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Jupp der Eirenmän - Hero von nebenan

 

Ich schreib’s auf jede Wand, neue …
Juli 2008 - by Oliver Keck

Spielzeuge braucht der Triathlet. Insbesondere unser Jupp, der Eiermän. Wie sich der geneigte Leser sicherlich erinnert, kann Jupp keiner technischen Neuerung widerstehen und muss immer die neuesten Neuigkeiten um sich scharen.

So kommt es, dass sich der gute Jupp in Vorbereitung auf seinen ersten Saisonhöhepunkt – natürlich den Eiermän in der Bier- und Bankenmetropole und selbstverständlich mit fest einkalkulierter neuer Fabelrekordzeit der AK50 inklusive Hawaii-Ticket - ein kleines, funktionelles Helferlein auf seinem neuen Plastik-Staffelbomber montiert.

Ja, ja, er hat sich ein neues Turbo-Geschoss zugelegt, nachdem ja auch der stürmischste aller Teutonen einen neuen Hobel hat, blieb ihm ja nichts anderes übrig. Und großzügig wie Jupp nun mal ist, hat er das Teil sogar bezahlt, wollte was für die Wirtschaft tun, nuschelt er in seine drei Barthaare. Hat das Sponsoring großzügig abgelehnt, und so…

Ah ja, aber das interessiert ja alles nicht. Nicht??? Nein, es geht um das kleine Helferlein, das wenige Zentimeter oberhalb des Drei-Phasen-Carbon-Lenkers frei in der Luft zu schweben scheint – ein Multifunktions-Hyper-Cycle-Technology-Rechner von FahrMalHin – selbstredend mit GPS, so dass unser alter Pfadfinder immer wieder schön nach Hause findet. Nicht dass er dies nötig hätte…aber…Jupp, macht eine unwillige Bewegung mit dem Kopf und erklärt stattdessen strahlend, dass die Hardware des Helferleins früher, wo alles angeblich noch besser war, mehrere Stockwerke des Empire State Buildings gefüllt hätte. Äh, na ja, früher eben.

Jupp hat sich seinen neuen, größten Stolz vor wenigen Tagen für wenig Kohle, also fast geschenkt, in der Bucht bei einem äußerst seriösen Powerseller mit 80% negativer Bewertung geschossen und musste nur zweimal Mahnen, bis er das Päckchen glücklich in seinen Händen hält. Hastig reißt er es auf und findet…ein weiters Päckchen. Hmm, auch das sollte kein Problem darstellen und richtig – darin liegt ja das Objekt der Begierde.

Zufrieden hält Jupp seinen neuen – Proleten und Nichtschecker würden sagen – Tacho in die Luft und bewundert…die zahlreichen Kratzer auf der Rückseite des Multifunktionsrechners. Na ja, zur Not kann man darüber hinwegsehen. Der Rest der versprochenen Lieferung ist vollzählig und in kürzester Zeit am Bomber montiert. Mehr braucht man nicht zu beachten, die Sonne scheint und los geht die Fahrt.

Begeistert glotzt Jupp auf das umfangreiche, aber sehr übersichtliche Display des kleinen Helferleins. Voller Interesse verfolgt er die zahlreichen Grafiken und Kurven, die ihm die Geheimnisse seiner Trainingsfahrt offenbaren.
„Boah, wie geil ist dass denn?“, denkt der Gute, als er nach einer Rechtskurve seinen breiten Hintern, den er in seinen Hyper-Baumwolle-Swimsuit gepresst hat, aus dem Sattel hebt und kräftig mit rund 150 Watt in die superleichten Pedale tritt, mit denen seine zarten Füße verbunden sind, die ihrerseits wiederum durch wohlige, sehr enganliegenden, mit Hirschleder überzogenen Radschühchen verwöhnt werden. Nach drei Umdrehungen setzt sich Jupp keuchend wieder in den Sattel und übersieht die kleine Straße, die von rechts auf die Spur mündet, auf der er sich gerade befindet.

Dumm nur, dass er in dem Moment den Kraftverlauf seines Antrittes nachvollzieht und sich im Geiste schon den neuen Nachnamen Zabel auf dem Einwohnermeldeamt eintragen lässt, als ein Vorfahrtberechtiger Kleintransporter Modell Sprinter – durch ihre rücksichtsvolle Fahrweise allgemein bekannt und geachtet – aus der Straße heizt und Jupp samt Plastikbomber auf die Kühlerhaube nimmt.

Der Rest ist schnell erzählt: Jupp wacht im Krankenhaus wieder auf und blickt auf seine beiden eingegipsten Beine. Die Tür geht auf und ein ernst blickender, älterer Herr, komplett in Weiß gehüllt, tritt ins Zimmer.

„Ah, Herr Meier, da haben wir ja nochmals Glück gehabt“, eröffnet er grußlos das Gespräch. „Äh ja, und wobei??? Und warum wir???“, denkt sich Jupp.
„Sie haben außer zwei Frakturen an ihren Oberschenkeln keine Verletzungen davon getragen. In zwei bis drei Monaten können Sie schon mit der Reha beginnen und bis zum Ende des Jahres sind sie wieder völlig hergestellt.“

Jupp glaubt sich verhört zu haben. „Was haben Sie da gesagt? Zwei bis drei Monate? Guter Mann, in vier Wochen ist der Eiermän in Frankfurt, wo ich mir die Qualifikation für Hawaii holen werde und dann geht es zielstrebig Richtung Saisonfinale auf die Pazifikinsel.“

Der Arzt schaut ihn an, als hätte er einen Irren vor sich – was man ja auch getrost so stehen lassen könnte. „Mein lieber Herr Meier – das können Sie sich auf alle Fälle abschminken. Da geht erst einmal gar nichts. Und überhaupt – ich kenne zwar ihre Vermögensverhältnisse nicht – aber Sie sind doch Kassenpatient…“ Ein zerstreuter Blick in Jupps Krankenakte bestätigt nochmals seine schlimmsten Befürchtungen. Jupp entgeht nicht der leicht angewiderte Blick in den Augen des Oberarztes. „… und ich kann mir nicht vorstellen, wie sie sich auf die Schnelle ein neues Rad leisten könnten.“ Erneut grußlos macht er auf dem Absatz kehrt und ehe Jupp noch etwas erwidern kann, ist er aus dem Zimmer verschwunden.

Jupp schnappt nach Luft…und was ist mit meinem treuen Helferlein? Das hat er mit keiner Silbe erwähnt.

 

 

 

 

 

 

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