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Jupp
fühlt sich geradewegs dem Jungbrunnen entsprungen. Er hat
gerade den größten Feind des ultimativen Mehrkämpfers
bezwungen: die Demotivation.
Sie
schüchterte ihn ein, hielt ihn in ihren langen Krallen
unglaublicher, sibirisch anmutender Kälte eng umschlungen
und zwang ihn zu tatenlosem Verharren auf der gemütlichen
Wohnzimmercouch. Erste Lichtblicke zeichneten sich in den
letzten zwei Wochen während der Winterspiele in Bella
Italia ab.
Gerade
wollte sich Jupp mit seinem nagelneuen Carbonrenner
Stealth Evolution auf die erste Trainingsrunde des Jahres
begeben, als sein Nachbar und Trainingskamerad Herbert ihn
in seiner Garage stehen sieht.
„Mensch,
Jupp, was ein geiles Teil. Aber sach mal, bist du nicht
ein wenig zu alt für so ein Geschoß?“ Jupp schnaubt
verächtlich und zieht den unübersehbar vorquellenden Bauch
ein, den Herbert genüsslich anstiert.
„Ey
Herbert, ich kann so was wenigstens fahren. Du hast ja nur
Pudding in den Beinen und kaufst dir die Dinger, weil
deine Alte sonst so viele Schuhe kauft.“
Herbert
grummelt etwas schwer Verständliches vor sich hin und
stapft davon. Jupps Siegerlächeln verfliegt
augenblicklich, als er die ersten Schneeflocken sieht.
Seine eben noch so straffen Schultern sacken nach vorne
und Jupp denkt sich, dass er in seinem Alter mal lieber
einen Gang zurückschalten soll und der Wettkampf in
Frankfurt ist ja noch weit entfernt.
Die
Briefträgerin kommt vorbei und schon wieder muss Jupp
seinen Bauch einziehen. „Hallo Herr Meier, Sie wollen doch
bei dem Wetter nicht aufs Rad steigen. Oder doch? Ich
bewundere Sie.“ Schmachtet sie leise und drückt ihm die
Post in die Hand. Jupps Gesicht ähnelt schlagartig der
warnenden Signalfarbe seiner Radjacke. „Nee, nee“,
antwortet er schnell, „ich war nur am Schrauben. Aber es
ist so kalt heute, da wollte ich vor dem Laufen sicher
sein, dass ich mir nix einfange.“
Sie
nickt verständnisvoll und wackelt davon. Jupp schaut ihr
lange nach und stößt mit einem tiefen Seufzer die Luft
aus. Jetzt, wo die Kinder aus dem Haus, könnte ich doch…
Er schüttelt den Kopf und blättert schnell das Magazin
durch.
Wie
elektrisiert strafft sich der gute Kerl aufs Neue. Zur
Begleitung der Ironman – Rookies, die sie in der letzten
Ausgabe gesucht haben, suchen sie jetzt einen erfahrenen
Hobbysportler, der ihnen mit Tipps und Tricks auf ihrem
Weg in den Dreikampf – Olymp zur Seite steht.
Wer wäre
da besser geeignet als ich, denkt sich der Jupp und eilt
nach oben an den PC um sich sofort Online zu bewerben.
Immerhin hat er in den letzten drei Jahren vier Ironman
gefinisht, von den Marathons reden wir erst gar nicht und
jetzt, mit knapp 52 Jahren, fühlt er sich auf dem
Höhepunkt seiner körperlichen Leistungsfähigkeit. Er ist
bereit, seine stetig in kleinen Schritten verbesserte
Bestzeit von 12:43 h zu pulverisieren. Endlich ein Ziel,
da kann der Winter machen was er will, ab jetzt wird
trainiert. Da er heute aber schon vor Aufregung so stark
ins Schwitzen gekommen ist, belässt Jupp es beim Duschen.
Ist ja auch wirklich fies kalt heute.
Eine
Woche später packt es Jupp, der alte Rheinländer, der im
Karneval verzweifelt versucht hat, sich mit viel Alkohol
über seine Midlife-Crises hinweg zu trösten, gerade wieder
den PC zu starten.
Der
Inhalt der email erleichtert seinen Einstieg in die
Fastenzeit.
„Claudia, ich sach dir, die haben mich ausgewählt. Die
haben gleich gemerkt, was sie hier für eine Granate an
Land ziehen können.“
„OH ja,
Jupp, das haben die sicher. Und falls nicht, werden die es
noch merken.“
Jupp
überhört Claudias Kritik gönnerhaft. Er zieht sich um und
beginnt sofort mit dem Ausdauertraining. Er will ja mit
einer gewissen Fitness zum ersten Treffen erscheinen. Also
auf zum Long-Jog auf seiner 7.5km Standard-Runde durch den
Stadtwald.
Nach
50min und einer Runde ist er wieder zu Hause und beginnt
sich ausgiebig und gut für Herbert sichtbar zu dehnen. Der
wird Augen machen, wenn ich ihn im Sommer zerlege, denkt
sich Jupp und beginnt sich mental auf das Rennen seines
Lebens bei der Bodensee - Challenge, nach dem Ironman
Frankfurt vorzubereiten. Letzterer dient nicht nur der
Vorbereitung. Herbert erhält in Frankfurt endgültig den
Todesstoß und er kann dann völlig entspannt die Rookies
als Teamkapitän ins Ziel führen. |