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Jupp geht fremd. Nein, nicht was der geneigte Leser nun
von unserem Altersklassen-Hero Ü50 denkt. Frauen dienen
der Entspannung und der Off-Season, für solche
Kinkerlitzchen hat er keine Zeit. Der Herbst nähert sich
zwar mit riesigen Schritten, aber noch ist die
wettkampffreie Zeit nicht angebrochen.
Nein, Jupp wendet sich der Schmalspurvariante seines
geliebten Ausdauermehrkampfs zu und macht einen Duathlon.
Wie jetzt, Jupp kann auch mit einem Gewehr umgehen. Äh,
weiß niemand so wirklich, seine Ex lebt auf jeden Fall
noch. Aber das mit dem Gewehr findet auf Schnee statt und
heißt Biathlon. Und wenn Jupp eins hasst, dann ist es
Kälte.
Nein, Jupp will sich dazu herablassen, an einem Wettbewerb
dieser Pseudo-Sportart für die Weicheier, die nicht mal
Schwimmen können, teilzunehmen. Und damit der Rahmen
wenigstens ansatzweise seinen Ansprüchen gerecht werden
kann, fährt er am Wochenende zu unseren Freunden in den
Osten, wo nationale Meisterschaften ausgerichtet werden.
Jupp schnaubt verächtlich durch die Nase. Freistaat
Sachsen! Na, das wird was geben. Ob die überhaupt schon
geschlossenen Asphaltdecken auf ihren Wegen haben oder ob
er gleich den Crosser einpacken soll. Obwohl, in den
Nachrichten berichten sie ja immer darüber, wo unsere
verschwendeten Steuergelder hinfließen. „Ich vertraue mal
darauf, dass das stimmt, was die Ober-Ossi-Tante
regelmäßig in ihren Ansprachen an die Nation behauptet und
nehme meinen NASA-High-Tech-Carbon-Boliden mit. Dadurch
werde ich die paar Dellen im Asphalt, die großkotzig in
der Ausschreibung als Berge beschrieben werden, auf dem
großen Blatt platt walzen.“ Denkt sich Jupp.
Die letzten Tage vor dem Wettkampf vergehen wie im Flug
und die Form von Jupp ist wie immer gigantisch. Seine
Minuten-Laufintervalle dauerten exakt sechzig Sekunden und
beim letzten Durchgang hat er ein Karnickel eingefangen,
so wie einst der olle „Adrian-Adddriaaaan-AAAAdddrrriiiannn“
heulende Rocky, die Mutter aller Weicheier. Gut, bei dem
war es ein Hühnchen und das war nicht mit einer
todbringenden Virus infiziert, aber mit solchen
Nichtigkeiten will sich Jupp nicht aufhalten.
Am
Ort des Geschehens staunt Jupp nicht schlecht. Im Hotel
haben sie richtige Betten, fließend warmes Wasser und die
Menschen hier sind der deutschen Sprache tatsächlich
mächtig. Er ist frühzeitig angereist und wird mal die
Radstrecke erkunden. Über das Laufen macht er sich keine
Gedanken. „Berglauf, pfff, so ein Blödsinn. Die werden
schon checken, was ein Mann im besten Alter alles zu
leisten vermag.“ Jupps grimmiges Nicken erheitert die
Damen hinter der Rezeption.
Der Wind saust durch die Speichen seiner 105 mm
Profil-PPIZ Laufräder und die Kette surrt. Na, wer sagt’s
denn, schon knapp 50 Sachen auf dem Tacho, bilanziert Jupp
nach den ersten Tritten zufrieden und übersieht, dass es
erst einmal bergab geht. Kurz nur, aber dafür ist die
anschließende Steigung umso heftiger. Knurrend schaltet
Jupp aufs kleine Blatt und plötzlich vollführt seine
rechte Hand Schwerstarbeit. Aber wie es im Leben so ist,
nach dem 23 Rettungsanker ist plötzlich alles aus.
Glücklicherweise auch der Anstieg. Jupp blickt kurz über
die Schulter, als würde er einen abgehängten Rivalen
suchen. In Wahrheit will er sich nur versichern, dass
niemand gesehen hat, wie er sich die Beine verbogen hat.
Der Rest der Runde ist easy going. Der Überraschungseffekt
ist weg, morgen wird die Kuh fliegen. „Schließlich bin ich
ja jetzt im Bilde.“
Am
Wendepunkt nimmt sich Jupp die Muße und sieht sich die
berühmte Skisprungschanze an. Schlagartig wird ihm
bewusst, alles was seine Kollegen über ihn sagen ist
Mumpitz. Wenn es was Normales auf dieser Welt gibt, dann
ist es Triathlon. Die Jungs, die da runter springen, sind
die wahren Irren in diesem Sonnensystem.
Am
Wettkampfmorgen ist alles ganz anders. Jedenfalls viel
schlimmer als erwartet. Jupp öffnet das Fenster im
Hotelzimmer und erstarrt. Wo kommen diese arktischen
Temperaturen her? Gestern war doch hier noch totaler
Frieden und jetzt ist Krieg. Leicht verunsichert checkt
der Altersklassengigant aus dem Rheinland nach dem
Frühstück ein und er redet sich ein, dass es so kalt nun
auch wieder nicht ist. Einteiler, ein Laufshirt drunter,
Radhandschuhe und fertig.
Peng!!! Startschuss. Alle rennen los. Jupp locker hinter
der Meute her. In der Ruhe liegt die Kraft. Nach maximal
einem Kilometer wird er sich an die Spitze herangeschoben
haben. Doch wie es der Zufall so will, erhebt sich just in
dem Moment als unser Hero die zweite Raketenstufe zünden
will, ein Berg und stellt sich ihm in den Weg. Und das für
die kommenden sieben Kilometer. Jupp grummelt leise vor
sich hin, dass dies wohl eine Unverschämtheit wäre.
Niemand hätte ihn gewarnt und überhaupt. Hinter ihm quäkt
auf einmal eine kaum verständliche Stimme eines
pubertierenden Teenies, er solle mal gefälligst aufs Tempo
drücken. Er habe heute schließlich noch was vor. Tödlichst
beleidigt nimmt Jupp nun den Kampf mit Berg und Gegner auf
und überholt bis zum Wechsel dank der langen
Bergab-Passagen noch die Führende in der AK70.
Aber jetzt kommt ja seine Paradedisziplin – das Radeln.
Wieselflink wechselt Jupp nach vier Minuten 56 in der
Wechselzone auf seinen Carbonrenner und eilt dem Feld
hinterher. Ja, da war er wieder, dieser Flash. Der Rausch
der Geschwindigkeit und gratis dazu, dieses grausame
Gefühl von Kälte.
„Shit, was soll den der Mist. Kann hier niemand die
Heizung anschalten??? Nee??? Gut dann muss es eben so
gehen.“
Jupp keucht. Jupp flucht. Jupp tritt mit aller Kraft die
Übersetzung 39/23 und kommt dem alleinigen Starter in der
AK 75 immer näher. Da, schon passieren wir die Wende und
sind auf dem Rückweg. Fast schon der Aufbruch zur zweiten
Runde, dann noch so eine Pipi-Strecke laufen und schon bin
ich Meister aller Klassen. Dumm nur, dass vor der Wende an
der Wechselzone eine gefährliche und vor allem steile und
somit sehr schnelle Abfahrt liegt. Und dass der Herr im
Himmel Gegenwind schickt.
Unten angekommen, sieht Jupp plötzlich Eiskristalle auf
seinen Rodeo-High-Definition-Sunglases und schleppt sich
zitternd mit letzter Kraft zur Wechselzone. Mit vor Kälte
starren Fingern zieht er die Bremsen seines Pferdchens,
drückt dem Kommissär wortlos seine Startnummer in die Hand
und macht sich von dannen.
Wer für so eine blöde Kälte sorgt, hat nicht verdient,
dass ich seinen Tag mit meinem Zieldurchlauf aufwerte....
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