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Hydrophil packt aus

 

Triathleten im Kampf gegen die Uhr, eine 24/7-Sissiphos Arbeit
Juli 2007 - by Philipp Herold

Je Ausdauer-lastiger ein Sport wird, desto weniger geht es darum, den direkten Gegner zu vernichten (ok, manchmal reicht es auch, ihn einfach zu schlagen). Aber wenn die Strecken länger werden, wird die Bewegung zunehmend ein Kampf gegen den inneren Schweinehund. Der direkte Gegner dabei ist dann die Uhr – tempus fugit…

Und wer von uns wird nicht – auch schon im Training – mal von dem Gedanken getragen, diese Einheit unter einer Stunde zu absolvieren, den Berg etwas schneller als letztes mal zu erklimmen oder diesmal noch über die gelbe Ampel zu Sprinten?

Eine niemals endende Aufgabe, es gibt immer noch eine Sekunde aus der Ecke zu kratzen. So was schafft man nur, wenn diese Triebe im Wesen veranlagt sind. Eine Evolutionäre Vorsehung gegen die ewig kreisenden Zeiger, lange entwickelt, bevor die ersten Zahnrädchen ineinander griffen.

Wen wundert es also, dass dieser Optimierungs-Trieb sich nicht nur aufs Training beschränkt. Auch sonst im Alltag erkennt man Zeitknappe Multisportler sehr leicht an ihrem hohen organisationsgrad und einem enormen Zug, „to get tue Job done“. Triathleten sind einfach die besseren Menschen. In der Gegendarstellung fallen dann eher Vokabeln wie „hoffnungslos gestresst“, ungemütlich“ oder „nervös“. Irgendwo dazwischen fokussiert derweil eine wachsende Zahl berufstätiger Triathleten immer mehr auf Zeitersparnis.

Im Folgenden habe ich mir als entspannter Student die Zeit genommen, mit der renommierten Trainingsagentur Finisher Concepts ein paar Tipps für die friedvolle Fusion von Sport, Beruf und Privatleben darzustellen. Wer also nicht sowieso schon seine Mineraltabletten in Kaffee auflöst und den Bürostuhl durch einen Stepper ersetzt hat, kann sich hier noch ein paar Anregungen holen.

1. Umgebung Anpassen

Ganz wichtiger Punkt: der Nimbus muss stimmen … Klar, jeder von uns hat seine Lieblings-Zeitfahrwaffe, wenn nicht sowieso schon im Keller, zumindest auf dem Bildschirmhintergrund. Aber da fängt der Spaß erst an: Als Start-Sound gehört sich ein guter Startschuss (Profis haben noch Schwimmgeräusche, di kurz vor dem Start erklingen). Heruntergefahren wird mit einer Gratulation des Moderators zum Finish. Dazwischen werden Mails „Achtung, ein Lutscher!“ empfangen und Bei Systemfehlern kommt das Kampfrichter-Motorrad akkustisch angebraust. Die ganz harten haben so fiese Geräusche wie Speichenriss oder das Zischen vom Plattfuß mit den allseits beliebten Problemberichten verknüpft.

2. Krafttraining – Oberschenkelstrecker

Jetzt aber ans eingemachte … eine gute Vorbereitung umfasst natürlich auch Krafttraining. Die Oberschenkel lassen sich fast den ganzen Tag über heimlich unterm Schreibtisch stählen, wo weder Kollegen, noch Sportkameraden Fragen stellen.

9. Schwimmen – Wassergefühl & Kraft

Ein Klassiker der Sportgeschichte ist das Schwimmtraining unter der Dusche. Sonst verknüpft mit Sprüchen wie „Ausduschen“ oder „Ich bin schnell – schnell unter der Dusche“, lässt sich gleich morgens vor dem Bewusst-Werden die erste Einheit schieben. Egal ob Wassergefühl am Brausekopf, oder Kraft mit Paddles in der Badewanne, wo ein Wille ist, da ist auch Wasser. Aber bitte Pullbuoy und Schwimmbrille nicht vergessen…

3. Technik – die Trinkflasche

Schlicht in der Idee, effektiv im Ergebnis, jedoch gewöhnungsbedürftig für das Umfeld. Hat jemand schon mal gesehen, wie Norman Stadler auf Hawaii zum Milch-Glas greift? Nein! Also, warum benutzen wir dann Becher, Tassen oder Gläser? Eben, völliger Quatsch, Routine und Anpassung sind alles, ab jetzt nur noch Trinken aus Radflaschen und Pappbechern (letztes nur im Laufen) und das Mittagessen packen wir in alte Energierigel-Folien.

4. Krafttraining – Bizeps

Die Standard-Übung für jeden Mucki-Buden-Besucher, jetzt auch zuhause und unterwegs. Zum Lesen braucht der Mensch eine bis keine Hand. Also keine Zeit vertun und mit dem freien Arm Gewichte reißen.

5. Fahrrad – Spinning

Spinning ist ätzend. So weit, so wahr. Nicht nur, dass das ewige gegen die Wand fahren etwas wenig Abwechslung bietet, die häufige Kombination vom Surren der Räder mit Regentrommeln von außen kann sehr monoton werden. Noch dazu immer die Quälenden Gedanken im Nacken, was danach noch alles zu tun ist. Angefangen bei der Auswertung der Einheit über Post und Telefonat bis hin zu sonst was. Warum also nicht die Arbeit in das Beschäftigungs-Loch ziehen? Auf dem Auflieger hat ein Buch genauso gut Platz wie ein Laptop. Letzterer kann dank Infrarot und Bluetooth dann auch gleich Tacho, Puls und Watt in Echtzeit auswerten. Daten lesen, bevor man überhaupt getreten hat, das ist die Zukunft!

6. Technik – der Helm

Ganz großer Punkt im Triathlon: Der Wechsel. Hier ist Routine alles, jeder Handgriff muss sitzen. Also legen wir in Zukunft unseren Helm an die Tür und wann immer wir vorbei kommen, kurz Helm aufsetzen, zuklippsen und wieder runter damit – natürlich alles Wettbewerbsgetreu.

7. Laufen – Grundschnelligkeit & Reaktionsvermögen

Den ganzen Tag sitzen … das ist ermüdend, schlecht für die Durchblutung und ineffiziente Regeneration. Also nutze den Tag und wann immer das Telefon klingelt, springst du auf, sprintest den Flur hinunter und wieder zurück, um dann abzunehmen. Dieses Procedere hat mehrere Vorteile. Das Klingel-Signal schult die Reaktionsschnelligkeit. Sprints regen den Kreislauf an, das hohe Tempo mobilisiert die Muskeln. Und der Störenfried am anderen Ende der Leitung muss kurz warten, was ihm hoffentlich seinen Platz in deinem Leben zeigt. Blöde Spruche wegen des Gehechels während der ersten Telefon-Minuten einfach ignorieren…

8. Technik – die Laufschuhe

Und zu guter letzt werden die Schnürsenkel begraben. Ab jetzt kommen in alle Schuhe Haushaltsgummis, Schnellverschlüsse oder Clips, ganz wie im Wettkampf. Neben der Gewöhnung an die Race-Bedingungen spart man sich über den Tag auch wieder etwas Zeit beim Schuhe anziehen. Und die nutzen wir dann für …

… und gerade hat man sich 24Stunden erfolgreich gewehrt, springt der Zeiger auf die 12 und alles geht von vorne los …

 

pain is temporay, success is forever!

 

 

 

 

 

 

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