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Der neue Polar Pulser S625X piepst
gnadenlos, die hypermoderne, aus High-Tech-Materialien
geschneiderte Funktions-Teamkleidung klebt schweißnass an
Jupps Astralkörper. Zwei Punkte, die Jupp gehörig
anschälen. Er hätte nicht geglaubt, dass soviel
Flüssigkeit aus ihm raus laufen kann. Andererseits hat er
gestern Abend beim gemeinsamen Studieren der
Videoaufzeichnungen des Fleche Wallone und fachmännischer
Analyse mit Lieblingskonkurrent Herbert Müller nach dem
achten Kölsch die Übersicht verloren.
„Ich sach dir, mein Jung“, hat Herbert
bierseelig schwadroniert, „so wie dieser Ale…Alähandro
Valdingsbums muss man das machen. Und genauso werde ich
das mit dir auch machen, wenn ich dir in Buschhütten in
zwei Wochen auf der Autobahn davon fahre.“
„Claudia! Claudiaaaa! Bring mal noch zwei
Bier!“ ruft Jupp in die Küche, bevor er sich Herbert
zuwendet. „Hast du was gesagt? Mir war so, als hätte ich
dich was lallen hören. Das sieht dir ähnlich, dass du
Valdingsbums gut findest. Der hat doch nix druff.
Versteckt sich die ganze Zeit und lässt sich den Berg
hochziehen. Bei uns zählt nur Schmackes in den Beinen. Und
davon kannst du nur träumen.“
Also Jupps holde Claudia endlich das Bier
bringt, starren die beiden nur noch stumpfsinnig in die
Glotze und brabbeln unverständlichen Schwachsinn vor sich
hin. Claudia schüttelt den Kopf und lässt die beiden
Maulhelden in ihrer testosteronverseuchten Umgebung
allein.
Vielleicht war das letzte Bier gestern doch
zu viel, denkt sich Jupp jetzt bei seinem Lauf durch den
Worringer Bruch im Norden Kölns. Das leichte Auf und Ab in
der Auenlandschaft lässt Jupp keuschen wie bei einem
Bergsprint im Bergischen Land. Irritiert blickt er über
die Schulter, aber er ist allein auf weiter Flur. Er
entdeckt nur zwei Spatzen, die ihm spöttisch hinterher zu
schauen scheinen. Jupp erkennt bissigen Spott in ihrem
Gezwitscher. Na wartet, euch werde ich es zeigen.
Dynamischer Antritt – Sekunden später sinken die
schmerzenden Schultern wieder nach vorne und Jupp verfällt
wieder in seinen Schlurf-Schritt.
Was mach ich eigentlich hier? Daheim könnte
ich liegen und gemütlich ein paar Bier trinken. Das
nervende Piepsen seines Pulsers reißt ihn aus seinen
trübsinnigen Gedanken. Jupp fällt wieder ein, wofür er
hier ist. Bodensee-Challenge. Rookies auf Vordermann
bringen. Herbert schlagen!!!
Wie elektrisiert saust Jupp plötzlich los.
Der Gedanke an seinen Lieblingsfeind macht ihm ordentlich
Beine. Jupp ignoriert das immer lauter werdende Piepsen
und rennt schneller. Holt alles aus sich heraus. Noch um
die Kurve da vorne, dann hat er seinen 5 km Tempodauerlauf
beendet.
Plötzlich ein Sirren in der Luft. Verärgert
schüttelt Jupp den Kopf. Blöde Biker. Hat man denn nie
seine Ruhe? Er weicht zum Rand aus, um den wahrscheinlich
jungen Flegel vorbei zu lassen. Nicht dass der ihm noch in
die Hacken fährt und seine hoch qualifizierten
Rennbeinchen verletzt.
„Danke, aber so dick sind wir ja beide nun
wirklich nicht, als dass ich nicht an dir vorbei käme.“
Sagt eine Frauenstimme gelassen zu ihm. Jupps rote Birne
ruckt zur Seite und ihm gehen endgültig die Lichter aus.
Einer dieser emanzipierten Mütter, die sich mit ihrer
gottgegebenen Rolle nicht zufrieden geben wollen, läuft
locker, ohne zu Schnaufen, einen Baby-Jogger vor sich her
schiebend, an ihm vorbei. Gedemütigt bremst Jupp abrupt
ab. „Nee, nee, so ist das nicht“, japst Jupp, „ich mache
gerade Intervalltraining und bin fertig.“
„Na ja, so siehst du auch aus“, entgegnet dieses
fleischgewordene Subjekt geballten Männerhasses
schnippisch. „Übernimm dich mal lieber nicht. Bis hier
draußen ein Arzt hinkommt, kann es schon vorbei sein. Lass
es in deinem Alter ruhig angehen.“ Sprachs und schwebte
samt ihrem Balg davon.
Fassungslos blickt Jupp ihr hinterher. Na
ja, bei der Figur und in dem Alter – da wäre ich viel
schneller. Diese lahme Kröte, denkt er gekränkt und wirft
nochmals einen vorsichtigen Blick über die Schulter.
Keiner zu sehen, alles ruhig. Das Piepsen hat endlich
aufgehört. Er läuft zurück zum Parkplatz. Wie sollte es
anders sein, rollt Herberts Wagen soeben neben seinem
Cherokee aus.
„Alter, wie siehst du denn aus?“ poltert er
prustend los. „So langsam solltest du mit dem Sport
aufhören.“
„Quatsch Herbert, ich bin eben auf meiner
Halbmarathonstrecke nach kurzem Warmmachen immerhin 15 km
im 3:50er Schnitt bei Durchschnittspuls 148 gelaufen. Da
würdest du auch so aussehen. Leider wirst du das nie
können, da du viel zu langsam für so ein Tempo bist.“ Jupp
steigt triumphierend grinsend in seinen Jeep und braust
davon. Zurück bleibt, in der Staubwolke hüstelnd, ein
ratloser Herbert.
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