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Morgens um 07.00 Uhr ist die Welt noch in
Ordnung. Es sei denn, man heißt Jupp, ist the world
greatest age grouper ironman alive – wobei, das age
grouper könnte man eigentlich unter den Tisch fallen
lassen – und sitzt an einem verregneten Montag im Juni an
seinem Schreibtisch an seinem noch relativ neuen
Arbeitsplatz in der Firma mit den vier großen Buchstaben.
Die Firma, die sich verantwortlich für die neue Sauberkeit
des Rheins und die klare Luft im Einzugsgebiet der halben
Pfalz zeigt.
Jedenfalls sinniert Jupp gerade darüber
nach, wie er heute seinen Nachmittag trainingstechnisch
sinnvoll gestalten könnte. Immerhin ist er am Wochenende
256 km im 24er Schnitt rumgeheizt, um anschließend in
seinen Mike Freeway noch ein paar Bergläufe zu
absolvieren. Den halben Kasten dunkles Hefeweizen hatte er
sich dann nach den 36 km durch den nahegelegenen Wald
verdient.
Seine Gedanken werden jäh unterbrochen, als die
Kaffeeschubse von seinem Boss reinschneit. Wie immer, ihn
verächtlich angrinsend – was Jupp als ihr gesteigertes
Interesse an seiner Männlichkeit interpretiert – und teilt
ihm lässig mit.
„Der Chef will Sie sprechen – sofort.“ Schnippisch betont
sie das letzte Wort, macht auf dem Absatz kehrt und
stöckelt die Hüften schwingend wieder aus seinem Büro.
Jupp spritzt von seinem Schreibtischstuhl auf, hinter ihr
Grimassen schneidend. Obwohl, das Fahrgestell von der
Alten ist ja immer noch klasse, da könnte man…
Jupp wischt die Gedanken mit einem
unwilligen Kopfschütteln beiseite und überlegt fieberhaft,
was Cheffe wohl von ihm will. Sicherlich will er ihn
darauf hinweisen, er die Quartalszahlen nicht vergessen
soll. Wie könnte er nur. Die hat er doch bei seinen
Berglaufintervallen am Wochenende nebenher auf seinem
Tramin Wegrenner 0815 mit eingegeben. Er eilt der Schnepfe
also hinterher und erreicht einen Tick zu heftig schnaufen
die heiligen Hallen der Controllingabteilung, in der er
tätig ist.
„Ah, Meier, kommen Sie rein. Kommen Sie
rein. Sie wissen schon, was im Juli auf sie zukommt.“
Erfreut über so viel Aufmerksamkeit und stolz wie Oskar
platzt es aus Jupp heraus. „Klar, Herr Müller. Am ersten
Wochenende im Juli werde ich beim Eierman Germanien die
Ehre der Teutonen retten und mich für das Highlight eines
jeden Triathleten im Oktober qualifizieren – meinen Start
beim Eierman Hawaii steht nichts im Wege.“ Jupps Stimme
ist immer lauter geworden und die letzten Worte schmettert
er in einer Tonlage in den Raum, für die so mancher Tenor
sein letztes Hemd gegeben hätte.
Der so aus seinen Notizen gerissene
Vorgesetzte zuckt merklich zusammen und richtet seinen
erstaunten Blick auf den immer noch vor ihm stehenden
Jupp. „Wie? Was? Eierman??? Was ist denn das? Blödsinn
Meier – sie vertreten unsere Abteilung beim
Fitness-Triathlon in Ladenburg. Sie machen doch Triathlon,
oder? Ich denke schon. Und dass Sie mir keine Schande
bereiten. Hier.“ Der Chef reicht Jupp einen Zettel, auf
dem er eine Nummer gekritzelt hat. „Rufen Sie die Nummer
an und lassen Sie sich von Herrn Ballweg entsprechend mit
einem, wie heißt das…, ah ja, einem Rennanzug versorgen.
Und viel Spaß beim Training. Ich erwarte, dass Sie alle
Ihre Freizeit zur Vorbereitung nutzen und keine wertvolle
Energie für diesen, diesen Eierman verplempern. Sie wollen
doch bestimmt ein Büro, das näher zu meinem liegt, oder?
Dachte ich mir doch.“ Sprichts und wendet sich wieder
seinem Notebook zu.
Jupp ist sprachlos und bleibt völlig
verdattert mitten im Raum stehen. Er merkt gar nicht, wie
eine kalte Hand ihn am Arm packt und aus dem Heiligtum der
Abteilung mit Gewalt zieht.
„Sagen Sie mal, Meier“, zischelt die Schnepfe mit dem
geilen Fahrgestell, „merken Sie eigentlich noch was? Der
Chef hat Sie doch schon aus seiner Audienz entlassen. Wie
können Sie es wagen, einfach wie ein Volltrottel stehen zu
bleiben?“ Sie schaut ihn kurz an und erkennt seinen leeren
Blick. „Was heißt hier eigentlich wie?“ Erneut schüttelt
sie den Kopf. „Eins sag ich Ihnen, Meier: wenn wegen Ihrer
Blödheit mein Nagellack ruiniert ist, dann können Sie was
erleben.“ Sie stellt den immer noch zu keiner Reaktion
fähigen Jupp im Vorzimmer ab und betrachtet kritisch ihr
Werk. „Da haben Sie aber noch einmal Glück gehabt. Und
jetzt raus hier, wir werden nicht fürs quatschen bezahlt.“
Wie in Trance begibt sich Jupp zurück in sein Büro. Das
kann nicht sein, was er da eben gehört hat. Einen
Fitness-Triathlon soll er machen. Geht’s noch? Was soll er
denn mit dieser Kinderkacke. Sich mit absoluten Newbies
rumärgern, die ihm auch noch andauernd im Weg rumtorkeln.
Womit habe ich das nur verdient, denkt Jupp und kann nur
mühsam seine Tränen zurückhalten.
All die ganze Vorbereitung. Die Qualen, die
vielen langen, hart machenden Ausfahrten und Dauerläufe –
alles für die Katz. Jupp denkt darüber nach, sich heute
Abend hinter einen Zug zu werfen oder zumindest die
Biervorräte seiner bereits in Besitz genommenen
Stammkneipe zu killen.
Jupp wirft einen Blick aus dem Fenster. Es kübelt immer
noch wie aus Eimern. Na ja, denkt sich Jupp, vielleicht
ist ein kurzes Läufchen bei dem Mistwetter doch besser als
der vorhin spontan geplante Halbmarathon bei dem er seine
Bestzeit von 1:57:58 h schon im Training angreifen wollte.
Was er jetzt braucht, ist noch mehr Schnelligkeit. Und wie
sagt der Volksmund: in der Kürze liegt die Würze…
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