english  français  español  italiano  portuguese


Jupp der Eirenmän - Hero von nebenan

 

Dem Wahnsinn nahe…oder doch nur Vorfreude???
Oktober 2008 - by Oliver Keck

Jupp ist genervt. Von all den schlechten Nachrichten. Die miese Stimmung aller Orten. Sind unsere Spareinlagen wirklich noch sicher??? Wen juckt das schon. Jupp jedenfalls nicht, er hat seine Ersparnisse in solide Anlagen gesteckt – in Fahrräder. Zeitlose Schönheiten, bei deren Anblick so manche Frau aus Fleisch und Blut eine knallrote Birne bekommt und heimlich aufstöhnt. Hätte sie doch auch solche schlanke Formen...

Jupp knüllt die Tageszeitung zusammen. „So ein Mist“, denkt unser Hero, „in ein paar Tagen kommt es zum Showdown aller Showdowne auf Hawaii…“ für einen kurzen Moment sacken die gestählten Schultern von Jupp leicht nach vorne, um sich sofort wieder zu straffen…“und keiner scheint sich dafür zu interessieren. Wie heißen wohl die neue Queen und der neue King von Kona? Na, na, na…“ Jupp reibt mit einer fahrigen Bewegung über die Stoppeln seines – mittlerweile – Fünf-Tages-Bartes, der ihm auch schon einen tadelnden Blick des Vorzimmerdrachens seines Chefs eingebracht hat.

Jupp ist im Hawaii-Stress. Nicht dass er sich über eine eventuell verspätete Anreise Gedanken machen müsste. Nee, nee. Dank eben jenes Chefs, konnte er sich ja nicht sein Ticket für den Kampf der Kämpfe im Sommer sichern, er musste ja für die Firma mit den vier großen Buchstaben bei dieser regionalen Hampelveranstaltung starten, von der ihm jetzt noch die Nase schmerzt, weil er auf den langweiligen Strecken gar nicht mehr mit dem Nasebohren aufhören konnte und die Konkurrenz in Grund und Boden schwamm, radelte und lief. Der geneigte Leser wird sich sicherlich ehrfurchtsvoll grinsend an die Abenteuer unseres Heroen erinnern.

Demnach gilt als gesichert, dass Jupp sich erst 2009 zum König von Hawaii krönen wird. Na ja, vielleicht reicht es nicht bis nach ganz vorne, aber in den Altersklassen ab…sagen wir den 35-jährigen…wird keine Kraut gegen ihn gewachsen sein. Jupp hat sich noch nie durch mangelhaftes Selbstbewusstsein oder falsche Bescheidenheit ausgezeichnet. Nein, auf gar keinen Fall. Er sieht die Bilder schon genau vor sich: Majestätisch wie ein Mantarochen gleitet er durch die Fluten des warmen Pazifik, schwingt sich danach elegant auf sein NASA-Entwicklungs-Highlight-Carbon-Monocoque-Time-Trial-fünfkommavier-Kilogramm-Hightech-Zweirad und bollert wie einst Ulle in seinen besten Epo-Zeiten mit 75er Cadence über den Highway, wobei eine Spezialübersetzung von 55/13 malträtiert wird. Wissenschaftler haben ermittelt, dass Jupp exakt mit diesen Voraussetzungen die optimale Performance auf den Asphalt knallen wird.

Wie alles im Leben hat auch dieses Schöne ein Ende und es gilt nach 180 km zur Königsdisziplin zu Schreiten: mit Kohlfaser optimierte Laufschühchen lassen ihn locker über den kochenden Asphalt schweben. Für die Hitze hat unser Hero nur ein kaltes Grinsen übrig. Lächerlich…darüber stöhnen doch nur die Frauenversteher, die sich ihren Startplatz bei ebay erkauft haben. Jupp findet zwar auch, dass eine Qualifikation unter seiner Würde ist, aber das Schreiben vom Veranstalter, das er letzte Woche aufgrund seiner höflich formulierten Anfrage zwecks einer Wildcard 2008 erhielt und mit den Worten „Who the fuck you think you are…“ deutet darauf hin, dass er im kommenden Jahr wohl mit zwei Langstrecken rechnen muss. Lanzarote ist wohl die Wahl seiner Mittel, alles andere ist unter seinem Niveau.

Jupp schaltet das Radio ein und lauscht gebannt den Nachrichten. Ah ja, der Sport: „Der erfolgreiche Radprofi aus der Mineralwassertruppe scheint des Dopings überführt…Die Wetteraussichten...“ Die Ader seitlich am Hals von Jupp schwillt bedrohlich an. Schon wieder keine Meldung über den Ironman. Nur über diese zugeknallten Apotheken auf zwei Rädern. Bevor sich seine Wut noch weiter steigert, hält er schlagartig inne.
„Vielleicht sollte ich meine Bewerbungsmappe fertig machen“, denkt unser Hero, „denn denen gehen doch langsam aber sicher die Fahrer aus. Frisches Blut ist gefragt.“ Jupps Gesicht überzieht ein diabolisches Grinsen bei diesem Wortspiel. „Mein Alter sollte dabei keine Rolle spielen. Siehe das Ergebnis World Championship Hawaii 2009.“

 

 

 

 

 

 

© finisher concepts  | Top