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Sandra stand an der Bushaltestelle, als ihr Handy
klingelte. Hektisch kramte sie in ihrer Handtasche.
Verdammter Mist, dachte sie sich. Das Klingeln wollte
nicht enden. Endlich bekam sie das Telefon in den
geheimnisvollen Tiefen ihres wertvollsten Begleiters zu
fassen und schaute aufs Display. Sie sah, dass die
Rufnummer unterdrückt wurde und runzelte verwundert die
Stirn.
Fragend meldete sie sich: „Hallo?“
Sie hörte nur Rauschen und es bildete sich eine kleine
Falte zwischen ihren Augen. Ein sicheres Zeichen dafür,
dass sie sich ärgerte. Sie wollte gerade die Verbindung
unterbrechen, als eine Stimme in ihr Ohr flüsterte. Es war
ein unangenehmer Tonfall, der ihr gleich mehrere eiskalte
Schauer trotz strahlenden Sonnenscheins über den Rücken
jagte.
„Hallo Kleine. Geht’s dir gut?“
„Wer sind Sie? Woher haben Sie diese Nummer“
„Ach, das ist völlig ohne Belang. Sagen wir, ich bin ein
Bewunderer von dir! Ich beobachte dich schon lange. Jeden
Tag. Und jede Nacht. Ich bin dein größter Fan.“
„Ich glaube eher, Sie sind ein perverser Spinner. Ich lege
jetzt auf und wagen Sie nicht, mich nochmals anzurufen.
Sonst gehe ich zur Polizei.“ Sie hörte höhnisches Lachen
und unterbrach die Verbindung. Mit einer Mischung aus
Angst, Ekel und Entsetzen starrte sie auf das Handy in
ihrer Hand, das nach wenigen Augenblicken wieder
klingelte. Keine Nummer auf dem Display. Mehr aus einem
Reflex heraus nahm sie das Gespräch an.
„Du willst wirklich zur Polizei gehen? Wenn du mit dem Bus
fährst, auf den du wartest, bist du schneller!“
Sandra zuckte zusammen, als hätte ihr eine unsichtbare
Hand ins Genick geschlagen. Gehetzt sah sie sich um.
„Du brauchst gar nicht nach mir zu suchen. Du wirst mich
nicht finden. Aber ich werde dich finden. Es dauert nicht
mehr lange, meine Liebe.“ Die Verbindung wurde
unterbrochen. Die letzten beiden Worte lösten ein fieses
Ziehen in ihrem Magen aus. Schweißperlen hatten sich auf
ihrer Stirn gebildet und sie war sicher, dass die
sommerlichen Temperaturen nicht Schuld daran waren. Der
Bus fuhr an und schnell stieg sie mit zitternden Knien
ein. Der Fahrer betrachtete sie besorgt.
„Ist Ihnen nicht gut? Kann ich irgendetwas für Sie tun?“
„Nein, danke, es geht schon. Ich hatte einen harten Tag
und bin nur ein wenig erschöpft.“ Sie zwang sich zu einem
freundlichen Lächeln und nahm direkt hinter dem Fahrer
Platz. Der Bus brachte sie schnell in die City. Sie machte
sich sofort auf zum nächsten T-Punkt, um ihre Rufnummer
ändern zu lassen. Mittlerweile ärgerte sie sich über sich
selbst, dass es diesem Spinner gelungen war, ihr solch
einen Schrecken einzujagen. Wusste der berühmte Geier, wie
er an ihre Rufnummer gekommen war. Wahrscheinlich hatte er
einfach planlos ein paar Ziffern eingetippt und war
dummerweise bei ihr rausgekommen. Eine andere Rufnummer
und das Problem würde sich in Wohlgefallen auflösen. Dass
er sie wohl beobachtet hatte, verdrängte sie einfach.
Der freundliche Mitarbeiter im T-Punkt hatte sich ihr
Problem genau angehört. Sie bekam von ihm eine neue
Rufnummer zugeteilt und er versprach ihr, dass sie
innerhalb der nächsten Stunden frei geschaltet würde.
Sandra freute sich sichtlich, dass ihr so unkompliziert
geholfen wurde. Sie bedankte sich und schlenderte noch ein
wenig ziellos durch die Fußgängerzone. Eigentlich hatte
sie Shoppen gehen wollen, aber die Lust war ihr vergangen.
Wenn sie nur daran dachte, dass sie ihre Familie und
Freunde von der neuen Nummer unterrichten musste. Sie
seufzte. Sie hatte eine große Familie und viele Freunde.
Und alles nur wegen so einem….
Sie vergaß für einen Moment ihren Ärger. Sie hatte im
Schaufenster eines Modehauses einen tollen Rock erspäht,
dessen Preis nicht abgehoben war. Den sollte ich mir auf
den Schreck hin gönnen, dachte sie vergnügt und betrat die
Boutique. Sie probierte das Kleidungsstück an. Hätte ein
Schneider sein Maßband bei ihr angelegt, hätte der Rock
nicht besser passen können. Er betonte gut ihre langen,
schlanken Beine. Sie war begeistert. Rasch zog sie sich
wieder um, zahlte an der Kasse und fuhr mit dem Bus nach
Hause.
Sie hatte mit ihrem Freund Thomas zusammen vor ein paar
Monaten eine Eigentumswohnung in einem Neubaugebiet am
Stadtrand von Ludwigshafen gekauft, in die sie vor wenigen
Tagen eingezogen waren. Sandra liebte ihre neue Wohnung.
Sie hatten sich zusammen rechtzeitig mit dem Architekten
in Verbindung gesetzt, so dass sie noch vor Beginn der
Bautätigkeit ein wenig auf die Planung Einfluss nehmen
konnten. In der Maisonettewohnung führte eine Wendeltreppe
in den oberen Bereich, in dem sich ihr Schlafzimmer und
ein großes Bad befanden. Beinahe der gesamte untere Teil
wurde von einem geräumigen Wohn- und Esszimmerbereich
ausgefüllt, der schon früh morgens wegen der großen
Fensterfront zum Balkon hin sonnendurchflutet war. Nur die
Küche und die Gästetoilette waren abgetrennt in separaten
Räumen. Die Terrasse war ebenfalls sehr geräumig und bot
ausreichend Gelegenheit zum Sonnenbaden. Eine geschickte
Bauweise schützte vor allzu neugierigen Blicken.
Ihre Freude wurde ein kleinwenig getrübt, da Thomas für
zwei Wochen auf Dienstreise war. Und es waren erst drei
Tage vergangen. Sie musste noch fast zehn Nächte allein in
der Wohnung verbringen. Schlimmer noch, sie verbrachte die
Nächte sogar alleine im ganzen Haus, da noch keine
weiteren Eigentümer eingezogen waren. Wie gesagt, sie
liebte ihr erstes eigenes Zuhause, aber nachts so alleine
war schon ein wenig unheimlich. Sei kein Hasenfuß,
schimpfte sie sich selbst aus. Was soll da schon
passieren. Eine Antwort darauf, sollte sie in den nächsten
Stunden erhalten.
Die Fahrt im Bus hatte sie müde gemacht. Es war schon nach
20.00 Uhr. Sie wollte sich schnell eine Kleinigkeit zu
Essen machen und dann noch ein paar Minuten fern sehen
oder lesen. Sie würde sich in ihre Lieblingsdecke kuscheln
und sobald die Müdigkeit zu groß würde, ins Bett gehen.
Morgen war Freitag. Sie hatte im Geschäft ein
anstrengendes Meeting vor sich. Allerdings wollte sie auch
für den Abend fit sein, wo sie sich mit einer Freundin für
die Disco verabredet hatte.
Zum Glück hatte sie es nicht weit von der Bushaltestelle
bis zu ihrem Dreifamilienhaus. Ihre Handtasche und die
Einkaufstüte schienen dennoch auf einmal Tonnen zu wiegen.
Mühsam unterdrückte sie ein Gähnen, öffnete die Haustür
und betrat das Treppenhaus. Normalerweise benutzte sie
immer die Treppen, um zu ihrer Wohnung im obersten
Stockwerk zu kommen, aber heute zog sie doch den Lift vor.
Geräuschlos schwebte der moderne Fahrstuhl nach oben. Die
Tür des Fahrstuhls schwang auf und Dunkelheit umfing sie
wie ein schwerer samtener Vorhang. Es waren nur drei
Schritte vom Aufzug zu ihrer Wohnungstür. Das Treppenhaus
war erfreulich klein ausgefallen, zu Gunsten der Wohnungen
auf den einzelnen Etagen. Sie machte kein Licht an, fand
zielsicher das Schlüsselloch und drehte den Schlüssel. Mit
einem leisen Klacken im Schloss schwang die Tür zurück.
Für den Bruchteil einer Sekunde hörte sie ein Geräusch
hinter sich. Bevor sie den Kopf drehen konnte, stürzte
sie, von einem brutalen Stoß in den Rücken aus dem
Gleichgewicht gebracht, in ihre Wohnung. Die Tür fiel
hinter ihr ins Schloss. Eine nach Wildleder riechende Hand
griff ihr von hinten in die Haare und riss ihrem Kopf
brutal in den Nacken. Sie spürte etwas Kaltes,
Metallisches an ihrem Hals.
„Keinen Mucks, du Schlampe. Sonst schneide ich dir die
Rübe ab.“
Sandra erstarrte. Bevor sie irgendetwas erwidern konnte,
verschwand der metallische Gegenstand wieder, ihr Kopf
wurde ein weiteres Stück angehoben und dann mit brutaler
Wucht auf den gefliesten Boden geschlagen. Sie verlor
augenblicklich das Bewusstsein.
Als sie aus der gnädigen Dunkelheit zurück ans Tageslicht
tauchte, saß sie auf einem ihrer Esszimmerstühle. Langsam
realisierte ihr Unterbewusstsein eine merkwürdige Kälte.
Sie benötigte noch einige Momente bevor ihr Verstand
signalisierte, dass ihre Arme hinter der Stuhllehne und
ihre Füße an die metallenen Stuhlbeine gebunden worden
waren. Über ihre nackte Haut kroch die Kälte des Metalls
langsam in ihren Körper. Ruckartig riss sie ihren bis
dahin willenlos nach vorne gesunkenen Kopf in den Nacken
und öffnete entsetzt die Augen. Kälte? Nackte Haut? Sie
schaute nochmals an sich runter und konnte es kaum
glauben. Aber sie war tatsächlich vollkommen nackt. Sie
versuchte ihre gespreizten Schenkel irgendwie zu
schließen, aber der Typ, der sie überfallen hatte,
verstand sein Handwerk. Sie konnte sich nicht einen
Zentimeter bewegen und war den gierigen Blicken ihres
Peinigers auf ihren glatt rasierten Intimbereich hilflos
ausgeliefert. Verwirrt sah sie sich um. Durch mehrere
kleine Schlitze in den heruntergelassenen Rollläden ihres
Wohnzimmers konnte sie erkennen, dass die Nacht den Tag
endgültig besiegt hatte. Ihr höchstpeinlicher Sitz befand
sich neben der Terrassenfront. Sie hörte Geräusche hinter
sich in der Küche, konnte aber kaum etwas erkennen. Sie
hätte ihren Kopf wie ein Vogel um fast 180 Grad drehen
müssen. Es klapperte in ihrer Küche, als würde der
Eindringling kochen. Jetzt nahm sie auch den Geruch von
Essen wahr.
Wann würde sie aus diesem Alptraum erwachen? Sie spannte
alle Muskeln an, aber die dünne Angelschnur, mit der sie
verschnürt worden war, schnitt ihr nur tiefer ins Fleisch.
Sie unternahm den verzweifelten Versuch aufzustehen. Das
hatte lediglich zur Folge, dass der Stuhl durch das kurze
Anlupfen zu einem klackenden Geräusch auf dem Boden
führte. Sofort verstummte das Geklapper in der Küche und
Schritte näherten sich.
„Hallo, kleine Schlampe. Bist du endlich aufgewacht? Wird
auch Zeit. Wir haben schließlich noch viel vor heute
Nacht.“
„Wer sind Sie? Was wollen Sie?“ Ihre Stimme war ein Tick
zu schrill, sie konnte aber nichts dagegen tun.
„Wer ich bin? Wer ich bin??? Ich bin der, der sich
gemütlich mit dir am Telefon unterhalten wollte. Mehr
nicht. Aber du Schlampe warst ja besonders schlau. Hast
die Nummer ändern lassen.“ Er war drohend auf sie
zugekommen und verpasste ihr mit der flachen Hand eine
schallende Ohrfeige, der ihren Kopf weit in den Nacken
riss. Der Lederhandschuh dämpfte das klatschende Geräusch.
„Was hast du dir dabei gedacht? Dir werde ich helfen,
deinen größten Fan zu enttäuschen. Du wist schon sehen,
was du davon hast“ Ohne sie weiter zu beachten, trottete
er wieder in Richtung Küche.
Sandras Wange brannte wie Feuer. Sie kämpfte mit den
Tränen und konnte nur mühsam ihre Panik unter Kontrolle
halten. Fieberhaft arbeiteten ihre Gedanken. Gehetzt sah
sie sich um, suchte einen Ausweg aus der Falle. Es gab
keinen. Diese Erkenntnis ließ eine Welle der Verzweiflung
mit unbändiger Macht in ihr aufkeimen. Nur mit Mühe konnte
sie ein lautes Schluchzen verhindern. Sie wollte auf
keinen Fall, dass ihr Peiniger etwas von ihrer
Verzweiflung mitbekam. Sie versuchte erneut wie ein
Berserker ihre Handfesseln aufzubekommen. Der einzige
Erfolg war, dass spürte, wie warmes Blut aus ihren
geschundenen Handgelenken ihren Fingern entlang rann.
Schmerzen machten sich immer heftiger bemerkbar. Kriechend
wie ein ekliger Wurm kroch die Kälte weiter durch ihren
Körper und ließ sie zittern. Nach einigen Augenblicken
hörte sie erneut Schritte aus der Küche kommen. Der Typ
setzte sich ihr gegenüber auf die Couch, wo sie sich vor
wenigen Stunden noch gedanklich in ihre Decke einkuscheln
wollte. Er hatte sich tatsächlich etwas zu Essen gemacht.
„Das passt zu dir. Kaum was zu Fressen im Kühlschrank. Was
bist du nur für eine miese Schlampe?“ fragte er sie und
musterte sie mit gierigen Blicken. Er schien förmlich in
sie hineinkriechen zu wollen. Sandra blieb die Gier in den
Blicken nicht verborgen. Sie hatte sich wieder unter
Kontrolle und wollte versuchen, aus ihrer Lage irgendwie
Kapital zu schlagen. Sie versuchte, dem Klang ihrer Stimme
einen warmen Klang zu geben.
„Bitte hören Sie. Ich sehe ein, dass mein Verhalten Ihnen
gegenüber nicht korrekt war. Das ist mir jetzt klar
geworden. Vielleicht kann ich irgendwie wieder gut
machen?“ Sie versuchte, ihrem Blick einen ebenfalls
begehrliche Nuance zugeben, was ihr aber gründlich
misslang. Ihr Gegenüber bemerkte dies aber gar nicht,
sondern sprang wütend von der Couch. Der Anblick ihres
nackten Fleisches schien ihn durchdrehen zu lassen.
„Was bildest du dir eigentlich ein, Miststück? Willst mich
wohl verarschen. Dir werde ich es zeigen. Ich werde dich
ficken, wie dich noch nie einer gefickt hat. Und dann
bringe ich dich um, schneide dich in Stücke und werde dich
aufessen. Vielleicht bist du wenigstens dafür zu
gebrauchen.“ Das anschließende Lachen hatte nichts
Menschliches an sich. Wie ein Tier riss er sich die
Kleider vom Leib. Zum Vorschein kam ein aufgedunsener
Leib, dessen leicht gelblich schimmernde Haut aussah, als
würde es ihr nur mit letzter Anspannung gelingen, nicht
unter dem Druck der Fettschichten zu zerreißen. Angeekelt
starrte Sandra auf den sich vor ihr aufbauenden Leib. Das
Wabbeln des Fetts erinnerte sie eher an das unförmige
Gebilde einer Qualle, als an einen Menschen. Nur mit Mühe
gelang es diesem Psychopathen beim Ausziehen seine Hosen
nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Mit vor Erregung
zitternden Fingern streifte er seine vor Schmutz starrende
Unterhose nach unten und zum Vorschein kam sein erigiertes
Glied. Er ging vor ihr in eine sitzende Stellung und
betatschte seinen behandschuhten Fingern ihre straffen
Brüste. Ein Stöhnen, das all seine Erregung ausdrückte,
drang zwischen seinen Lippen hervor. Sein Gesicht näherte
sich dem ihrem und sie roch seinen schlechten Atem. Er
setzte sich vor ihr auf den Stuhl, zog einen Handschuh aus
und griff nach unten. Seine Finger drangen brutal in ihre
Scheide ein. „Ha, dachte ich es mir doch. Du bist schon
nass. Du willst ja von mir gefickt werden. Das kannst du
haben.“ Er rutschte näher und Sandra spürte den harten
pulsierenden Schwanz an der Innenseite ihrer Schenkel. Sie
sah ihm in die Augen und erkannte nur noch Wahnsinn.
„Hör mal“, presste sie zwischen den Zähnen hervor. „Warum
den gleich so eilig. Soll ich dich nicht vorher ein wenig
verwöhnen? Komm hoch, ich blas dir einen.“ Ihr Peiniger
hielt einen Moment inne und schlug sich mit der flachen
Hand auf die Stirn. „Du willst wohl deinen Arsch retten,
aber das wird dir nicht viel nützen. Andererseits hast du
Recht.“ Er sprang wieder auf. „Hier, los, nimm ihn schon
in dein Maul“, hechelte er, „wenn du gut bist, lass ich
dich vielleicht sogar am Leben.“ Sandra konnte gerade noch
ihren Kopf zur Seite drehen. Mühsam würgte sie ihr
Mittagessen, das sich kontinuierlich den Weg durch ihre
Speiseröhre nach oben bahnte, wieder herunter. „Hey, nicht
so schnell. Ich meine es Ernst. Ich will dich richtig
verwöhnen. Binde einfach meine Hände los, dann kann ich
dich auch richtig massieren.“
„Massieren ist gut. Ja, wirklich gut. Schön fest,
Dreckstück.“ Er drehte sich abrupt um und nahm das
Küchenmesser, das neben seinem auf dem Wohnzimmertisch
abgestellten Teller lag und kam auf sie zu. Sandra konnte
mit einem kurzen Blick nicht realisieren, ob er nun
wirklich ihre Fesseln oder ihr den Hals durchschneiden
wollte. Todesangst lähmte sie. Ihr Peiniger sah sie einen
kurzen Augenblick zögernd an. „Also gut. Aber bei den
geringsten Mätzchen schneide ich dich in Stücke. Und zwar
ganz langsam, dass du auch etwas davon hast.“
Er beugte sich über sie hinweg und zerschnitt die
Silikonschnur, die ihr die Hände gefesselt hatten. Sandra
stöhnte vor Schmerz auf, als ihr Blut wieder in den
geschundenen Fingern zu zirkulieren begann. Natürlich kam
das Stöhnen bei ihrem Gegenüber falsch an. „Du bist
wirklich der letzte Dreck. So ein geiles Miststück. Los,
blas mir jetzt endlich einen!“ Er hielt ihr die Klinge des
Messers unmissverständlich an den Hals.
Sandra überwand ihren Ekel und nahm den geschwollenen
Phallus ihres Peinigers in die rechte Hand und drückte ihn
vorsichtig. Sofort hörte sie ein lautes Stöhnen. Ihre
Lippen schlossen sich um das Glied und vorsichtig bewegte
sie ihren Kopf vor und zurück. Das Stöhnen über ihr
verwandelte sich in ein hemmungsloses Schreien. Sie
spürte, wie sich das Messer von ihrem Hals entfernte und
kitzelte mit ihrer Zunge die Spitze der Eichel. Gerade als
das Zucken in ihrem Mund immer stärker wurde, biss sie
erbarmungslos zu. Sie spürte, wie etwas Fleischiges in
ihren Mundraum fiel und nahm augenblicklich den Geschmack
von Blut war. Das lustvolle Stöhnen über ihr war verstummt
und eine bedrohlich Stille erfüllte den Raum. Aber nur
kurz. Der Mann schrie wie von Sinnen vor Schmerzen und
sank vor ihr auf Knie. Das Messer glitt ihm aus der Hand.
Sandra konnte nicht mehr. Sie musste dem Würgen nachgeben,
spuckte aus und bevor sie es verhindern konnte, kotzte sie
dem vor ihr knienden Peiniger mitten ins Gesicht. Er bekam
das überhaupt nicht mit. Die vor Entsetzen weit
aufgerissenen Augen waren verdreht. Sandra bekam das
Gefühl, in die toten, weißen Augen eines Zombies zu
schauen. Sie wischte sich immer noch angeekelt über den
Mund, verschloss dann ihre Hände zu einer Faust, holte so
weit es ihre gefesselten Beine zuließen Schwung und schlug
ihrem Peiniger so fest sie nur konnte seitlich ins
Gesicht. Er fiel nach hinten wie ein nasser Sack und
jammerte vor sich hin. Sandra nutzte die Gunst, schnappte
sich das Messer und löste auch ihre Beinfesseln. Sie erhob
sich vom Stuhl und wäre beinahe zusammengesackt, weil ihre
Beine nach der langen Zeit in der unnatürlichen Haltung
ihren Dienst versagen wollten. Dieses Schwächegefühl
verschwand schnell. Sie sah auf den zuckenden Körper vor
ihren Füßen und sie spürte abgrundtiefen Hass in sich
aufflammen. Sie umrundete den auf der Seite, wie ein
Kleinkind zusammengerollten Körper und trat ihn mit voller
Wucht zwischen die Beine. Ein Schrei folgte ihrer Aktion.
Sie trat wieder zu. Und wieder. Immer schneller. Ihr Puls
raste und es dauerte einige Minuten, bis sie aus ihrer
Raserei wieder erwachte. Ihr rechter Fuß war dunkelrot vom
vielen Blut verfärbt. Selbst auf ihrem Gesicht spürte sie
Blutspritzer. Sie nahm das Messer fest in ihre rechte Hand
und näherte sich dem Gesicht des Psychopathen. Keine
Reaktion. Er hatte das Bewusstsein verloren. Schnell
stürzte sie zum Sideboard, nahm das Telefon und rief bei
der Polizei an. Sie war zu verwirrt, um den Beamten zu
schildern, was genau geschehen war. Sie schrie in den
Hörer, dass sie sofort kommen sollten. Sie hätte eine
Scheißangst. Der Beamte auf der anderen Seite der Leitung
sprach beruhigend auf sie ein. Als er Sandra die Adresse
aus der Nase gezogen hatte, versprach er, schnellstmöglich
einen Streifenwagen vorbei zu schicken. Er versuchte
weiterhin, sie zu beruhigen. Nach wenigen Minuten klopfte
es plötzlich an der Tür.
„Wer ist da?“, rief sie ängstlich und überzeugte sich mit
einem kurzen Blick, dass von ihrem Peiniger keine Gefahr
mehr ausging.
„Polizei. Sie haben um Hilfe gerufen. Bitte öffnen Sie die
Tür.“
„Wie sind Sie hier heraufgekommen?“
„Wir haben die Eingangstür gewaltsam geöffnet. Nun machen
Sie schon die Tür auf, schnell!“
Sandra spähte durch den Türspion, erkannte die Uniformen
und öffnete erleichtert die Tür. Eine weibliche Beamtin
betrat den Raum und nahm die immer noch völlig nackte
Sandra beruhigend in die Arme. Nicht jedoch, ohne sich
vorher mit ihrem Kollegen ob des vielen Blutes an Sandras
Körper kurz mit einem Blick zu verständigen. „Im
Wohnzimmer…“ Sandras Stimme erstickte in Tränen, ihr
Körper zitterte hemmungslos in den Armen der Beamtin. Ihr
Kollege zog die Pistole und begab sich ins Wohnzimmer. Mit
routiniertem Blick erkannte er, dass von dem Bewusstlosen
momentan nichts zu befürchten war. Er holte sein Funkgerät
aus seiner Jacke, verständigte seine Zentrale und bat um
einen Krankenwagen.
Eine Woche später fuhr sie mit Thomas, der seine Reise
sofort abgebrochen hatte, zur Polizei, um ihre im
Krankenhaus getätigte Aussage zu unterschreiben.
Mittlerweile hatte sie erfahren, dass der Mann, der sie
aufgelauert hatte, ein von Interpol gesuchter Massenmörder
war, der schon mehr als zwanzig Frauen auf übelste Weise
ermordet hatte. Die Ärzte hatten ihn mit Hilfe einer
Notoperation retten können. Ihm würde der Prozess wegen
mehrfachen Mordes und versuchten Mordes, von den
Sexualdelikten mal ganz zu Schweigen, gemacht werden. Der
ermittelnde Beamte, der ihre Aussagen am Krankenbett
aufgenommen hatte, versicherte ihr, dass der als „Der
Schlitzer von Rostock“ bekannte Psychopath für immer
weggeschlossen werden würde.
Auf der Polizeiwache wurden Sandra und Thomas zum
Revierleiter gebracht. Er empfing die beiden mit einem
freundlichen Lächeln.
„Guten Tag, Frau Weber.“ Mit einem Nicken grüßte er auch
in Thomas Richtung. „Tja, eigentlich sollen Sie ja heute
Ihre Aussagen nochmals genau durchlesen und mit Ihrer
Unterschrift bestätigen. Dann wollte ich Sie eigentlich
fragen, ob…ob Sie gegen den Täter vor Gericht aussagen
würden.“ Sandra wurde blass. Schlagartig war die
Erinnerung an ihre schlimmsten Stunden zurückgekehrt.
„Keine Angst. Der Verdächtige hat letzte Nacht im
Krankenhaus Selbstmord begangen. Ihre Aussage wird zu den
Akten genommen und der Fall geschlossen.“
Sandra konnte ihre Erleichterung nicht verbergen. Sie
unterhielten sich noch kurz und verließen wieder gemeinsam
das Revier.
Sie kuschelte sich eng an Thomas und flüsterte: „Weißt du,
manchmal gibt es doch Gerechtigkeit auf dieser Welt.“
Statt einer Antwort zog Thomas sie nur noch fester zu sich
heran.
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