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Jupp der Eirenmän - Hero von nebenan

 

Tapering im Zeichen der WM
Juli 2006 - by Oliver Keck

Hustend krümmt sich Jupp auf der Wohnzimmercouch. Seine Gesichtsfarbe wechselt im Sekundenrhythmus von aschfahl auf knallrot und zurück. Italiens Grosso, der gerade erst den Pampers entsprungen zu sein scheint, hat soeben das erste Tor gegen den kommenden Weltmeister 20xx geschossen! Jupp kann die rund 50 Gramm Kartoffelchips in seinem Mund nicht mehr korrekt dirigieren und bugsiert einen Teil des Breis in seine Luftröhre. Kollege Herbert bringt instinktiv die Bierflaschen auf dem Wohnzimmertisch vor dem wild zuckenden Jupp in Sicherheit. Jupps holde Claudia versucht ihrem Schatz zur Hilfe zu eilen und tätschelt ihm zärtlich den Rücken.

„Dat bringt doch nix!“ krakeelt Herbert, „lass mich mal machen.“ Kaum gesagt, schlägt er auch schon mit voller Wucht auf Jupps stark verwundenes Rückgrat. Mit einem merkwürdig schmatzenden Geräusch flutscht ein Chipsknödel aus Jupps Mund zurück in die Schüssel.

Jupps Augen schießen Blitze in Richtung Nachbar Herbert und als er endlich wieder Luft bekommt, giftet er ihn an: „Dat haste doch mit voller Absicht gemacht. Willst mich wohl fertig machen, damit ich nicht gegen dich in Frankfurt antreten kann, hä??? Aber keine Chance, mein Alter, das wird die nächste Abreibung für dich.“ Jupp scheint einen Moment von dem soeben erlebten Albtraum abgelenkt und grinst in Vorfreude der anstehenden Auseinandersetzung selig vor sich hin. Er bietet seiner Claudia und Herberts ebenfalls mit ihrem Heroen gestraften Gattin Monika erneut die Schüssel mit den Chips an, welche diese dankend ablehnen.

Im selben Moment schlägt Del Pieros Schuss hinter Elfmeterkiller Lehmann in den Maschen des deutschen Tores ein und Jupp landet erneut unsanft in der Realität. „War’s dann wohl“, stammelt er schluchzend und starrt Hilfe suchend mit wirrem Blick um sich. „Was soll das denn jetzt? Stuttgart, Stuttgart, wir fahren nach Stuttgart…“ skandiert Jupp und hält inne. „Das hört sich doch absolut Scheiße an“, nölt er weiter, „vor allem, was mache ich jetzt mit den ganzen Chips- und Biervorräten?“

Herbert nickt ausnahmsweise zustimmend mit fragendem, leerem Blick. Claudia und Monika schauen die angebliche Krone der Schöpfung mitleidig an. Es läuft eigentlich wie immer. Die beiden wissen alles besser, denn sie sind die wahren Klinsmänner. Wird nicht mehr lange dauern, bis sie…“Weißt du Jupp“, meldet sich auch schon Herbert zu Wort, „weißt du, ich hätte den Borowski nicht ausgewechselt. Der Schweinsteiger ist ja nun Schuld, dass wir verloren haben.“

„Genauso sehe ich das auch, Herbert. Sie hätten mir den Posten geben sollen. Ich muss schließlich nicht dauernd in die USA jetten. Ich hätte hier von Köln aus alles geregelt.“

„Sicher, mein Schatz, pflichtet ihm Claudia bei, „willst du noch ein Bier?“ Jupp hat wie immer schon einen zuviel, aber einer geht ja doch immer noch. „Klar, meine Süße, das ist sehr lieb von dir. Ist ja die einzige Möglichkeit, die wir noch haben. Ulle darf nicht bei der Tour starten, die Klinsmänner sind raus und trainieren kann ich auch nicht, da ich mich schonen muss. Dann trinken wir halt noch einen.“

Herbert drückt erneut brummend seine Zustimmung aus. Die Mädels bringen ihnen noch ein Bier und lassen sie in ihrer Selbstmitleidphase alleine zurück. „Wir gehen dann mal Schlafen. Macht nicht mehr so lange, ja!?.“

Jupp und Herbert starren nun beide stumpfsinnig auf die Mattscheibe und beginnen aus Langweile, den Inhalt einer neuen Tüte Chips in sich hineinzustopfen. Sie spülen das scharfe Zeug mit einem weiteren eiskalten Weizen hinunter. „Weißt du Herbert, wenn wir so weitermachen, stehen wir in zweieinhalb Wochen hervorragend regeneriert am Ufer des Langener Waldsees. Echt schade, dass du dich wieder wie einer der Klinsmänner jetzt fühlen wirst.

„Ach Jupp, red nicht immer so einen Müll. Ich werde dich ganz genüsslich auseinander nehmen und im Ziel schon ein paar Bier trinken, bis du endlich eintrudelst.“

„Ja, ja. Solche Träume müssen die Klinsmänner auch gehabt haben!“ Jupp grinst süffisant und greift nach der nächsten Chipstüte. Er hat so gut trainiert, da schaden die paar Pfund mehr garantiert nicht. Außerdem tapert er ja weiter und wird den Schwimmring noch rechtzeitig in Richtung Brustkasten verschieben. So hat er das im Trainingstipp der Woche unter www.dtu-info.de gelesen - anabole Effekte durch Regeneration und geeignete Ernährung. Es geht eben nichts über natürliches, gesundes Doping.

 

 

 

 

 

 

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