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Jupp ist genervt. Von all den schlechten Nachrichten. Die
miese Stimmung aller Orten. Sind unsere Spareinlagen
wirklich noch sicher??? Wen juckt das schon. Jupp
jedenfalls nicht, er hat seine Ersparnisse in solide
Anlagen gesteckt – in Fahrräder. Zeitlose Schönheiten, bei
deren Anblick so manche Frau aus Fleisch und Blut eine
knallrote Birne bekommt und heimlich aufstöhnt. Hätte sie
doch auch solche schlanke Formen...
Jupp knüllt die Tageszeitung zusammen. „So ein Mist“,
denkt unser Hero, „in ein paar Tagen kommt es zum Showdown
aller Showdowne auf Hawaii…“ für einen kurzen Moment
sacken die gestählten Schultern von Jupp leicht nach
vorne, um sich sofort wieder zu straffen…“und keiner
scheint sich dafür zu interessieren. Wie heißen wohl die
neue Queen und der neue King von Kona? Na, na, na…“ Jupp
reibt mit einer fahrigen Bewegung über die Stoppeln seines
– mittlerweile – Fünf-Tages-Bartes, der ihm auch schon
einen tadelnden Blick des Vorzimmerdrachens seines Chefs
eingebracht hat.
Jupp ist im Hawaii-Stress. Nicht dass er sich über eine
eventuell verspätete Anreise Gedanken machen müsste. Nee,
nee. Dank eben jenes Chefs, konnte er sich ja nicht sein
Ticket für den Kampf der Kämpfe im Sommer sichern, er
musste ja für die Firma mit den vier großen Buchstaben bei
dieser regionalen Hampelveranstaltung starten, von der ihm
jetzt noch die Nase schmerzt, weil er auf den langweiligen
Strecken gar nicht mehr mit dem Nasebohren aufhören konnte
und die Konkurrenz in Grund und Boden schwamm, radelte und
lief. Der geneigte Leser wird sich sicherlich
ehrfurchtsvoll grinsend an die Abenteuer unseres Heroen
erinnern.
Demnach gilt als gesichert, dass Jupp sich erst 2009 zum
König von Hawaii krönen wird. Na ja, vielleicht reicht es
nicht bis nach ganz vorne, aber in den Altersklassen
ab…sagen wir den 35-jährigen…wird keine Kraut gegen ihn
gewachsen sein. Jupp hat sich noch nie durch mangelhaftes
Selbstbewusstsein oder falsche Bescheidenheit
ausgezeichnet. Nein, auf gar keinen Fall. Er sieht die
Bilder schon genau vor sich: Majestätisch wie ein
Mantarochen gleitet er durch die Fluten des warmen
Pazifik, schwingt sich danach elegant auf sein
NASA-Entwicklungs-Highlight-Carbon-Monocoque-Time-Trial-fünfkommavier-Kilogramm-Hightech-Zweirad
und bollert wie einst Ulle in seinen besten Epo-Zeiten mit
75er Cadence über den Highway, wobei eine
Spezialübersetzung von 55/13 malträtiert wird.
Wissenschaftler haben ermittelt, dass Jupp exakt mit
diesen Voraussetzungen die optimale Performance auf den
Asphalt knallen wird.
Wie alles im Leben hat auch dieses Schöne ein Ende und es
gilt nach 180 km zur Königsdisziplin zu Schreiten: mit
Kohlfaser optimierte Laufschühchen lassen ihn locker über
den kochenden Asphalt schweben. Für die Hitze hat unser
Hero nur ein kaltes Grinsen übrig. Lächerlich…darüber
stöhnen doch nur die Frauenversteher, die sich ihren
Startplatz bei ebay erkauft haben. Jupp findet zwar auch,
dass eine Qualifikation unter seiner Würde ist, aber das
Schreiben vom Veranstalter, das er letzte Woche aufgrund
seiner höflich formulierten Anfrage zwecks einer Wildcard
2008 erhielt und mit den Worten „Who the fuck you think
you are…“ deutet darauf hin, dass er im kommenden Jahr
wohl mit zwei Langstrecken rechnen muss. Lanzarote ist
wohl die Wahl seiner Mittel, alles andere ist unter seinem
Niveau.
Jupp schaltet das Radio ein und lauscht gebannt den
Nachrichten. Ah ja, der Sport: „Der erfolgreiche Radprofi
aus der Mineralwassertruppe scheint des Dopings
überführt…Die Wetteraussichten...“ Die Ader seitlich am
Hals von Jupp schwillt bedrohlich an. Schon wieder keine
Meldung über den Ironman. Nur über diese zugeknallten
Apotheken auf zwei Rädern. Bevor sich seine Wut noch
weiter steigert, hält er schlagartig inne.
„Vielleicht sollte ich meine Bewerbungsmappe fertig
machen“, denkt unser Hero, „denn denen gehen doch langsam
aber sicher die Fahrer aus. Frisches Blut ist gefragt.“
Jupps Gesicht überzieht ein diabolisches Grinsen bei
diesem Wortspiel. „Mein Alter sollte dabei keine Rolle
spielen. Siehe das Ergebnis World Championship Hawaii
2009.“
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