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Die Uhr zeigt etwas zwischen Mitternacht und Morgengrauen,
als Jupp wie ein Irrwisch auf seiner Tastatur
herumhämmert. Nützt aber nichts, die deutschen Helden auf
Hawaii, die Hoffnungsträger einer gesamt leidgeprüften
Nation, können nicht mehr und laufen keinen Deut schneller
über die heiße Insel im Pazifik. Was nun auch nicht mehr
läuft, ist der Live-Stream auf seinem Rechner. Durch das
von den frühen Neandertalern impulsiv sehr realistisch
nachgeahmte Traktieren der Tasten hat das gesamte System
die Waffen gestreckt – rien ne va plus!
„Weicheier“, schreit unser Hero ohne Rücksicht auf die
nachtschlafende Zeit am frühen Sonntagmorgen, spritzt von
seinem Schreibtischstuhl auf und tigert aufgeregt vor sich
hin fluchend durch seine Wohnung.
„Das gibt es doch gar nicht. Sind die noch zu retten? Was
treiben die nur mit meinen Nerven? Schon wieder ein Aussie
vorne – wenigstens ein anderer als dieser aufgeblasene
Fatzke aus dem letzten Jahr, der schon aufgrund der
Dummheit seiner Landsleute in der Bankenmetropole in
diesem Sommer gewonnen hat.“
Banken – noch so ein Reizwort. Jupp könnte kotzen. Kaum
ist er mal nicht vor Ort, läuft alles schief.
„Muss ich denn alles alleine machen?“ fragt er verzweifelt
in den Raum. Seine ihn müde anschielende Katze, die gerade
ernsthaft darüber nachdenkt, ihm ob der nächtlichen
Ruhestörung die Mittelkralle zu zeigen, gibt ihm keine
Antwort, dreht sich auf dem weichen Sofa um die eigene
Achse und streckt ihm ihren Allerwertesten hin. Doch eine
Art von Antwort – Katzen soll ja ziemlich schlau sein.
Jupp schaut sie einen Moment grimmig an und überlegt, ob
er sie vor die Tür setzen soll. Aber was kann die Arme
denn dafür, die Jungs auf Big Island den großen Worten mal
wieder keine Taten folgen lassen. Dabei habe ich es ihnen
noch alle per Mail mitgeteilt. Nur schnell Rad fahren
bringt einfach nichts. Ihr müsst noch schneller Rad
fahren! Wartet nur ab, wenn ich im nächsten Jahr die Insel
aufmische.
Als Erstes werden beim Schwimmen die Haie reiß aus nehmen,
schließlich wollen sie von meinen mächtigen Kraulzügen
nicht erschlagen werden. Ihr Überlebensinstinkt wird sie
schon sicher leiten und nebenher ist die Sicherheit für
alle übrigen Teilnehmer gewährleistet.
Dann geht es mit wenig Rückstand nach gefühlten 43 min
durch die lange, lange, lange Wechselzone zu meinem Baby,
um möglichen Konkurrenten endgültig den Todesstoß zu
versetzen. Nebenbei bemerkt, es ist eine Frechheit, dass
ich mein Baby fast außerhalb der Wechselzone parken muss,
nur weil ich ein Rookie sein werde. Haben die denn noch
die was vom Incredible Jupp gehört. Diese Gedanken schiebt
Jupp resolut zur Seite und steigt in seinem Traum exakt in
dem Moment wieder ein, in dem er seinen
Super-High-Tech-NASA-Carbon-Boliden von seinem Platz nimmt
und zum Wechselbalken hechelt. Den schon jetzt drohenden
Tod durch Verdursten wird er mit einem kräftigen Schluck
aus seiner 5 Liter Pulle begegnen.
Auf dem kochend heißen Asphalt spielt Jupp dann seine
gesamten Qualitäten aus. Mit kräftigen Tritten aus den
gleichmäßig wie Kolben arbeitenden, mit 25 cm Wadenumfang
hervorragend bestückten, Beinchen wird er mit seiner
Nur-Für-Wahre-Männer-geeigneten Übersetzung von 56/13 mit
knapp 55 Umdrehungen in der Minute über die Insel brausen
und den ein oder anderen, der tatsächlich schneller als er
selbst geschwommen sein sollte, aufmischen.
Mit einem in der Gluthitze festgefrorenen Dauergrinsen
springt Jupp nach den lächerlichen 180 km vom Rad und
fühlt sich gerade frisch genug, noch ein wenig Joggen zu
gehen. Wobei Jupp’s Joggen mit einem Tempo gleichzusetzen
ist, bei dem selbst dieser farbige Wunderläufer aus
Äthiopien, dem es gelungen ist vor ein paar Tagen in
Abwesenheit unserer Heros einen neuen Weltrekord in Berlin
aufzustellen, Tränen in die Augen bekommen würde. Ob vor
Lachen – darüber will sich Jupp aktuell keine Gedanken
machen.
Eine Stimme aus seinem Büro reißt ihn aus seinen Träumen –
die blechernen Brüllwürfel auf seinem Schreibtisch melden
sich wieder…irgendwas von einem German kann er gerade noch
so verstehen…Jupp eilt hinüber und sieht noch, wie sein
Fast-Landsmann aus Baden-Württemberg auf Rang 5 über die
Ziellinie stolziert, als hätte er soeben gewonnen. Na ja,
besser als nichts, aber so eine Freude als vierter
Verlierer??? Das ist ja wohl ein wenig übertrieben.
Kurze Zeit später die Entwarnung: der Gute wird
disqualifiziert. Ist besser so, auch er wird es nach der
ersten Wut einsehen. Ist doch peinlich, selbst einen aus
dem Land der Alphörner und „Alles-Erfinder“ vor sich zu
haben. Dann lieber mit Anstand aus dem Rennen genommen
werden.
Wie schon gesagt, nächstes Jahr wird alles anders. Dann
kocht die Insel, aber nicht wegen des Wetters. Die
Vorbereitungen starten nächste Woche. Selbstzufrieden
öffnet Jupp sein vierzehntes Weizen in dieser langen Nacht
und tätschelt zufrieden seinen Wampe. Seine Katze schaut
ihn erneut aus verschlafenen Augen an und gönnt ihm ein
herzhaftes Gähnen. Irgendwie erscheint es unserem Helden,
als würde sie ihn wirklich nicht ganz für voll nehmen.
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