zu schätzen – also alle außer ihm.
Nein, wahre Helden hätten sich gewünscht, dass die Uhr
nochmals eine Stunde nach vorne gestellt worden wäre. Wem
nützt es denn schon, dass es morgens einen Ticken früher
hell ist? Vielleicht den Hunden, dass sie beim Gassi gehen
nicht blind an die Bäume pissen müssen? Wohl kaum. Dafür
ist es jetzt abends eine Stunde früher dunkel. Kommen dann
noch Regen und grauer, wolkenverhangener Himmel hinzu, hat
man das Gefühl, es würde überhaupt nicht hell werden. Das
drückt. Und zwar auf die Stimmung von Jupp.
Den einzigen Vorteil dieser tristen Jahreszeit erkennt
Jupp in den Leckereien, die jetzt schon in den
Supermarktregalen zu finden sind: Lebkuchen, Dominosteine
und Marzipan. Um nur mal einige aufzuzählen.
Kalorienreiche Nahrungsmittel, welche die Motoren
hungriger Ausdauersportler, mit Energie versorgen. Und mal
ehrlich, welcher Sportler hat nicht ständig Hunger. Jupp
grinst vor sich hin…Das ist dann doch ein Vorteil der
Jahreszeit. Es wird natürlich auch kälter. Somit ist die
Outdoor-Badesaison endgültig beendet. Erst letzte Woche
hat er sich ein heftiges Wortgefecht mit irgendwelchen
Fuzzys von der Stadtverwaltung geliefert, weil die ihn
partout nicht in seinen Lieblings-Trainingssee zum
Schwimmen lassen wollten. Er sei schließlich ein Eiermän,
einer von der ganz harten Sorte, die ihren Neoprenanzug
nur zum Kindergeburtstag anziehen. Der Streit endete
schließlich mit einen Vergleich: wenn Jupp versprechen
würde, ab sofort ins Hallenbad zu gehen, würde die Dame
der Stadtverwaltung ihre Anzeige wegen Beleidigung
zurückziehen. Jupp stimmte missmutig zu, obwohl er immer
noch davon überzeugt war, dass sie wie ein Walross auf
Speed über ihn hergefallen sei und er sich nur seiner Haut
erwehrt hatte.
In Wahrheit ist unser Jupp ja nicht immer so eisenhart,
wie er immer behauptet. Dass er auf seinen Neoprenanzug
verzichtet, liegt eben nicht an seinem gnadenlosen Willen
und dem Hawaii-Feeling, das immer noch bei ihm
vorherrscht. Nö, vielmehr ist der Grund in besagten
Lebensmitteln zu finden, die bei Jupp nahezu alles andere
vom Speiseplan verdrängt haben. Die Auswirkungen sind
unmittelbar bei ihm zu sehen: der eh schon großzügig
ausgestattete Rettungsring um seine Hüften hat sich
erkennbar ausgedehnt und das störrische Gummiteil lässt
sich einfach nicht mehr schließen. Von daher blieb unserem
Helden ohne Strumpfhosen gar nicht anderes übrig, als den
Bruce Willis zu spielen.
Aber gut, das ist ja jetzt vorbei. Jetzt wird eben
vorzugsweise an den Grundlagen gearbeitet. Vor allem beim
Laufen. Was ist das schön. In einem halbwegs vertretbaren
High-Speed-Tempo-Laktat-Toleranz-Bereich von 7:41 min auf
den Kilometer trottelt er stundenlang durch die nasskalte
Landschaft. Nur in den Kurven ist er etwas vorsichtiger
und reduziert seine weit ausholende Schrittlänge, um nicht
aufgrund dieses hinterhältigen, nassen Blattwerks
wegzurutschen und seinen aufgeschnallten fünf Liter
Iso-Kanister zu zerstören. Man weiß ja nie, was bei so
einem gefährlichen Sturz bei dieser Performance passieren
kann. Und ohne das lebenswichtige Trinken ist die Gefahr
groß, zu dehydrieren und anstelle des erhabenden Gefühls,
es wieder geschafft und die 5 km souverän beendet zu
haben, sich plötzlich in den Fängen eines Krankenhauses
wieder zu finden.
Denn im Krankenhaus würde ihm eines mit Sicherheit fehlen:
die Lebkuchen und das Marzipan, das er sich gleich
aufgrund seiner exorbitanten Grundlageneinheit nach einem
heißen Vollbad rein pfeifen wird. Der Eiermän wird
schließlich im Winter gemacht. Da muss alles stimmen.
Impressionen des Herbstes – noch so ein Frauenthema – hin
oder her, die knappe Zeit in der Dunkelheit muss genutzt
werden. Nicht um an Bäume zu pissen, sondern um an seine
Grenzen zu gehen. Jupps Spezialität eben. Und es wird
nicht lange dauern, da wird er seine frühe Frühform beim
ersten Cross-Duathlon unter Beweis stellen. Alle, aber
wirklich alle, werden sich nur verwundert die Augen reiben
können, wenn unser Adonis gazellengleich über die
matschigen Feld- und Waldwege schwebt und den Konkurrenten
nicht den Hauch einer Chance lassen wird. Und bis sie sich
dann verwundert den Matsch aus den Augen gerieben haben
werden, ist es schon fast wieder so weit, das Ticket für
Hawaii zu lösen.
Da waren sie also doch wieder, die Herbst-Impressionen.
Einfach schön und voller leckerer Kalorien…
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