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Spielzeuge braucht der Triathlet. Insbesondere unser Jupp,
der Eiermän. Wie sich der geneigte Leser sicherlich
erinnert, kann Jupp keiner technischen Neuerung
widerstehen und muss immer die neuesten Neuigkeiten um
sich scharen.
So kommt es, dass sich der gute Jupp in Vorbereitung auf
seinen ersten Saisonhöhepunkt – natürlich den Eiermän in
der Bier- und Bankenmetropole und selbstverständlich mit
fest einkalkulierter neuer Fabelrekordzeit der AK50
inklusive Hawaii-Ticket - ein kleines, funktionelles
Helferlein auf seinem neuen Plastik-Staffelbomber
montiert.
Ja, ja, er hat sich ein neues Turbo-Geschoss zugelegt,
nachdem ja auch der stürmischste aller Teutonen einen
neuen Hobel hat, blieb ihm ja nichts anderes übrig. Und
großzügig wie Jupp nun mal ist, hat er das Teil sogar
bezahlt, wollte was für die Wirtschaft tun, nuschelt er in
seine drei Barthaare. Hat das Sponsoring großzügig
abgelehnt, und so…
Ah ja, aber das interessiert ja alles nicht. Nicht???
Nein, es geht um das kleine Helferlein, das wenige
Zentimeter oberhalb des Drei-Phasen-Carbon-Lenkers frei in
der Luft zu schweben scheint – ein
Multifunktions-Hyper-Cycle-Technology-Rechner von
FahrMalHin – selbstredend mit GPS, so dass unser alter
Pfadfinder immer wieder schön nach Hause findet. Nicht
dass er dies nötig hätte…aber…Jupp, macht eine unwillige
Bewegung mit dem Kopf und erklärt stattdessen strahlend,
dass die Hardware des Helferleins früher, wo alles
angeblich noch besser war, mehrere Stockwerke des Empire
State Buildings gefüllt hätte. Äh, na ja, früher eben.
Jupp hat sich seinen neuen, größten Stolz vor wenigen
Tagen für wenig Kohle, also fast geschenkt, in der Bucht
bei einem äußerst seriösen Powerseller mit 80% negativer
Bewertung geschossen und musste nur zweimal Mahnen, bis er
das Päckchen glücklich in seinen Händen hält. Hastig reißt
er es auf und findet…ein weiters Päckchen. Hmm, auch das
sollte kein Problem darstellen und richtig – darin liegt
ja das Objekt der Begierde.
Zufrieden hält Jupp seinen neuen – Proleten und
Nichtschecker würden sagen – Tacho in die Luft und
bewundert…die zahlreichen Kratzer auf der Rückseite des
Multifunktionsrechners. Na ja, zur Not kann man darüber
hinwegsehen. Der Rest der versprochenen Lieferung ist
vollzählig und in kürzester Zeit am Bomber montiert. Mehr
braucht man nicht zu beachten, die Sonne scheint und los
geht die Fahrt.
Begeistert glotzt Jupp auf das umfangreiche, aber sehr
übersichtliche Display des kleinen Helferleins. Voller
Interesse verfolgt er die zahlreichen Grafiken und Kurven,
die ihm die Geheimnisse seiner Trainingsfahrt offenbaren.
„Boah, wie geil ist dass denn?“, denkt der Gute, als er
nach einer Rechtskurve seinen breiten Hintern, den er in
seinen Hyper-Baumwolle-Swimsuit gepresst hat, aus dem
Sattel hebt und kräftig mit rund 150 Watt in die
superleichten Pedale tritt, mit denen seine zarten Füße
verbunden sind, die ihrerseits wiederum durch wohlige,
sehr enganliegenden, mit Hirschleder überzogenen
Radschühchen verwöhnt werden. Nach drei Umdrehungen setzt
sich Jupp keuchend wieder in den Sattel und übersieht die
kleine Straße, die von rechts auf die Spur mündet, auf der
er sich gerade befindet.
Dumm nur, dass er in dem Moment den Kraftverlauf seines
Antrittes nachvollzieht und sich im Geiste schon den neuen
Nachnamen Zabel auf dem Einwohnermeldeamt eintragen lässt,
als ein Vorfahrtberechtiger Kleintransporter Modell
Sprinter – durch ihre rücksichtsvolle Fahrweise allgemein
bekannt und geachtet – aus der Straße heizt und Jupp samt
Plastikbomber auf die Kühlerhaube nimmt.
Der Rest ist schnell erzählt: Jupp wacht im Krankenhaus
wieder auf und blickt auf seine beiden eingegipsten Beine.
Die Tür geht auf und ein ernst blickender, älterer Herr,
komplett in Weiß gehüllt, tritt ins Zimmer.
„Ah, Herr Meier, da haben wir ja nochmals Glück gehabt“,
eröffnet er grußlos das Gespräch. „Äh ja, und wobei??? Und
warum wir???“, denkt sich Jupp.
„Sie haben außer zwei Frakturen an ihren Oberschenkeln
keine Verletzungen davon getragen. In zwei bis drei
Monaten können Sie schon mit der Reha beginnen und bis zum
Ende des Jahres sind sie wieder völlig hergestellt.“
Jupp glaubt sich verhört zu haben. „Was haben Sie da
gesagt? Zwei bis drei Monate? Guter Mann, in vier Wochen
ist der Eiermän in Frankfurt, wo ich mir die Qualifikation
für Hawaii holen werde und dann geht es zielstrebig
Richtung Saisonfinale auf die Pazifikinsel.“
Der Arzt schaut ihn an, als hätte er einen Irren vor sich
– was man ja auch getrost so stehen lassen könnte. „Mein
lieber Herr Meier – das können Sie sich auf alle Fälle
abschminken. Da geht erst einmal gar nichts. Und überhaupt
– ich kenne zwar ihre Vermögensverhältnisse nicht – aber
Sie sind doch Kassenpatient…“ Ein zerstreuter Blick in
Jupps Krankenakte bestätigt nochmals seine schlimmsten
Befürchtungen. Jupp entgeht nicht der leicht angewiderte
Blick in den Augen des Oberarztes. „… und ich kann mir
nicht vorstellen, wie sie sich auf die Schnelle ein neues
Rad leisten könnten.“ Erneut grußlos macht er auf dem
Absatz kehrt und ehe Jupp noch etwas erwidern kann, ist er
aus dem Zimmer verschwunden.
Jupp schnappt nach Luft…und was ist mit meinem treuen
Helferlein? Das hat er mit keiner Silbe erwähnt.
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