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Jupp der Eirenmän - Hero von nebenan

 

Jupp kommt langsam…
März 2006 - by Oliver Keck

Jupp Meier fuhr nach dem ersten Treffen zum gegenseitigen Beschnuppern mit den Rookies in Heidelberg zurück nach Köln. Er grübelte während der gesamten Rückfahrt, warum wohl so viele ihr Herz in bisher Heidelberg verloren haben.

Sein Auto hätte er beinahe verloren. Er flitzte, blind der erotischen Stimme seines Navis seiner M-Klasse vertrauend, von der Autobahn mit viel Schmackes Richtung Uferstraße. Ungebremst raste er am DLRG-Häuschen vorbei über die überflutete Neckarwiese den unbändigen Fluten des Neckars entgegen. Er verdankte nur seinem unglaublichen Reaktionsvermögen, das er durch jahrelanges Radeln mit der Altherren-Gruppe von Blau-Weiß Kölle trainiert hatte, nicht direkt im Fluss zu landen. Die Investition in einen Geländewagen machte sich nun auch bezahlt. Nicht nur die Frau seines Nachbars und härtesten Konkurrenten Herbert beeindruckte die Kombination der Pferdestärken seines Wagens mit seiner Muskelkraft, sondern auch der Weg zurück von der überfluteten Neckarwiese auf den festen Untergrund der Uferstraße war so für Mensch und Maschine ein Kinderspiel. Auch die Zipp-Laufräder, die er beiläufig aber prominent auf den Rücksitzen liegen hatte, hatten den Offroad-Einsatz gut überstanden. Nur den Finisher-Aufkleber vom Ironman Roth 1996, der auf dem Heck prangte, musste er noch schnell polieren, bevor er beim Olympiastützpunkt eintraf.

Tja, er stand eben unter einem guten Stern, auch wenn dessen Leuchtkraft innerhalb nur eines Tages deutlich verblasst war. Just als er frustriert seinen durch den Geländeeinsatz standesgemäß dreckigen Wagen in der Garage geparkt hat, steht auch schon Herbert Müller, Nachbar und Lieblingskonkurrent, am Tor und trippelt von einem Bein aufs andere. Auch das noch. Als Jupp die Tür öffnet, schallt ihm entgegen: „Na Jupp, mein Jung. Wie war’s denn in Heidelberg? Hast hoffentlich uns rheinischen Jungs keine Schande gemacht?“

„Pffft, Herbert. Die haben sich ja was gedacht, als sie mich ausgewählt haben. Der Team-Manager dort hat mich den Rookies vorgestellt. Also ich sach dir, zwei echt grüne Jungs und ein schnucklig Mädche dabei. Die haben sich am Anfang gar nicht getraut mich was zu fragen. Kennst mich ja, ich habe ihnen aber gleich durch meine lockere Art die Angst vor der Prominenz genommen. Ich habe ihnen gesagt, dass ich auch mal so angefangen habe … ist natürlich geschwindelt, aber man muss ihnen ja die Angst vor der Langdistanz am Bodensee nehmen und die Psyche ist ja die halbe Miete. Und dann waren wir gleich mal eine Runde schwimmen. Danach haben wir noch das weitere Vorgehen besprochen und uns für nächsten Monat im Schwarzwald zu einem Radtrainingswochenende verabredet.“

Herbert kontert: „Dann lass dir mal noch schnell ein 3-fach Kettenblatt montieren.“

Jupp lächelt mitleidig. „Herbert, wir alle vom Club Blau-Weiß wissen, dass du das Radeln nicht erfunden hast. Ich hingegen … ich habe ja schon damals dem jungen Gollmann das Radeln beigebracht und mit mir als Vorbild hat er’s bis zum Sieg in der A-Klasse bei Köln-Schuld-Frechen geschafft.“

„Ja, nee, Jupp. Alles klar. Erzähl mal vom Schwimmen. Wie war das denn?“ Herbert setzt sein fiesestes Grinsen auf, das Jupp einfach nicht ignorieren kann. Jupp fängt an zu stottern.

„Gut. Nein wirklich … es war richtig gut. Wir konnten im, ähh, im Bundesleistungszentrum des Olympiastützpunkts trainieren. Ein riesiger Kraftraum mit den modernsten Maschinen, Massagezentrum, Spiroergometrielabor und was wir sonst noch so für unsere Vorbereitung auf die Bodensee-Challenge brauchen. Das ist was ganz anderes, als wie im Hallenbad am Müngersdorfer Stadion. Da sind nur Olympiateilnehmer, Profis und so Cracks wie ich gewesen.“

„Cracks wie du? Aha!“ Jupp kam in Fahrt und schwadronierte weiter. „Ja, Cracks wie ich. Nach einem kurzen Aufwärmen, hat uns der Manager einem 1.500m Freistil-Test unterzogen. Die grünen Jungs konnten natürlich meinen Wasserschatten nicht halten und die Jungs auf den Nachbarbahnen mussten in meinen Wellen schwimmen. Das war ein gigantisches Gefühl, wie ich so durch die Fluten gepflügt bin.“

„Seid wann pflügen Walrösser durch die Fluten?“

„Hör mal, du Pfeifenkopp. Es ist halt mal so, dass die für ihr Projekt nur einen der besten Agegrouper in den Fifties haben wollten. Deswegen haben sie auch mich ausgewählt und nicht dich. Das ist Fakt. Ich weiß, dass ich der Bessere bin und dass du und deine Moni das nie verkraften werdet. Aber so ist es halt mal. Ich fahr besser Rad als du, schwimme jetzt auch besser und das Laufen bekomme ich bis Frankfurt auch besser hin als du. Die haben mir jetzt ein ganz neues, noch geheimes Lauftraining gezeigt, mit dem die Äthiopier immer die Kenianer bei der Olympiade platt machen. Dich mach ich so richtig fertig!“

Triumphierend zieht Jupp von dannen. Im Gefühl des Sieges verdrängt er beinahe, dass er vor ein paar Stunden am liebsten geweint hätte wie ein kleines Kind, weil der Bademeister irrtümlich davon ausgegangen war, dass er am Ertrinken sei und ihn während des Tests aus dem Becken gezogen hatte. Die Rookies hatten ihn zwar getröstet und der Manager war peinlich berührt. Es war ihm gerade noch so gelungen, den Rausschmiss aus dem Team abzuwenden.

Jetzt ist er wieder obenauf. Seine peinliche Vorstellung ist abgehakt. Der Polar Pulser S625X, die neue Teambekleidung und die Nahrungsergänzungsmittel die sie in Heidelberg überreicht bekommen hatten, lassen für ihn wieder die Frühlingssonne über Köln erstrahlen. Die nächsten harten Trainingswochen und die ersten lockeren Aufbauwettkämpfe können kommen. Jupp sieht immer nach vorne. Und er sieht nur eins: den Sieg über Herbert.

 

 

 

 

 

 

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