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Jupp der Eirenmän - Hero von nebenan

 

Jupp auf dem Weg zum Olymp
Februar 2006 - by Oliver Keck

Jupp fühlt sich geradewegs dem Jungbrunnen entsprungen. Er hat gerade den größten Feind des ultimativen Mehrkämpfers bezwungen: die Demotivation.

Sie schüchterte ihn ein, hielt ihn in ihren langen Krallen unglaublicher, sibirisch anmutender Kälte eng umschlungen und zwang ihn zu tatenlosem Verharren auf der gemütlichen Wohnzimmercouch. Erste Lichtblicke zeichneten sich in den letzten zwei Wochen während der Winterspiele in Bella Italia ab.

Gerade wollte sich Jupp mit seinem nagelneuen Carbonrenner Stealth Evolution auf die erste Trainingsrunde des Jahres begeben, als sein Nachbar und Trainingskamerad Herbert ihn in seiner Garage stehen sieht.

„Mensch, Jupp, was ein geiles Teil. Aber sach mal, bist du nicht ein wenig zu alt für so ein Geschoß?“ Jupp schnaubt verächtlich und zieht den unübersehbar vorquellenden Bauch ein, den Herbert genüsslich anstiert.

„Ey Herbert, ich kann so was wenigstens fahren. Du hast ja nur Pudding in den Beinen und kaufst dir die Dinger, weil deine Alte sonst so viele Schuhe kauft.“

Herbert grummelt etwas schwer Verständliches vor sich hin und stapft davon. Jupps Siegerlächeln verfliegt augenblicklich, als er die ersten Schneeflocken sieht. Seine eben noch so straffen Schultern sacken nach vorne und Jupp denkt sich, dass er in seinem Alter mal lieber einen Gang zurückschalten soll und der Wettkampf in Frankfurt ist ja noch weit entfernt.

Die Briefträgerin kommt vorbei und schon wieder muss Jupp seinen Bauch einziehen. „Hallo Herr Meier, Sie wollen doch bei dem Wetter nicht aufs Rad steigen. Oder doch? Ich bewundere Sie.“ Schmachtet sie leise und drückt ihm die Post in die Hand. Jupps Gesicht ähnelt schlagartig der warnenden Signalfarbe seiner Radjacke. „Nee, nee“, antwortet er schnell, „ich war nur am Schrauben. Aber es ist so kalt heute, da wollte ich vor dem Laufen sicher sein, dass ich mir nix einfange.“

Sie nickt verständnisvoll und wackelt davon. Jupp schaut ihr lange nach und stößt mit einem tiefen Seufzer die Luft aus. Jetzt, wo die Kinder aus dem Haus, könnte ich doch… Er schüttelt den Kopf und blättert schnell das Magazin durch.

Wie elektrisiert strafft sich der gute Kerl aufs Neue. Zur Begleitung der Ironman – Rookies, die sie in der letzten Ausgabe gesucht haben, suchen sie jetzt einen erfahrenen Hobbysportler, der ihnen mit Tipps und Tricks auf ihrem Weg in den Dreikampf – Olymp zur Seite steht.

Wer wäre da besser geeignet als ich, denkt sich der Jupp und eilt nach oben an den PC um sich sofort Online zu bewerben. Immerhin hat er in den letzten drei Jahren vier Ironman gefinisht, von den Marathons reden wir erst gar nicht und jetzt, mit knapp 52 Jahren, fühlt er sich auf dem Höhepunkt seiner körperlichen Leistungsfähigkeit. Er ist bereit, seine stetig in kleinen Schritten verbesserte Bestzeit von 12:43 h zu pulverisieren. Endlich ein Ziel, da kann der Winter machen was er will, ab jetzt wird trainiert. Da er heute aber schon vor Aufregung so stark ins Schwitzen gekommen ist, belässt Jupp es beim Duschen. Ist ja auch wirklich fies kalt heute.

Eine Woche später packt es Jupp, der alte Rheinländer, der im Karneval verzweifelt versucht hat, sich mit viel Alkohol über seine Midlife-Crises hinweg zu trösten, gerade wieder den PC zu starten.

Der Inhalt der email erleichtert seinen Einstieg in die Fastenzeit.

„Claudia, ich sach dir, die haben mich ausgewählt. Die haben gleich gemerkt, was sie hier für eine Granate an Land ziehen können.“

„OH ja, Jupp, das haben die sicher. Und falls nicht, werden die es noch merken.“

Jupp überhört Claudias Kritik gönnerhaft. Er zieht sich um und beginnt sofort mit dem Ausdauertraining. Er will ja mit einer gewissen Fitness zum ersten Treffen erscheinen. Also auf zum Long-Jog auf seiner 7.5km Standard-Runde durch den Stadtwald.

Nach 50min und einer Runde ist er wieder zu Hause und beginnt sich ausgiebig und gut für Herbert sichtbar zu dehnen. Der wird Augen machen, wenn ich ihn im Sommer zerlege, denkt sich Jupp und beginnt sich mental auf das Rennen seines Lebens bei der Bodensee - Challenge, nach dem Ironman Frankfurt vorzubereiten. Letzterer dient nicht nur der Vorbereitung. Herbert erhält in Frankfurt endgültig den Todesstoß und er kann dann völlig entspannt die Rookies als Teamkapitän ins Ziel führen.

 

 

 

 

 

 

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