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Jupp der Eirenmän - Hero von nebenan

 

Erstens kommt es anders und zweitens noch viel Schlimmer
Juli 2008 - by Oliver Keck

Morgens um 07.00 Uhr ist die Welt noch in Ordnung. Es sei denn, man heißt Jupp, ist the world greatest age grouper ironman alive – wobei, das age grouper könnte man eigentlich unter den Tisch fallen lassen – und sitzt an einem verregneten Montag im Juni an seinem Schreibtisch an seinem noch relativ neuen Arbeitsplatz in der Firma mit den vier großen Buchstaben. Die Firma, die sich verantwortlich für die neue Sauberkeit des Rheins und die klare Luft im Einzugsgebiet der halben Pfalz zeigt.

Jedenfalls sinniert Jupp gerade darüber nach, wie er heute seinen Nachmittag trainingstechnisch sinnvoll gestalten könnte. Immerhin ist er am Wochenende 256 km im 24er Schnitt rumgeheizt, um anschließend in seinen Mike Freeway noch ein paar Bergläufe zu absolvieren. Den halben Kasten dunkles Hefeweizen hatte er sich dann nach den 36 km durch den nahegelegenen Wald verdient.
Seine Gedanken werden jäh unterbrochen, als die Kaffeeschubse von seinem Boss reinschneit. Wie immer, ihn verächtlich angrinsend – was Jupp als ihr gesteigertes Interesse an seiner Männlichkeit interpretiert – und teilt ihm lässig mit.
„Der Chef will Sie sprechen – sofort.“ Schnippisch betont sie das letzte Wort, macht auf dem Absatz kehrt und stöckelt die Hüften schwingend wieder aus seinem Büro. Jupp spritzt von seinem Schreibtischstuhl auf, hinter ihr Grimassen schneidend. Obwohl, das Fahrgestell von der Alten ist ja immer noch klasse, da könnte man…

Jupp wischt die Gedanken mit einem unwilligen Kopfschütteln beiseite und überlegt fieberhaft, was Cheffe wohl von ihm will. Sicherlich will er ihn darauf hinweisen, er die Quartalszahlen nicht vergessen soll. Wie könnte er nur. Die hat er doch bei seinen Berglaufintervallen am Wochenende nebenher auf seinem Tramin Wegrenner 0815 mit eingegeben. Er eilt der Schnepfe also hinterher und erreicht einen Tick zu heftig schnaufen die heiligen Hallen der Controllingabteilung, in der er tätig ist.

„Ah, Meier, kommen Sie rein. Kommen Sie rein. Sie wissen schon, was im Juli auf sie zukommt.“
Erfreut über so viel Aufmerksamkeit und stolz wie Oskar platzt es aus Jupp heraus. „Klar, Herr Müller. Am ersten Wochenende im Juli werde ich beim Eierman Germanien die Ehre der Teutonen retten und mich für das Highlight eines jeden Triathleten im Oktober qualifizieren – meinen Start beim Eierman Hawaii steht nichts im Wege.“ Jupps Stimme ist immer lauter geworden und die letzten Worte schmettert er in einer Tonlage in den Raum, für die so mancher Tenor sein letztes Hemd gegeben hätte.

Der so aus seinen Notizen gerissene Vorgesetzte zuckt merklich zusammen und richtet seinen erstaunten Blick auf den immer noch vor ihm stehenden Jupp. „Wie? Was? Eierman??? Was ist denn das? Blödsinn Meier – sie vertreten unsere Abteilung beim Fitness-Triathlon in Ladenburg. Sie machen doch Triathlon, oder? Ich denke schon. Und dass Sie mir keine Schande bereiten. Hier.“ Der Chef reicht Jupp einen Zettel, auf dem er eine Nummer gekritzelt hat. „Rufen Sie die Nummer an und lassen Sie sich von Herrn Ballweg entsprechend mit einem, wie heißt das…, ah ja, einem Rennanzug versorgen. Und viel Spaß beim Training. Ich erwarte, dass Sie alle Ihre Freizeit zur Vorbereitung nutzen und keine wertvolle Energie für diesen, diesen Eierman verplempern. Sie wollen doch bestimmt ein Büro, das näher zu meinem liegt, oder? Dachte ich mir doch.“ Sprichts und wendet sich wieder seinem Notebook zu.

Jupp ist sprachlos und bleibt völlig verdattert mitten im Raum stehen. Er merkt gar nicht, wie eine kalte Hand ihn am Arm packt und aus dem Heiligtum der Abteilung mit Gewalt zieht.
„Sagen Sie mal, Meier“, zischelt die Schnepfe mit dem geilen Fahrgestell, „merken Sie eigentlich noch was? Der Chef hat Sie doch schon aus seiner Audienz entlassen. Wie können Sie es wagen, einfach wie ein Volltrottel stehen zu bleiben?“ Sie schaut ihn kurz an und erkennt seinen leeren Blick. „Was heißt hier eigentlich wie?“ Erneut schüttelt sie den Kopf. „Eins sag ich Ihnen, Meier: wenn wegen Ihrer Blödheit mein Nagellack ruiniert ist, dann können Sie was erleben.“ Sie stellt den immer noch zu keiner Reaktion fähigen Jupp im Vorzimmer ab und betrachtet kritisch ihr Werk. „Da haben Sie aber noch einmal Glück gehabt. Und jetzt raus hier, wir werden nicht fürs quatschen bezahlt.“
Wie in Trance begibt sich Jupp zurück in sein Büro. Das kann nicht sein, was er da eben gehört hat. Einen Fitness-Triathlon soll er machen. Geht’s noch? Was soll er denn mit dieser Kinderkacke. Sich mit absoluten Newbies rumärgern, die ihm auch noch andauernd im Weg rumtorkeln. Womit habe ich das nur verdient, denkt Jupp und kann nur mühsam seine Tränen zurückhalten.

All die ganze Vorbereitung. Die Qualen, die vielen langen, hart machenden Ausfahrten und Dauerläufe – alles für die Katz. Jupp denkt darüber nach, sich heute Abend hinter einen Zug zu werfen oder zumindest die Biervorräte seiner bereits in Besitz genommenen Stammkneipe zu killen.
Jupp wirft einen Blick aus dem Fenster. Es kübelt immer noch wie aus Eimern. Na ja, denkt sich Jupp, vielleicht ist ein kurzes Läufchen bei dem Mistwetter doch besser als der vorhin spontan geplante Halbmarathon bei dem er seine Bestzeit von 1:57:58 h schon im Training angreifen wollte. Was er jetzt braucht, ist noch mehr Schnelligkeit. Und wie sagt der Volksmund: in der Kürze liegt die Würze…

 

 

 

 

 

 

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