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Jupp der Eirenmän - Hero von nebenan

 

Alles neu…und doch vertraut
Januar 2008 - by Oliver Keck

Jupp war zufrieden. Mit sich selbst, seiner Umwelt und überhaupt. Obwohl die letzten Monate alles andere als leicht für ihn waren. So hatte sich doch tatsächlich seine Frau von ihm getrennt und war mit seinem Nachbarn und Lieblingskonkurrent einfach durchgebrannt. Wer war das doch gleich noch mal??? Egal.

Jupp hatte sich neu orientiert. Stellenwechsel. Ortswechsel. Alles unter dem Gesichtspunkt optimaler Bedingungen. Immerhin wechselte er nun die Alterklasse und wollte allen beweisen, dass er in der AK55 noch immer mit diesem Thomas Höllengel mithalten konnte. Wäre doch gelacht.

So befand sich ein Baggersee unmittelbar neben seiner Haustür. In nur zwei Minuten war er dort gemütlich hin spaziert. Nicht auszudenken, wenn er dahin laufen würde. Aber dafür umziehen??? Nee, ein bisschen Entspannung musste schon sein. Jupp hatte sich fest vorgenommen, im Sommer vor der Arbeit die erste Einheit des Tages vor der Arbeit zu absolvieren, die zweite würde unmittelbar folgen, wenn er ins Geschäft traben würde. Jupp grinste bei dem Gedanken. Ja, traben war der richtige Ausdruck. Mit dieser ihm eignen Art der Fortbewegung konnte es niemand aufnehmen. Er hatte hier im lokalen Stadtpark in dieser Kleinstadt schon ein paar Rentner aufgelaufen und gnadenlos versenkt. Er hatte noch ihren hechelnden Atem und leise Flüche vernommen, aber nur kurz. Dann war er für sie nur noch von hinten zu sehen. Kerzengerade Haltung, geschwellte Brust – wichtig. Unendlich wichtig, damit die gleich wussten, wo der Bartel zukünftig den Most herholt.

Womit klar sein dürfte, wohin es den guten Jupp verschlagen hat – in die sonnige Pfalz. Und da es auch in der Pfalz sonnig ist, aber viel zu kalt zum Radfahren – wozu auch, bis Frankfurt ist ja noch so viel Zeit – beschloss Jupp sich gleich mal richtig abzuhärten und ging schwimmen. Gut, das machen viele Triathleten im Winter, aber eben nicht im nahegelegenen Baggersee. Jupp hatte sich zu Weihnachten einen nagelneuen „Punkt,Komma,Strich“-Schwimmeinteiler gegönnt, der neben viel Auftrieb, einer perfekten Wasserlage, einem enormen Geschwindigkeitszuwachs eben auch eine wärmende Isolation versprach. Unser Eiermän vergaß dabei nur, dass die Gliedmaßen eben nicht geschützt waren. So schaffte es Jupp zwar noch, mit einem Sprung auf die Eisfläche ebenso jene zum Bersten zu bringen – böse Zungen würden nun behaupten, er habe zu viele Lebkuchen verdrückt – aber zum Schwimmen kam er dennoch nicht. Sobald sein großer Zeh mit dem kalten Nass in Berührung kam, erstarrte der Astralkörper des guten Jupp. Wie eine antike Marmorstatur eines sagenumwobenen Helden versank er in den Fluten.

Gut, man kann sagen, ein Glück, dass die Feuerwehr gerade an diesem Tag am gegenüberliegenden, nicht weit entfernten Ufer eine Übung abhielt. Die Rettungstaucher waren sofort zur Stelle und sorgten dafür, dass wir auch demnächst weitere Geschichten über Jupps Training lesen können.

Jedenfalls beschloss Jupp nach den anschließenden zwei Wochen mit Fieber und Schüttelfrost erst einmal mit dem Auto in die Firma mit den vier großen Buchstaben zur Arbeit zu fahren. Man muss ja nichts übertreiben.

 

 

 

 

 

 

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