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Jupp der Eirenmän - Hero von nebenan

 

Wo ist die verdammte Heizung?
Oktober 2008 - by Oliver Keck

Jupp geht fremd. Nein, nicht was der geneigte Leser nun von unserem Altersklassen-Hero Ü50 denkt. Frauen dienen der Entspannung und der Off-Season, für solche Kinkerlitzchen hat er keine Zeit. Der Herbst nähert sich zwar mit riesigen Schritten, aber noch ist die wettkampffreie Zeit nicht angebrochen.

Nein, Jupp wendet sich der Schmalspurvariante seines geliebten Ausdauermehrkampfs zu und macht einen Duathlon. Wie jetzt, Jupp kann auch mit einem Gewehr umgehen. Äh, weiß niemand so wirklich, seine Ex lebt auf jeden Fall noch. Aber das mit dem Gewehr findet auf Schnee statt und heißt Biathlon. Und wenn Jupp eins hasst, dann ist es Kälte.

Nein, Jupp will sich dazu herablassen, an einem Wettbewerb dieser Pseudo-Sportart für die Weicheier, die nicht mal Schwimmen können, teilzunehmen. Und damit der Rahmen wenigstens ansatzweise seinen Ansprüchen gerecht werden kann, fährt er am Wochenende zu unseren Freunden in den Osten, wo nationale Meisterschaften ausgerichtet werden.

Jupp schnaubt verächtlich durch die Nase. Freistaat Sachsen! Na, das wird was geben. Ob die überhaupt schon geschlossenen Asphaltdecken auf ihren Wegen haben oder ob er gleich den Crosser einpacken soll. Obwohl, in den Nachrichten berichten sie ja immer darüber, wo unsere verschwendeten Steuergelder hinfließen. „Ich vertraue mal darauf, dass das stimmt, was die Ober-Ossi-Tante regelmäßig in ihren Ansprachen an die Nation behauptet und nehme meinen NASA-High-Tech-Carbon-Boliden mit. Dadurch werde ich die paar Dellen im Asphalt, die großkotzig in der Ausschreibung als Berge beschrieben werden, auf dem großen Blatt platt walzen.“ Denkt sich Jupp.

Die letzten Tage vor dem Wettkampf vergehen wie im Flug und die Form von Jupp ist wie immer gigantisch. Seine Minuten-Laufintervalle dauerten exakt sechzig Sekunden und beim letzten Durchgang hat er ein Karnickel eingefangen, so wie einst der olle „Adrian-Adddriaaaan-AAAAdddrrriiiannn“ heulende Rocky, die Mutter aller Weicheier. Gut, bei dem war es ein Hühnchen und das war nicht mit einer todbringenden Virus infiziert, aber mit solchen Nichtigkeiten will sich Jupp nicht aufhalten.

Am Ort des Geschehens staunt Jupp nicht schlecht. Im Hotel haben sie richtige Betten, fließend warmes Wasser und die Menschen hier sind der deutschen Sprache tatsächlich mächtig. Er ist frühzeitig angereist und wird mal die Radstrecke erkunden. Über das Laufen macht er sich keine Gedanken. „Berglauf, pfff, so ein Blödsinn. Die werden schon checken, was ein Mann im besten Alter alles zu leisten vermag.“ Jupps grimmiges Nicken erheitert die Damen hinter der Rezeption.

Der Wind saust durch die Speichen seiner 105 mm Profil-PPIZ Laufräder und die Kette surrt. Na, wer sagt’s denn, schon knapp 50 Sachen auf dem Tacho, bilanziert Jupp nach den ersten Tritten zufrieden und übersieht, dass es erst einmal bergab geht. Kurz nur, aber dafür ist die anschließende Steigung umso heftiger. Knurrend schaltet Jupp aufs kleine Blatt und plötzlich vollführt seine rechte Hand Schwerstarbeit. Aber wie es im Leben so ist, nach dem 23 Rettungsanker ist plötzlich alles aus. Glücklicherweise auch der Anstieg. Jupp blickt kurz über die Schulter, als würde er einen abgehängten Rivalen suchen. In Wahrheit will er sich nur versichern, dass niemand gesehen hat, wie er sich die Beine verbogen hat. Der Rest der Runde ist easy going. Der Überraschungseffekt ist weg, morgen wird die Kuh fliegen. „Schließlich bin ich ja jetzt im Bilde.“

Am Wendepunkt nimmt sich Jupp die Muße und sieht sich die berühmte Skisprungschanze an. Schlagartig wird ihm bewusst, alles was seine Kollegen über ihn sagen ist Mumpitz. Wenn es was Normales auf dieser Welt gibt, dann ist es Triathlon. Die Jungs, die da runter springen, sind die wahren Irren in diesem Sonnensystem.

Am Wettkampfmorgen ist alles ganz anders. Jedenfalls viel schlimmer als erwartet. Jupp öffnet das Fenster im Hotelzimmer und erstarrt. Wo kommen diese arktischen Temperaturen her? Gestern war doch hier noch totaler Frieden und jetzt ist Krieg. Leicht verunsichert checkt der Altersklassengigant aus dem Rheinland nach dem Frühstück ein und er redet sich ein, dass es so kalt nun auch wieder nicht ist. Einteiler, ein Laufshirt drunter, Radhandschuhe und fertig.
Peng!!! Startschuss. Alle rennen los. Jupp locker hinter der Meute her. In der Ruhe liegt die Kraft. Nach maximal einem Kilometer wird er sich an die Spitze herangeschoben haben. Doch wie es der Zufall so will, erhebt sich just in dem Moment als unser Hero die zweite Raketenstufe zünden will, ein Berg und stellt sich ihm in den Weg. Und das für die kommenden sieben Kilometer. Jupp grummelt leise vor sich hin, dass dies wohl eine Unverschämtheit wäre. Niemand hätte ihn gewarnt und überhaupt. Hinter ihm quäkt auf einmal eine kaum verständliche Stimme eines pubertierenden Teenies, er solle mal gefälligst aufs Tempo drücken. Er habe heute schließlich noch was vor. Tödlichst beleidigt nimmt Jupp nun den Kampf mit Berg und Gegner auf und überholt bis zum Wechsel dank der langen Bergab-Passagen noch die Führende in der AK70.

Aber jetzt kommt ja seine Paradedisziplin – das Radeln. Wieselflink wechselt Jupp nach vier Minuten 56 in der Wechselzone auf seinen Carbonrenner und eilt dem Feld hinterher. Ja, da war er wieder, dieser Flash. Der Rausch der Geschwindigkeit und gratis dazu, dieses grausame Gefühl von Kälte.

„Shit, was soll den der Mist. Kann hier niemand die Heizung anschalten??? Nee??? Gut dann muss es eben so gehen.“
Jupp keucht. Jupp flucht. Jupp tritt mit aller Kraft die Übersetzung 39/23 und kommt dem alleinigen Starter in der AK 75 immer näher. Da, schon passieren wir die Wende und sind auf dem Rückweg. Fast schon der Aufbruch zur zweiten Runde, dann noch so eine Pipi-Strecke laufen und schon bin ich Meister aller Klassen. Dumm nur, dass vor der Wende an der Wechselzone eine gefährliche und vor allem steile und somit sehr schnelle Abfahrt liegt. Und dass der Herr im Himmel Gegenwind schickt.

Unten angekommen, sieht Jupp plötzlich Eiskristalle auf seinen Rodeo-High-Definition-Sunglases und schleppt sich zitternd mit letzter Kraft zur Wechselzone. Mit vor Kälte starren Fingern zieht er die Bremsen seines Pferdchens, drückt dem Kommissär wortlos seine Startnummer in die Hand und macht sich von dannen.

Wer für so eine blöde Kälte sorgt, hat nicht verdient, dass ich seinen Tag mit meinem Zieldurchlauf aufwerte....

 

 

 

 

 

 

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