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Hustend krümmt sich Jupp auf der
Wohnzimmercouch. Seine Gesichtsfarbe wechselt im
Sekundenrhythmus von aschfahl auf knallrot und zurück.
Italiens Grosso, der gerade erst den Pampers entsprungen
zu sein scheint, hat soeben das erste Tor gegen den
kommenden Weltmeister 20xx geschossen! Jupp kann die rund
50 Gramm Kartoffelchips in seinem Mund nicht mehr korrekt
dirigieren und bugsiert einen Teil des Breis in seine
Luftröhre. Kollege Herbert bringt instinktiv die
Bierflaschen auf dem Wohnzimmertisch vor dem wild
zuckenden Jupp in Sicherheit. Jupps holde Claudia versucht
ihrem Schatz zur Hilfe zu eilen und tätschelt ihm zärtlich
den Rücken.
„Dat bringt doch nix!“ krakeelt Herbert,
„lass mich mal machen.“ Kaum gesagt, schlägt er auch schon
mit voller Wucht auf Jupps stark verwundenes Rückgrat. Mit
einem merkwürdig schmatzenden Geräusch flutscht ein
Chipsknödel aus Jupps Mund zurück in die Schüssel.
Jupps Augen schießen Blitze in Richtung
Nachbar Herbert und als er endlich wieder Luft bekommt,
giftet er ihn an: „Dat haste doch mit voller Absicht
gemacht. Willst mich wohl fertig machen, damit ich nicht
gegen dich in Frankfurt antreten kann, hä??? Aber keine
Chance, mein Alter, das wird die nächste Abreibung für
dich.“ Jupp scheint einen Moment von dem soeben erlebten
Albtraum abgelenkt und grinst in Vorfreude der anstehenden
Auseinandersetzung selig vor sich hin. Er bietet seiner
Claudia und Herberts ebenfalls mit ihrem Heroen gestraften
Gattin Monika erneut die Schüssel mit den Chips an, welche
diese dankend ablehnen.
Im selben Moment schlägt Del Pieros Schuss
hinter Elfmeterkiller Lehmann in den Maschen des deutschen
Tores ein und Jupp landet erneut unsanft in der Realität.
„War’s dann wohl“, stammelt er schluchzend und starrt
Hilfe suchend mit wirrem Blick um sich. „Was soll das denn
jetzt? Stuttgart, Stuttgart, wir fahren nach Stuttgart…“
skandiert Jupp und hält inne. „Das hört sich doch absolut
Scheiße an“, nölt er weiter, „vor allem, was mache ich
jetzt mit den ganzen Chips- und Biervorräten?“
Herbert nickt ausnahmsweise zustimmend mit
fragendem, leerem Blick. Claudia und Monika schauen die
angebliche Krone der Schöpfung mitleidig an. Es läuft
eigentlich wie immer. Die beiden wissen alles besser, denn
sie sind die wahren Klinsmänner. Wird nicht mehr lange
dauern, bis sie…“Weißt du Jupp“, meldet sich auch schon
Herbert zu Wort, „weißt du, ich hätte den Borowski nicht
ausgewechselt. Der Schweinsteiger ist ja nun Schuld, dass
wir verloren haben.“
„Genauso sehe ich das auch, Herbert. Sie
hätten mir den Posten geben sollen. Ich muss schließlich
nicht dauernd in die USA jetten. Ich hätte hier von Köln
aus alles geregelt.“
„Sicher, mein Schatz, pflichtet ihm Claudia
bei, „willst du noch ein Bier?“ Jupp hat wie immer schon
einen zuviel, aber einer geht ja doch immer noch. „Klar,
meine Süße, das ist sehr lieb von dir. Ist ja die einzige
Möglichkeit, die wir noch haben. Ulle darf nicht bei der
Tour starten, die Klinsmänner sind raus und trainieren
kann ich auch nicht, da ich mich schonen muss. Dann
trinken wir halt noch einen.“
Herbert drückt erneut brummend seine
Zustimmung aus. Die Mädels bringen ihnen noch ein Bier und
lassen sie in ihrer Selbstmitleidphase alleine zurück.
„Wir gehen dann mal Schlafen. Macht nicht mehr so lange,
ja!?.“
Jupp und Herbert starren nun beide
stumpfsinnig auf die Mattscheibe und beginnen aus
Langweile, den Inhalt einer neuen Tüte Chips in sich
hineinzustopfen. Sie spülen das scharfe Zeug mit einem
weiteren eiskalten Weizen hinunter. „Weißt du Herbert,
wenn wir so weitermachen, stehen wir in zweieinhalb Wochen
hervorragend regeneriert am Ufer des Langener Waldsees.
Echt schade, dass du dich wieder wie einer der Klinsmänner
jetzt fühlen wirst.
„Ach Jupp, red nicht immer so einen Müll.
Ich werde dich ganz genüsslich auseinander nehmen und im
Ziel schon ein paar Bier trinken, bis du endlich
eintrudelst.“
„Ja, ja. Solche Träume müssen die
Klinsmänner auch gehabt haben!“ Jupp grinst süffisant und
greift nach der nächsten Chipstüte. Er hat so gut
trainiert, da schaden die paar Pfund mehr garantiert
nicht. Außerdem tapert er ja weiter und wird den
Schwimmring noch rechtzeitig in Richtung Brustkasten
verschieben. So hat er das im Trainingstipp der Woche
unter www.dtu-info.de gelesen - anabole Effekte durch
Regeneration und geeignete Ernährung. Es geht eben nichts
über natürliches, gesundes Doping.
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