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Es
rauscht gewaltig im Blätterwald. Die gelobte Presse
spricht von einer Elefantenhochzeit. Bilanzsummen jenseits
von Gut und Böse und noch mehr zu entlassende Mitarbeiter
– aber das nehmen wir zum Wohle unseres Landes doch gerne
in Kauf.
Jupp legt kopfschüttelnd die Tageszeitung zur Seite und
streckt die müden Beine aus. Montagmorgen, der Tag nach
dem Kurzstrecken-Triathlon in Viernheim. Zum Glück hat er
heute einen Gleittag in der Firma eingetragen. Wer hätte
gedacht, dass dieser Popelwettkampf so anstrengend sein
würde.
Natürlich war Jupp wie immer toll. Erst kritisierte er die
Veranstalter, weil sie ihn erst in der zweiten Startgruppe
von der Kette ließen. Dann pflügte er durch die Fluten wie
wenige Wochen zuvor Superstar Michael Phelps…oder sagen
wir wie die deutschen Vertreter in Peking…wenn man seine
Zeit betrachtet.
Aber es fühlte sich toll an. Jupp sprang auf seine
hypermoderne Carbonmaschine, ausgestattet mit superleichte
Aero-Berglauf-Stabilitäts-Laufrädern mit zwei Speichen und
prügelte seinen Hobel über alle im Weg stehenden Anstiege.
Was für ein Kinderkram hier, nichts wirklich
herausforderndes für einen wahren Eiermän.
Da
die Strecke aber aufgrund baulicher Begebenheiten
verlängert wurde, konnte er seine Dominanz auf dem Rad
noch besser dem breiten Publikum präsentieren. Aber alles
Schöne hat einmal ein Ende und es galt, die Laufschuhe zu
schnüren. Leichtfüßig wie einst der Comic-Held „Roter
Blitz“ bollerte er durch den hessischen Wald der
ausrichtenden Gemeinde und hinterließ tiefe Rillen im
Waldboden, ob seiner phantastischen Geschwindigkeit.
Das trötelnde Volk aus dem Weg zu Scheuchen kostete mehr
Puste, als diese lächerliche Sprinteinlage und so
zelebrierte Jupp seinen Zieleinlauf gebührend. Dass ihm
dabei ein Konkurrent aus seiner Altersklasse durch die
Lappen ging, was ihm letztlich den Sieg in derselben
kostete, stellte Jupp kurzfristige vor die Frage: Strick
oder Kugel. Andererseits handelt es sich hier ja nur um
einen pobelige Kurzstrecke, da kann man so einen Fauxpas
gönnerhaft verschmerzen. Nach der Siegerehrung kehrt Jupp
zufrieden in sein Pfälzer Domizil zurück.
Jupps verträumter Blick klart langsam auf und seinen
Gedanken kehren in die Realität zurück. Also schluckt die
eine Großbank die andere. Schön, aber nichts geschieht auf
dieser Welt ohne Auswirkung auf den modernen Dreikampf.
Und es gibt keinen Spezialisten auf dieser Welt, der über
mehr Background-Wissen aus der Szene verfügt als Jupp.
Da
spinnen wir den Gedanken doch einmal weiter. Ein deutscher
Triathlet wird nun Herr über einen anderen deutschen
Triathleten. Beide sind erfolgreich im Profi-Zirkus tätig,
einem Bereich, der knapp unter Jupps aktuellem
Leistungsvermögen angesiedelt ist. Beide stammen aus der
Rhein-Neckar-Region und starten sogar für denselben
Verein. Wie wird es da zukünftig weitergehen??? Muss der
stürmische Normanne zukünftig den viel zu braven Timmi um
Erlaubnis fragen, ob er an einem Wettkampf starten darf?
Wenn sie zusammen starten, muss er den nun wirtschaftlich
Potenteren stets den Vortritt lassen? Zwingt er ihn
vielleicht sogar, das Profi-Dasein zu beenden. Damit der
Weg zum Thron auf Kona für den nächsten Deutschen endlich
frei ist?
Ein süffisantes Grinsen breitet sich auf Jupps Gesicht
aus. Herrlich, wenn zwei sich streiten, freut sich der
Dritte. Macht mal, Jungs, zerfleischt Euch gegenseitig.
Meine Zeit wird kommen. Dank meines Chefs habt ihr ja eine
Gnadenfrist bis Hawaii 2009. Dann wird aufgeräumt. Ich
werde Euch beide ausbremsen auf dem Weg nach ganz oben. |