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Buschhütten 2006 ist Geschichte – und was
für eine. Nicht nur, dass der gute Jupp seine persönliche
Bestzeit von 2:53:47 Stunden um satte 2,5 Sekunden
pulverisiert hat – nein, noch viel besser, er hat dem
ollen Herbert sein persönliches Waterloo breitet.
Schon beim Schwimmen hatte er sich an die
trotz Chlorwasser immer noch verdächtig riechenden Füße
von Lieblingskonkurrent Herbert gehängt und ihn nicht
entkommen lassen. Delfingleich ist er dem Walross vor ihm
gefolgt. Als sich beide nach dreißig langen Bahnen aus dem
Wasser gewuchtet hatten – wobei jeglicher Vergleich mit
einem der Meeresbewohner eine Unverschämtheit denen
gegenüber darstellen würde – wackelten beide schnaufend
und prustend durch die Wechselzone zu ihren Rädern.
Während Herbert zum Handtuch greift, um sich notdürftig
die Wasserreste aus den Ohren zu pulen, brummt Jupp nur
ein verächtliches „Warmduscher, Du …“, schnappt sich sein
Rad, stiefelt aus der Wechselzone und schwingt sich
elegant auf seinen Carbonrenner. Der Helfer, dem er
beinahe am Ausgang der Wechselzone einen Fußtritt verpasst
hätte, kann nicht glauben, dass dieser alte Esel einen
Mittelklassewagen auf zwei Rädern fährt. Jupp versucht
professionell wie ein Kurzdistanzolympionike in die
Radschuhe zu schlüpfen, rutscht ab, fängt an zu schlingern
und fällt. Der noch verdutzte Helfer sieht einen aus einer
großen Abschürfung blutenden Jupp sich wieder aufrappeln
und glotzt ihm ungläubig hinterher.
Einen verwundeten Tiger sollte man nicht
reizen. Jupp tritt heftig in die Pedale und ward von
seinem Widerpart nicht mehr gesehen. Wie von Sinnen
donnert er über die gesperrten Streckenabschnitte der
Stadtautobahn und kann von Streckenposten nur mühsam daran
gehindert werden, über die Wendepunkte hinauszuschießen.
Nach sehr guten 95 Minuten ist Jupp von seinem
Parforce-Ritt zurück und schnürt sich in Windeseile die
Laufschuhe. Raus aus der Wechselzone und im Sprinttempo um
die erste Ecke. Schlagartig wird Jupp klar, dass er schon
ein halbes Jahrhundert auf dem Buckel hat. Kaum merklich
für das zahlreiche Publikum, das in enthusiastisch
anfeuert, nimmt er Tempo heraus und läuft das Renen
kontrolliert in 44 Minuten nach Hause. Rang 17 in der
AK50. Das kann sich doch sehen lassen.
Im Ziel drückt er seiner holden Gattin
Claudia sein versifftes Top in die Hand, was diese mit
einem angewiderten Gesichtsausdruck quittiert. Der
Männerschweiß-Testosteron-Moschus-Duft seines Orca-Tops
wird sie schließlich anziehen wie das Licht die Motte,
denkt sich Jupp, spätestens dann, wenn sie das
Sammlerstück gegen andere weibliche Fans verteidigen muss.
Für die schnelle Regeneration schnappt sich Jupp ein
Erdinger Alkoholfrei und füllt erst mal seine Plautze,
während er auf Jupp wartet. Als der nach Ewigkeiten
endlich auftaucht, brüllt Jupp triumphierend über den
gesamten Platz: „ So Alter, und das war erst der Anfang.
In Roth warte ich nicht so lange auf Dich!“
Zufrieden und frisch motiviert setzt Jupp
im Wonnemonat Mai sein Training fort, denn der letzte
Feinschliff für den ersten diesjährigen Höhepunkt soll
gelegt werden. Endlich würde die Sonne jeden Tag mehr
Kraft entfalten und er könnte bei angenehmen Temperaturen
auf seinem Lieblings-Jogging-Parcours im Worringer Bruch
den jungen Dingern hinterher schauen. Je länger die Tage,
desto kürzer die Röcke!
Soweit zumindest die Theorie. Als er heute
Morgen mit halb geöffneten Sehschlitzen ans Fenster tappt
und den Fensterladen hochklappt steht die Birke vor seinem
Fenster in seltsamen Winkel. Als er das Fenster öffnet,
weiß Jupp auch warum das so ist. Windstärke 6, gut
mindestens 4, treibt auf der Stelle einen dieser
widerlichen Dinge, die immer zielgerichtet menschliche
Augen treffen in Jupps linkes. Seine Haut plustert sich
bei 9 Grad unter seiner Schießer-Kombi zu einer fetten
Gänsehaut auf. Fluchend schlägt er die Hände vors Gesicht,
dreht sich vom Fenster weg und donnert volle Kanne mit dem
Knie an die Kommode. Sekunden später hat sein Knie die
Größe eines Fußballs angenommen. Er ist froh, dass jetzt
nicht einer von Klinsis Buben im Raum ist, der hätte
bestimmt reflexartig dagegen getreten. Und zum Glück ist
Claudia nicht hier, die würde sich wieder nur kaputt
lachen anstatt ihn zu bedauern.
Jupp torkelt angeknockt zurück zum Bett und
betrachtet mit dem noch unversehrten rechten Auge sein
lädiertes Knie. Das war es dann erst einmal mit dem
Training. Lautes Prasseln auf dem Dachfenster macht Jupp
schlagartig klar, dass so eine Zwangspause gar nicht so
schlecht sein muss. Noch immer von seiner Leistung in
Buschhütten beschwingt gibt es für Jupp keine Zweifel,
dass er den Rookies bei der Bodensee Challenge einen
optimalen Support bieten wird und natürlich auch eine
Lehrstunde. Roth ist ja nur ein lockerer Aufgalopp, eine
kurze Zwischenstation, um mit einer weiteren phänomenalen
Leistung Herbert den Garaus zu machen. Dafür reicht die
Form immer. Schließlich ist er schon ein alter Hase.
… Fortsetzung folgt im nächsten Monat
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