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Jupp der Eirenmän - Hero von nebenan

 

Jupp goes Olympia…
August 2008 - by Oliver Keck

Fasziniert starrt Jupp auf den Bildschirm. Es ist August, die heiße Vorbereitungsphase für seinen Überraschungscoup bei der berühmt-berüchtigten Kurzdistanz im Bundesland des Äppelwois Ende des Monats sind abgeschlossen. Der clevere Athlet – personifiziert als Jupp, der Schrecken aller Altersklassen-Heroen – kennt sich natürlich aus und tapert. Zuhause, auf der Couch, mit Chips und Bier bewaffnet und schaut sich die Zusammenfassung der Olympischen Schwimmwettbewerbe an.

Live kann er die Entscheidungen natürlich nicht verfolgen – wie auch, zu Nacht schlafender Zeit, wenn sich der geschundene Athletenkörper von den 20 x 5 min Laufintervallen des Vortages erholen muss. Kaum ein anderer wie Jupp ist in die Tiefen der Trainingslehren vorgedrungen auf der Suche nach den ultimativen Erkenntnissen. Aus den unendlichen Weiten…halt, stopp, Entschuldigung – das war ja eine andere Geschichte.

Jedenfalls lümmelt Jupp auf seiner Couch und sieht, wie so ein amerikanischer Lümmel in so einem lächerlichen Strampelanzug mit Sternen und Streifen durchs Wasser prügelt. Eigentlich gleitet er ja durchs nasse Element, als sei er darin geboren und hätte Probleme, sich aufrecht an Land fortzubewegen. Aber so etwas kann Jupp natürlich nicht zugeben. Nicht einmal gegenüber seiner Katze, die durch sein angeschältes Grummeln immer wieder aus dem Schlaf gerissen wird.

Jupp kann diesen ganzen Hype um diesen hässlichen Ami nicht nachvollziehen. Dem jubeln die Frauen zu? Unfassbar. Der besteht doch nur aus Haut und Knochen. Und das bisschen Schwimmen kann doch wirklich jeder. Für Jupp wird schnell klar: er muss den ultimativen Beweis erbringen, dass dieses angeblich formvollendete Rumgewackel im Planschbecken nichts ist, womit man Super-Jupp auch nur die Bohne beeindrucken könnte.

Da fällt ihm siedendheiß ein, dass der Schwimmverein, dem er sich hier angeschlossen hat und dessen Aushängeschild er nach wenigen Monaten schon geworden ist, alljährlich einen Wettbewerb für die Altersklassen ab 20 veranstaltet. Und wenn er sich recht erinnert, wird dies kommendes Wochenende sein. Schnell das Internet befragt, richtig, kommenden Samstag. Gut, er hat eh nichts vor, warum dann nicht einfach einen neuen Weltrekord in der AK50 aufstellen. Oder besser noch eine Zeit für die Ewigkeit. Mal schauen, denkt der Gute, was die so anbieten…50 m Freistil, nee, dafür ziehe ich die Badehose nicht an…ahh, da, na ja, wenigstens 100 m Freistil bieten sie an. Besser als nix. Jupp hängt den Hörer aus und klärt alle Formalitäten mit dem Trainer. Den beinahe flehentlichen Unterton bei der Rückfrage, ob er wirklich sicher sei, fällt Jupp gar nicht weiter auf.

„Natürlich, Chris, was denkst du denn??? Ich bin momentan so was von in Form. Ha. Ihr könnt froh sein, wenn noch Wasser im Becken ist, nachdem ich da durchgepflügt bin! Was??? Ja, klar. AK50. Kannst den anderen Gurken sagen, dass sie sich ihr Benzingeld sparen können. Wie??? Ja geht klar, komme pünktlich. Bis Samstag…“ Jupp legt auf und strahlt wie ein Kind unter dem Weihnachtsbaum. Ha, denkt er sich, das wird was geben. Ein Gemetzel.
Und erneut wird sich zeigen, wie Recht der gute Jupp mal wieder hat.

Samstagabend trifft Jupp pünktlich am Freibad ein. In seiner Tasche neben der klassischen Badehose – sollte für die Pfeifen ja genügen – auch seine neue Geheimwaffe. Nö, kein Speedy LCD GAnzkörperkondom, was viel besseres: ein aus feinstem, hauchdünn geschnittenen Neopren gefertigter Shorty, mit dem schon der zweitbeste Athlet nach ihm im Pazifik geschwommen ist und alle seine Mitstreiter vor zwei Jahren verblüfft hat. Nur eben ein noch besseres Update, absolut bug-frei im Gegensatz zu mancher Software eines großen Verkaufshauses jenseits des großen Teiches.

Jupp hat das Teil nur zur Zierde dabei. Zum einen braucht er für die lächerliche Konkurrenz nur eine Badehose, zum anderen ist der Anzug viel zu Schade, um ihn dem schädlichen Chlorwasser auszusetzen. Vielleicht, aber wirklich nur vielleicht, wenn es nachher kurz vor 22.00 Uhr ein wenig frischer geworden ist, zieht er ihn vielleicht doch an. Der Wärme und nicht des Rekords wegen. Den packt er auch so.

Als Jupp durch den Eingang schlendert, sieht er die an die Wand getackerte Meldeliste. Ah, denkt er sich, da wollen wir doch mal einen Blick auf meine Opfer werfen. Jupp blickt gelangweilt auf die Listen, fährt mit dem Finger daran entlang, um seine Altersklasse zu suchen und erstarrt. Er wischt sich über die Augen und starrt nochmals völlig fassungslos auf die Liste. OK, denkt er sich, Badehose pur hat sich erledigt. Die Ansage von 1:03,54 min von einem Olek Irgendwie sind ein Brett. Das wird schwer, das weiß auch Jupp.

Der Wettkampf nimmt seinen Lauf und ehe Jupp es sich versieht, muss er sich schon warm machen. Wie befürchtet wird es empfindlich kühl, wir erinnern uns, dass wir August haben, aber der Wettergott das irgendwie verwechselt hat, aber so hat Jupp wenigstens eine Ausrede. Da, der Aufruf zum Start. Jupp zwängt sich, wie er es bei Olympia gesehen hat, in seine perfekt sitzende zweite Haut. Dank seiner Badekappe, die er schon einmal aufgezogen hat, hört Jupp das Gekicher der drei jungen Damen hinter ihm am Beckenrand nicht. Während im TV die Figuren der Schwimmer in den Anzügen gottgleichen Statuen herüberkommen, erinnert seine Figur eher an die einer Birne. Nun dringt doch Gemurmel durch das Gummi über seinem schütteren Haupthaar und er dreht sich um und blickt in ausdruckslose Gesichter, die irgendwo am Horizont schräg über ihm im Nachthimmel einen imaginären Punkt fixieren. Der Wettkampfrichter scheint irgendwelche Schmerzen zu haben, so grimassenhaft wie er das Gesicht verzieht. Lusche, denkt Jupp, steht da mit langer Hose und Pullover und pienst wegen dem bisschen Kälte.

Ein Pfiff ertönt und Jupp steigt auf den Startblock. Das Kommando kommt und Jupp stößt sich mit aller Kraft vom Startblock ab. Leider rutscht er auf der nassen Unterlage aus und fällt kopfüber ins Wasser. Als er prustend wieder auftaucht, richtet er flugs seine verrutschte Schwimmbrille und jagt der Konkurrenz mit heftig rudernden Armbewegungen hinterher. Beinschlag – ja, da war etwas, aber das lässt Jupp lieber, braucht er nicht. Nach ungefähr 35 m wundert sich Jupp, wo auf einmal die ganzen Wellen her kommen. Er ahnt nicht, dass diese Wellen ihm eigentlich signalisieren, dass seine Gegner schon auf dem Rückweg sind. Jupp verzichtet auf eine Rollwende, da er zeitlich genug Spielraum hat, um sich auf eine klassische Kippwende einzulassen.

Leider hat er vergessen, dass er Beckenrand mit einem Gitter erhöht wurde, wie es bei Schwimmwettkämpfen eben üblich ist. Irgendwie packt er es doch und macht sich auf den Rückweg. Durch seine leicht beschlagene Brille sieht Jupp nur noch stilles Wasser rechts und links. Na also, wer sagt’s denn. Frohgelaunt macht sich Jupp auf den Rückweg. Nach rasend schnell absolvierten zweiten 50 m schlägt Jupp am Becken an. Jupp reißt sich die Brille vom Kopf und blickt in das verärgerte Gesicht der Zeitnehmerin. „Ach, auch schon da? Los, kommen Sie schon aus dem Becken. Die anderen sind längst in der Pause und mir ist auch kalt.“

Schwups dreht sie sich um und lässt einen verständnislosen Jupp im Becken zurück…

 

 

 

 

 

 

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