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Jupp der Eirenmän - Hero von nebenan

 

Ernüchterung oder 2009 wird alles anders
Oktober 2008 - by Oliver Keck

Die Uhr zeigt etwas zwischen Mitternacht und Morgengrauen, als Jupp wie ein Irrwisch auf seiner Tastatur herumhämmert. Nützt aber nichts, die deutschen Helden auf Hawaii, die Hoffnungsträger einer gesamt leidgeprüften Nation, können nicht mehr und laufen keinen Deut schneller über die heiße Insel im Pazifik. Was nun auch nicht mehr läuft, ist der Live-Stream auf seinem Rechner. Durch das von den frühen Neandertalern impulsiv sehr realistisch nachgeahmte Traktieren der Tasten hat das gesamte System die Waffen gestreckt – rien ne va plus!

„Weicheier“, schreit unser Hero ohne Rücksicht auf die nachtschlafende Zeit am frühen Sonntagmorgen, spritzt von seinem Schreibtischstuhl auf und tigert aufgeregt vor sich hin fluchend durch seine Wohnung.
„Das gibt es doch gar nicht. Sind die noch zu retten? Was treiben die nur mit meinen Nerven? Schon wieder ein Aussie vorne – wenigstens ein anderer als dieser aufgeblasene Fatzke aus dem letzten Jahr, der schon aufgrund der Dummheit seiner Landsleute in der Bankenmetropole in diesem Sommer gewonnen hat.“
Banken – noch so ein Reizwort. Jupp könnte kotzen. Kaum ist er mal nicht vor Ort, läuft alles schief.
„Muss ich denn alles alleine machen?“ fragt er verzweifelt in den Raum. Seine ihn müde anschielende Katze, die gerade ernsthaft darüber nachdenkt, ihm ob der nächtlichen Ruhestörung die Mittelkralle zu zeigen, gibt ihm keine Antwort, dreht sich auf dem weichen Sofa um die eigene Achse und streckt ihm ihren Allerwertesten hin. Doch eine Art von Antwort – Katzen soll ja ziemlich schlau sein.

Jupp schaut sie einen Moment grimmig an und überlegt, ob er sie vor die Tür setzen soll. Aber was kann die Arme denn dafür, die Jungs auf Big Island den großen Worten mal wieder keine Taten folgen lassen. Dabei habe ich es ihnen noch alle per Mail mitgeteilt. Nur schnell Rad fahren bringt einfach nichts. Ihr müsst noch schneller Rad fahren! Wartet nur ab, wenn ich im nächsten Jahr die Insel aufmische.

Als Erstes werden beim Schwimmen die Haie reiß aus nehmen, schließlich wollen sie von meinen mächtigen Kraulzügen nicht erschlagen werden. Ihr Überlebensinstinkt wird sie schon sicher leiten und nebenher ist die Sicherheit für alle übrigen Teilnehmer gewährleistet.

Dann geht es mit wenig Rückstand nach gefühlten 43 min durch die lange, lange, lange Wechselzone zu meinem Baby, um möglichen Konkurrenten endgültig den Todesstoß zu versetzen. Nebenbei bemerkt, es ist eine Frechheit, dass ich mein Baby fast außerhalb der Wechselzone parken muss, nur weil ich ein Rookie sein werde. Haben die denn noch die was vom Incredible Jupp gehört. Diese Gedanken schiebt Jupp resolut zur Seite und steigt in seinem Traum exakt in dem Moment wieder ein, in dem er seinen Super-High-Tech-NASA-Carbon-Boliden von seinem Platz nimmt und zum Wechselbalken hechelt. Den schon jetzt drohenden Tod durch Verdursten wird er mit einem kräftigen Schluck aus seiner 5 Liter Pulle begegnen.
Auf dem kochend heißen Asphalt spielt Jupp dann seine gesamten Qualitäten aus. Mit kräftigen Tritten aus den gleichmäßig wie Kolben arbeitenden, mit 25 cm Wadenumfang hervorragend bestückten, Beinchen wird er mit seiner Nur-Für-Wahre-Männer-geeigneten Übersetzung von 56/13 mit knapp 55 Umdrehungen in der Minute über die Insel brausen und den ein oder anderen, der tatsächlich schneller als er selbst geschwommen sein sollte, aufmischen.

Mit einem in der Gluthitze festgefrorenen Dauergrinsen springt Jupp nach den lächerlichen 180 km vom Rad und fühlt sich gerade frisch genug, noch ein wenig Joggen zu gehen. Wobei Jupp’s Joggen mit einem Tempo gleichzusetzen ist, bei dem selbst dieser farbige Wunderläufer aus Äthiopien, dem es gelungen ist vor ein paar Tagen in Abwesenheit unserer Heros einen neuen Weltrekord in Berlin aufzustellen, Tränen in die Augen bekommen würde. Ob vor Lachen – darüber will sich Jupp aktuell keine Gedanken machen.

Eine Stimme aus seinem Büro reißt ihn aus seinen Träumen – die blechernen Brüllwürfel auf seinem Schreibtisch melden sich wieder…irgendwas von einem German kann er gerade noch so verstehen…Jupp eilt hinüber und sieht noch, wie sein Fast-Landsmann aus Baden-Württemberg auf Rang 5 über die Ziellinie stolziert, als hätte er soeben gewonnen. Na ja, besser als nichts, aber so eine Freude als vierter Verlierer??? Das ist ja wohl ein wenig übertrieben.

Kurze Zeit später die Entwarnung: der Gute wird disqualifiziert. Ist besser so, auch er wird es nach der ersten Wut einsehen. Ist doch peinlich, selbst einen aus dem Land der Alphörner und „Alles-Erfinder“ vor sich zu haben. Dann lieber mit Anstand aus dem Rennen genommen werden.

Wie schon gesagt, nächstes Jahr wird alles anders. Dann kocht die Insel, aber nicht wegen des Wetters. Die Vorbereitungen starten nächste Woche. Selbstzufrieden öffnet Jupp sein vierzehntes Weizen in dieser langen Nacht und tätschelt zufrieden seinen Wampe. Seine Katze schaut ihn erneut aus verschlafenen Augen an und gönnt ihm ein herzhaftes Gähnen. Irgendwie erscheint es unserem Helden, als würde sie ihn wirklich nicht ganz für voll nehmen.

 

 

 

 

 

 

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