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Jupp der Eirenmän - Hero von nebenan

 

Top-Resultat zum Saisonstart
Juni 2006 - by Oliver Keck

Buschhütten 2006 ist Geschichte – und was für eine. Nicht nur, dass der gute Jupp seine persönliche Bestzeit von 2:53:47 Stunden um satte 2,5 Sekunden pulverisiert hat – nein, noch viel besser, er hat dem ollen Herbert sein persönliches Waterloo breitet.

Schon beim Schwimmen hatte er sich an die trotz Chlorwasser immer noch verdächtig riechenden Füße von Lieblingskonkurrent Herbert gehängt und ihn nicht entkommen lassen. Delfingleich ist er dem Walross vor ihm gefolgt. Als sich beide nach dreißig langen Bahnen aus dem Wasser gewuchtet hatten – wobei jeglicher Vergleich mit einem der Meeresbewohner eine Unverschämtheit denen gegenüber darstellen würde – wackelten beide schnaufend und prustend durch die Wechselzone zu ihren Rädern. Während Herbert zum Handtuch greift, um sich notdürftig die Wasserreste aus den Ohren zu pulen, brummt Jupp nur ein verächtliches „Warmduscher, Du …“, schnappt sich sein Rad, stiefelt aus der Wechselzone und schwingt sich elegant auf seinen Carbonrenner. Der Helfer, dem er beinahe am Ausgang der Wechselzone einen Fußtritt verpasst hätte, kann nicht glauben, dass dieser alte Esel einen Mittelklassewagen auf zwei Rädern fährt. Jupp versucht professionell wie ein Kurzdistanzolympionike in die Radschuhe zu schlüpfen, rutscht ab, fängt an zu schlingern und fällt. Der noch verdutzte Helfer sieht einen aus einer großen Abschürfung blutenden Jupp sich wieder aufrappeln und glotzt ihm ungläubig hinterher.

Einen verwundeten Tiger sollte man nicht reizen. Jupp tritt heftig in die Pedale und ward von seinem Widerpart nicht mehr gesehen. Wie von Sinnen donnert er über die gesperrten Streckenabschnitte der Stadtautobahn und kann von Streckenposten nur mühsam daran gehindert werden, über die Wendepunkte hinauszuschießen. Nach sehr guten 95 Minuten ist Jupp von seinem Parforce-Ritt zurück und schnürt sich in Windeseile die Laufschuhe. Raus aus der Wechselzone und im Sprinttempo um die erste Ecke. Schlagartig wird Jupp klar, dass er schon ein halbes Jahrhundert auf dem Buckel hat. Kaum merklich für das zahlreiche Publikum, das in enthusiastisch anfeuert, nimmt er Tempo heraus und läuft das Renen kontrolliert in 44 Minuten nach Hause. Rang 17 in der AK50. Das kann sich doch sehen lassen.

Im Ziel drückt er seiner holden Gattin Claudia sein versifftes Top in die Hand, was diese mit einem angewiderten Gesichtsausdruck quittiert. Der Männerschweiß-Testosteron-Moschus-Duft seines Orca-Tops wird sie schließlich anziehen wie das Licht die Motte, denkt sich Jupp, spätestens dann, wenn sie das Sammlerstück gegen andere weibliche Fans verteidigen muss. Für die schnelle Regeneration schnappt sich Jupp ein Erdinger Alkoholfrei und füllt erst mal seine Plautze, während er auf Jupp wartet. Als der nach Ewigkeiten endlich auftaucht, brüllt Jupp triumphierend über den gesamten Platz: „ So Alter, und das war erst der Anfang. In Roth warte ich nicht so lange auf Dich!“

Zufrieden und frisch motiviert setzt Jupp im Wonnemonat Mai sein Training fort, denn der letzte Feinschliff für den ersten diesjährigen Höhepunkt soll gelegt werden. Endlich würde die Sonne jeden Tag mehr Kraft entfalten und er könnte bei angenehmen Temperaturen auf seinem Lieblings-Jogging-Parcours im Worringer Bruch den jungen Dingern hinterher schauen. Je länger die Tage, desto kürzer die Röcke!

Soweit zumindest die Theorie. Als er heute Morgen mit halb geöffneten Sehschlitzen ans Fenster tappt und den Fensterladen hochklappt steht die Birke vor seinem Fenster in seltsamen Winkel. Als er das Fenster öffnet, weiß Jupp auch warum das so ist. Windstärke 6, gut mindestens 4, treibt auf der Stelle einen dieser widerlichen Dinge, die immer zielgerichtet menschliche Augen treffen in Jupps linkes. Seine Haut plustert sich bei 9 Grad unter seiner Schießer-Kombi zu einer fetten Gänsehaut auf. Fluchend schlägt er die Hände vors Gesicht, dreht sich vom Fenster weg und donnert volle Kanne mit dem Knie an die Kommode. Sekunden später hat sein Knie die Größe eines Fußballs angenommen. Er ist froh, dass jetzt nicht einer von Klinsis Buben im Raum ist, der hätte bestimmt reflexartig dagegen getreten. Und zum Glück ist Claudia nicht hier, die würde sich wieder nur kaputt lachen anstatt ihn zu bedauern.

Jupp torkelt angeknockt zurück zum Bett und betrachtet mit dem noch unversehrten rechten Auge sein lädiertes Knie. Das war es dann erst einmal mit dem Training. Lautes Prasseln auf dem Dachfenster macht Jupp schlagartig klar, dass so eine Zwangspause gar nicht so schlecht sein muss. Noch immer von seiner Leistung in Buschhütten beschwingt gibt es für Jupp keine Zweifel, dass er den Rookies bei der Bodensee Challenge einen optimalen Support bieten wird und natürlich auch eine Lehrstunde. Roth ist ja nur ein lockerer Aufgalopp, eine kurze Zwischenstation, um mit einer weiteren phänomenalen Leistung Herbert den Garaus zu machen. Dafür reicht die Form immer. Schließlich ist er schon ein alter Hase.

… Fortsetzung folgt im nächsten Monat

 

 

 

 

 

 

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