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Jupp der Eirenmän - Hero von nebenan

 

Der erste Höhepunkt - Jupps großer Triumph
August 2006 - by Oliver Keck

12:15:47 – wer jetzt an eine Uhrzeit und an das Mittagessen denkt, liegt zumindest nicht vollständig daneben. Tatsächlich ist es aber die Finisherzeit von Jupp beim Challenge in Roth 2006. Eine sagenhafte Zeit, zumindest für Jupp. Hat er doch seine Bestzeit aus dem Vorjahr um sagenhafte zwanzig Minuten verbessert. In Zeiten, wo alle alternden Stars im Ausdauersport nur mit unerlaubten Mitteln ihre Leistungen gerade mal halten können, hat er nur mit neuem Zeitfahrhelm und Scheibe bewaffnet seine bisherige Bestzeit nochmal pulverisieren können. Nach mäßigem Schwimmauftakt ist er nur so am Feld vorbei geflogen, dass sich zeitweise sogar ein Motorrad – sicher das Führungsmotorrad, das ihn mit Faris verwechselte – vor ihn gesetzt hatte. Zusätzlich irritierten sein Profioutfit und sein mit hawaiianischen Blumen lackiertes Racebike den Fahrer.

Natürlich verbesserte er auch seine Wechselzeiten dramatisch, nicht zuletzt durch die Teilnahme beim Eliminaton Triathlon in Eppelheim, wo es ja bei den extrem kurzen Strecken nur auf die Wechsel ankam. Da war ihm der eigentlich sichere Sieg gegen ein paar Jungspunde, die gerade mal in der Kurzdistanz-Bundesliga starten, von dilettantischen Racemarshalls genommen worden. Nur weil er im Viertelfinale auf den letzten Metern der Radstrecke in letzter Position liegend seinen Helm schon vor der Wechselzone wegwarf? OK, er überholte außerdem die gesamte Konkurrenz in der Wechselzone, weil er als alter Hase nicht am Wechselbalken, sondern erst am Radständer abgestiegen war. Erfinder und Menschen, die neue Wege gehen, hatten es schon immer schwerer als der Rest.

Das war nun alles Makulatur, seine neue Bestzeit in Roth freute ihn umso mehr, da sein Lieblingskonkurrent Herbert Müller beim Ironman Frankfurt in die Röhre geguckt hatte. Na ja, nicht so richtig. Im Ziel war er schon. Aber mit welcher Zeit. Aus Gründen der Pietät wollen wir mal den Mantel des Schweigens drüber hüllen, denkt Jupp wohlwollend. Irgendwas von Sturz auf regennasser Fahrbahn hat der olle Herbert erzählt. Und? Ist dem Normann doch auch passiert. War das für den etwa ein Grund, schlechter als Top 10 zu finishen? Ja, war es, obwohl Rang 11 nicht wirklich schlecht ist.

Jeder gute Ironman nimmt sich nach großen Triumphen erst mal eine Auszeit, denn nach dem Rennen ist schließlich vor dem Rennen. Die anstrengende Hitze, die Deutschland über Wochen gefangen hielt, tat ihr übriges. Aber dennoch, trotz großer Anstrengung war der Gang zum Kühlschrank zu bewältigen, so dass immer ein kaltes Weizen nachgefüllt werden konnte. Streng isotonischer Flüssigkeitsausgleich, so hatten es ihm die Trainer der Rookies der Bodensee-Challenge erklärt. Die Ruhezeit neigt sich nun aber langsam dem Ende entgegen, am Wochenende treffen wir uns beim Rookie Christian Garntner auf dessen Kürbishof in der Steiermark zu einem kurzen Trainingslager. Meine Claudia ist schon ganz aufgeregt – Urlaub auf dem Bauernhof. Da steht sie total drauf. Jupp grinst verständnisvoll – Hauptsache er hat seine Ruhe und kann die Jungspunden zeigen, wo der Hammer hängt.

Zuvor findet noch ein Grillabend bei finisher concepts statt. Natürlich ist er auch eingeladen – als Star des Abends – nun, dachte Jupp zunächst auch. Es ist dann aber doch Uwe Widmann, der in den letzten Tagen vor Frankfurt fast nichts mehr trainiert und nur noch seine Nahrungsmittelspeicher auffüllt. Jupp ist nicht lange beleidigt und heftet sich an Uwes Fersen wie ein Lutscher an das Hinterrad des Vordermannes bei einem Non-Drafting-Race. Nach knapp drei Stunden Dauerbeschallung und lebhaften Diskussionen über die Vorzügen von Schlauch- gegenüber Drahtreifen, Campa gegen Shimano und Powerbar gegenüber High 5, schwenkt Widmann die weiße Flagge und macht sich fluchtartig vom Acker. Jupp zeigt sich verständnisvoll. Er gehe schließlich auch immer früh zu Bett, wie es sich für einen den Sport ernst nehmenden Profi gebührt. Spricht’s und öffnet die letzte Flasche aus dem Kasten Eichbaum, den er sich nach seinem Eintreffen vorsorglich gesichert hat.

Am nächsten Tag brechen Claudia und Jupp nach Österreich auf – wobei Jupp das mit dem Brechen etwas zu wörtlich nimmt. Claudia packt es nach den ersten 5 km auf der Autobahn gerade noch, einen Parkplatz anzusteuern, da stürzte Ironman Jupp schon vom Beifahrersitz und übergibt seinen Mageninhalt der angrenzenden Botanik. Schwer atmend kommt er zurück zu seinem geliebten Jeep Cherokee, auf dem sein 8000EUR-Bike wie eine Statue thront.
„Ich glaube, der Salat gestern Abend war nicht mehr genießbar. Mir ist so furchtbar schlecht!“
„Nun, mein Schatz, ich glaube nicht, dass es am Salat lag. Vielleicht hättest du den Kasten Bier nicht mit Gewalt gegen die anderen Gäste verteidigen sollen. In deinem Alter steckt man das nicht mehr so leicht weg. Und jetzt steig ein. In dem Tempo ist das Wochenende schon wieder vorbei, bis wir in Österreich angekommen sind.“

Tödlich beleidigt nimmt Jupp auf dem Beifahrersitz Platz. Was erlaubt die sich eigentlich. Ich habe schon Bier getrunken, da ist die noch im Strampler um den Weihnachtsbaum gerannt. Jahrelanges Training. Das stählt den Körper. Apropos Stahl – die vielen, vielen Liter isotonisches Getränk in Verbindung mit wenig Training in der Regenerationsphase haben wieder einmal ihre Spuren hinterlassen. Jupp schaut vorsichtig herunter auf sein Hawaiihemd, unter dem sich verdächtig eine Wölbung erhebt. Daran wird auch ein Trainingswochenende nichts ändern können. Klar im Sitzen sieht das noch etwas dramatischer aus, aber beim Schwimmen werde ich wohl meine alte Schulterverletzung vorschieben müssen, die ich mir damals beim Einzelkämpferlehrgang zugezogen habe. Ich muss insbesondere an meiner Atmung arbeiten – immer dann, wenn die Gefahr besteht, dass einer der Rookies meinen Oberkörper genauer unter die Lupe nehmen könnte. Dann muss ich das alles nach oben in meinen Brustkasten atmen. Den Rest kann ich ja schon. Und man muss immer für neue Methoden im Training offen sein.

Jetzt beginnt der letzte harte Trainingsblock und dann werden alle am 10. September zusammenzucken oder nur den Lufthauch spüren und das Rauschen seiner Scheibe hören, wenn er unwiderstehlich vorbeizischt – so schläft Jupp im Jeep neben seiner Claudia ein, der er das Steuer nur widerwillig überlassen hat, während sie dem Sonnenuntergang entgegen fahren.

 

 

 

 

 

 

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